Name: Helli (angemeldet) · Date: 02.09.19 18:08 · For: 31. Rucellai
Jetzt bin ich auch mit dem 2. Teil durch und bin hier gerade etwas erstaunt über deine Quellenliste. Das grenzt ja schon an ein Studium, was du da an Aufwand für diese Story betreibst.

Ja, wo fang ich an... ?
Vielleicht bei den Fragen, die sich auftaten.

1. Könntest du eine bestimmte Abbildung/Karte/Plan empfehlen, die es einem erleichtern könnten sich bei den geographischen Angaben zu Florenz besser zu orientieren? Manche Straßennamen und Plätze sind mir mittlerweile vom mehrmaligen Lesen vertraut, aber ich habe trotzdem selten eine Vorstellung davon wo sich die Figuren, z.B. bei Verfolgungsjagden, genau bewegen, wo welche Straße in welchen Platz übergeht, etc.
Vielleicht geht es auch nur mir so, aber ich habe immer gerne eine Karte zur Hand um einen Eindruck zu bekommen, wo die Charaktere sich gerade befinden und wo das Ganze spielt.

2. Was ist mit der Leiche passiert, die Leonardo im Keller sezieren wollte? Oder habe ich das überlesen? Fand das noch statt? Wie hat er sie entsorgt? Für die Geschichte an sich natürlich überhaupt nicht wichtig, aber irgendwie blieb mir da ein Fragezeichen.

3. Stammen die Texte der Kodexseiten so aus dem Spiel? Als ich das so las, bekam ich ja direkt Lust eine philosophische Diskussion mit Altaïr loszutreten. Auch ohne die Spiele zu spielen, könnte man eine leise Ahnung bekommen, wieso sich Templer und Assassinen gegenüberstehen bzw. man könnte den Eindruck bekommen, dass sie zwei Seiten derselben Medaille darstellen.
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Ich weiß nicht, inwieweit Leonardos Probleme mit seinem leiblichen Vater im Spiel thematisiert werden oder historischen Hintergrund haben, da kenne ich mich gar nicht aus, aber ich fand die Figur Piero sehr gut von dir skizziert und ich habe ein ziemlich genaues Bild von ihm bekommen, was mich immer wieder zwischen Verachtung und Mitgefühl schwanken ließ. Er ist schon ein verachtenswerter Kerl, der trotzdem nicht aus seiner Haut kann und doch wieder nicht so verlogen ist, dass er nicht auch selbst wüsste, was für ein feiger Hund er ist. Ich finde da ist sehr viel Menschliches in dieser Figur und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich würde nicht auch aussteigen und die Kurve kratzen wollen, wenn es so aussähe, als könnte ich ins Fadenkreuz geraten.


Alle Achtung... ich finde besonders die letzten 6 Kapitel hatten es ja echt in sich. Da war Spannung drin, wie man es aus Romanen kennt und die Zeilen flogen beim Lesen nur so dahin. Zwei Twists haben mir besonders gut gefallen:

1. Einmal, als das mysteriöse unbekannte Ziel plötzlich in Lorenzos eigenen Reihen auftauchte und ihm beinahe den Garaus gemacht hätte... hui, also da hab ich echt die Luft angehalten. Das hätte richtig übel ausgehen können, aber das war eine tolle Stelle.

2. Die Stelle am Schluss, an der Leonardo seinen Gegner damit überrascht und überwältigt, dass er Linkshänder ist. Das war wirklich gut platziert hier und eine geistreiche Wendung der Situation.

Ach ja und Agostino Popoleschi ist ja für mich eines der Highlights dieses Teils. Ich stelle ihn mir als diesen typischen bulligen Gardehauptmann vor, der sich durch seine Art unfreiwillig immer leicht am Rand des Komödiantischen bewegt, ohne aber lächerlich oder trottelig zu wirken. Das ist so eine Nebenfigur, die die Welt lebendiger macht und mir sehr viel Spaß beim Lesen bereitete. Dass er zwischendurch sogar selbst in Verdacht geriet, brachte mich hier natürlich zum Zähneknirschen, aber das bringt ja gleich nochmal Würze rein.
Haha, musste er am Ende tatsächlich dieses Bild kaufen und im Revier aufhängen. Überhaupt auch im letzten Kapitel das Gespräch mit Rucellai über das Bild – herrlich!

Vielen Dank für diesen spannenden, vergnüglichen Lesestoff. Ich bleibe dran. :)

