1.06 Sturm und Regen von Steffi Raatz
1.06 Sturm und Regen by Steffi Raatz
Summary: Angel wird wiedermal mit seiner Vergangenheit konfrontriert. Doch diesmal ist es eine sehr lebendige Vergangenheit. Was Angel und Cordelia nicht wissen, dies ist der Anfang von etwas Großem, dessen Bedeutung sie erst sehr viel später begreifen werden...
Categories: TV-Serien > Buffy & Angel Characters: Multi-Chars/Ensemble
Genre: General, Virtual Episode
Pairing: Keine
Challenges:
Series: Angel Investigations
Chapters: 1 Completed: Ja Word count: 12177 Read: 1162 Published: 22.05.19 Updated: 22.05.19
Story Notes:
Co-Autor: Karin Ropers
Chapter 1 by Steffi Raatz
Rückblick - 1576 -

Ihr Haar war lang und rabenschwarz so wie die Nacht. Ihre Augen waren von tiefem blau und unergründlich wie zwei Seen. Ein Gesicht einem Engel gleich und eine hinreißende Fi-gur, doch sie war gefährlich, sie war mächtig. Daviana lächelte auf den Mann herab, der vor ihr kniete und sich ihr darbot. Sie brauchte ihn nicht, viele Männer lagen ihr zu Füßen und so schickte sie ihn fort.
Mit ihren grazilen Fingern winkte sie ihren Berater herbei und ließ sich wieder auf ihrem Thron nieder: "Shadusch, was für Stümper schickt Ihr mir? Ich will einen Mann, einen rich-tigen Mann, mit dem ich Nachkommen zeugen kann, keine Versager!"
"Meine Gebieterin, es tut mir leid. Es war ein Versehen", der alte Mann ging vor ihr in die Knie und bat um Verzeihung.
"Ein letztes Mal werde ich dir vergeben, Berater, dann wirst du meinen Zorn spüren, hast du mich verstanden?", tönte sie und ihr Untergebener zuckte zurück.
"Ja, Gebieterin, ja, ich habe verstanden!" Er zog sich zurück und ließ seine Herrin allein.
Diese erhob ihre Hand, machte damit eine kreisende Bewegung und ein fürchterlicher Wir-belsturm begann...

~

Gegenwart - 2001 -

Wesley und Gunn standen am Fenster und betrachteten die vorbei gehenden Menschen.
"Was tun die da?" Angel sah Cordelia schief von der Seite an.
Cordi verzog das Gesicht und sah von ihrer Zeitung auf. "Frauen mit Miniröcken nachse-hen. Scheint ihnen außerordentlich viel Spaß zu machen."
"Bitte?" Angel glaubte sich verhört zu haben.
"Bitte, überzeug dich doch selber!", entgegnete sie, sah wieder in ihre Zeitung und deutete mit einer freien Hand auf ihre beiden Kollegen.
"Was gibt es denn Schönes da draußen zu sehen?" Angel hatte sich im Schatten des Fens-ter zu ihnen gesellt und wartete nun auf eine Antwort.
"Frauen in kurzen Hosen, Frauen in Röcken und Frauen in Kleidern!" Wesley hörte sich liebestoll an.
"Frauen!", seufzte Gunn und grinste dabei.
"Ich glaube, die Sonne bekommt euch nicht so gut. Ihr solltet vielleicht aus der Sonne in den Schatten gehen, sonst gibt es einen nicht zu reparierenden Dachschaden bei euch." Cordelia hatte mal wieder einen recht scharfen Ton in der Stimme und brachte Angel zum Schmunzeln.
"Nur weil es keine Männer in kurzen Hosen gibt, die hier vorbei laufen...", begann Gunn und wurde jäh von Cordelia unterbrochen: "Widerlich! Männer in kurzen Hosen! Also bitte, Gunn, damit kannst du mich wirklich nicht hinter dem Ofen hervor locken!"
Wesley grinste ihn breit an: "Das hätte ich dir gleich sagen können, Gunn, Cordi hat einen sehr eigenwilligen Geschmack in Bezug auf Männer!"
"Deshalb hat sie dich ja auch bei Eurem ersten Treffen hier geküsst", kommentierte Angel schmunzelnd.
Gunn lachte über Wesleys dümmliches Gesicht, während Cordelia sich peinlich berührt an die Situation erinnerte.
"Das war ja auch nur ein Versehen gewesen! Und ganz bestimmt nicht ernst gemeint!" Sie verzog ihr hübsches Gesicht zu einer angewiderten Fratze und grinste anschließend Angel verlegen an. "So, anderes Thema jetzt. Wolltest du nicht etwas mit uns besprechen, An-gel?"
Er nickte ihr zu und sah dann seine beiden Mitarbeiter an. "Meint ihr, ihr könnt euch für ganze 5 Minuten mal vom Fenster loseisen?"
Die beiden sahen sich an und murmelten mehr oder weniger zufrieden ihre Zustimmung. Cordelia schüttelte nur den Kopf.
"Also", begann Angel, "ich wollte mit euch eigentlich mal über das Thema Urlaubsplanung sprechen?"
"Wieso? Willst du deine Vettern in Transsilvanien besuchen fahren?", sprudelte es aus Gunn heraus und strafende Blicke trafen ihn.
"Böser Fehler, Gunn!", flüsterte ihm Wesley zu.
"Ganz Recht, böser Fehler Gunn! Zur Strafe bekommst du auch keinen Urlaub dieses Jahr und kannst für uns alle Vertretung machen!" Angel blickte ihn todernst an, während Cordelia in Prusten und dann in schallendes Gelächter ausbrach.
"Gut nächster Punkt, hat einer von Euch heute schon mal in der Zeitung geblättert?"
Er blickte fragend in die Runde und begegnete lediglich Gunns irritiertem Blick. Sein Mund stand offen und der Protest lag in seinen Augen, doch er war wirklich und wahrhaftig sprachlos.
"Ich habe schon drin gelesen, war ein interessanter Artikel über eine Frau drin, die sich für eine Hexe hält!", gab Cordelia Auskunft.
"Ja, den Artikel habe ich auch gelesen." Er sah Cordelia an und sie gab zurück: "Sie klingt nicht, als wenn sie verrückt wäre