Author's Response: Huhu Helli,
erst einmal einen ganz großen und herzlichen Dank an dich! Mein Montag hat so furchtbar angefangen und war bis zu den Abendstunden eine echte Katastrophe. Da war dein Review jetzt ein echter Lichtblick und Energieschub! ^^
Die Quellenangaben waren bei Band 2 und 3 ziemlich umfangreich, da viel historischer Bezug in beiden Geschichten steckt und ich mich reinknien musste, damit auch alles nahtlos ineinander greift – Realität und AC-Universum. Viele meiner Quellen kann ich nicht mal angeben, da sie nicht aus Büchern oder anderen Medien stammen – die wahre Liste ist also noch bedeutend länger. *hüstel*
1. Oh, du bist die Erste, die nach einer Karte fragt, und über dieses Interesse freue ich mich wie ein Schnitzel! Natürlich gibt es eine. Diese hier habe ich mir extra zu Teil 2 zurechtgeschustert. Das Original stammt aus der GEO Epoche. Die Palio-Strecke wie auch die Örtlichkeiten der Attentatsziele sind da alle drauf, aus Leonardos Bottega und das La Rosa Colta: https://www.bilder-upload.eu/upload/3c80d1-1567444199.jpg
Die Links von diesem Host verfallen zwar nach ca. 4 Monaten, wie ich festgestellt habe, aber für ein Sharing reicht das ja (nein, es geht nicht nur dir so – ich liebe Karten über alles; es ist nur leider schwer, die mit in die Storys zu packen). ^^
2. Was mit der Leiche passiert ist: Leonardo hat sie seziert. Ich wollte diese Szene anfangs auch wirklich mit reinnehmen, aber sie hat ein bisschen den Drive aus der Story genommen, weshalb ich sie dann doch weggelassen habe. Was Sezieren bei Leonardo im Detail bedeutet, darauf komme ich aber noch zu sprechen. Einfach nur mal aufschneiden und Reingucken … nope. Ein Blick auf seine anatomischen Zeichnungen verrät, wie weit er da gegangen ist (und wie akribisch er alles zeichnerisch zu Papier gebracht hat). Anlass für eine solche Szene wird es noch geben, wenn auch erst einige Jahre später, wenn er vor Publikum Leichen aufschnippelt.
3. Ja, die Kodeseiten Altaïrs stammen aus dem Spiel. Um sie einsehen zu können, muss man sich durch die Datenbank klicken, dort sind sie für jeden interessierten Spieler hinterlegt. Für Commilitones habe ich diesen Kodex sogar noch um einige weitere Seiten erweitert, die kommen aber erst ab Band 5 zum Tragen. Alle aus Band 1-4 sind Originale/Ausschnitte aus den Spielvorgaben. Ich wollte den Stil nicht verfälschen (persönlich hätte ich manches umformuliert/anders ausgedrückt). Andererseits fand ich es auch reizvoll, so einen kleinen Stilbruch drin zu haben, umso deutlicher erschien es mir, dass dieser Kodex aus der Feder eines ‚Fremden‘ stammt. – Deine Mutmaßung über die „zwei Seiten derselben Medaille“ geht jedenfalls ganz in die richtige Richtung. ;)
Zu den weiteren Chars: Leonardos Vater wird im Spiel überhaupt nicht thematisiert. Was ich über ihn weiß, habe ich aus Leonardos Aufzeichnungen und historischen Recherchen rausgezogen. Er war ein ziemlicher Rumtreiber, viermal verheiratet, hat fleißig Nachkommen produziert und war in Florenz auch als ziemlicher Schürzenjäger verschrien, was nahe legt, dass er seinen Ehefrauen wohl auch nicht besonders treu war. Nach der Saltarelli-Affäre kam es auch im RL zu einem Bruch zwischen ihm und Leonardo. Wie es sich zwischen den beiden weiterentwickelt, will ich allerdings nicht vorwegnehmen. :) – Übrigens ist Leonardos komplette Familie kein Thema in den „Assassin’s Creed“-Spielen, darum liegt in den ersten Commilitones-Bänden auch der Fokus mehr auf ihr. Ich wollte Leonardo vor allem als Mensch und nicht als ‚Universalgenie‘ darstellen. Als etwas Greifbares. Und Familienverhältnisse verraten da einfach so viel mehr als Gemälde.
Die letzten Kapitel haben mir damals beim Schreiben irrsinnig Spaß gemacht – und die sind auch in einem Rutsch heruntergeschrieben worden. Die Story aufbauen und alle Hinweise streuen, das dauert immer Wochen oder Monate. Den Höhepunkt zu schreiben… eine Sache von wenigen Tagen. Dann läuft alles zusammen und man ist voll im Fluss. ^^
Twist 1: Ha, die Stelle ist aufgegangen! Das freut mich sehr! XD
Twist 2: Ich gestehe, dass ich auf eine Stelle gelauert habe, an der ich diesen Linkshändervorteil mal ganz präsent einbauen konnte. Tatsächlich haben Linkshänder im direkten Kampf Mann gegen Mann Vorteile. Ihre Angriffe sind für Rechtshänder nicht so leicht vorauszusehen/zu kontern. Auch der Bau von Wehranlagen konzentriert sich auf Rechtshänder. Wenn du mal in einer alten Burg umherspazierst und in den Bergfried hinaufsteigst, achte mal auf die Windung der Treppe. Die verläuft immer nach rechts, sodass ein schwertschwingender Angreifer beim Stürmen des Turms nie seine Waffe kampfbereit hochheben kann. Da ist ihm das Treppengewinde im Weg. Die Verteidiger, die von oben angreifen, haben dagegen die breite/offene Seite zu ihrer Rechten und damit einen Vorteil … außer, es kommen Linkshänder ins Spiel, dann wird’s spannend. ^^
Und mein Brummbär Popoleschi. Dass er bisher ausnahmslos gut ankommt, freut mich sehr – denn er stammt auch nicht aus den Spielen, sondern ist ein OC. Und ja, genau das ist er: bullig und manchmal unfreiwillig komisch aufgrund seiner bärbeißigen Art. Auch er bleibt der Story erhalten – er hat ja auch noch viel zu tun mit diesen aufsässigen Assassinen. jetzt mehr denn je. ;)
Dass Popoleschi am Ende das Bild gekauft hat, war quasi meine an die Story gebundene Erklärung, warum Leonardo diese Auftragsarbeit nie beendet hat. Wieso er es tatsächlich unterlassen hat … niemand weiß es. Da fand ich es einfach spaßig, eine ‚what if…‘-Lösung zu bieten.
Was bleibt mir am Schluss zu sagen, außer ‚Sie kommen alle wieder‘, egal ob Popoleschi, Rucellai oder Ser Piero? Zu erzählen gibt es ja noch mehr als genug. Und natürlich hoffe ich, dass du dich weiterhin so gut unterhalten fühlen kannst. Was Schöneres kann sich ein Schreiberling ja nicht wünschen. ^^
Einen schönen Abend und viele Grüße
Sev


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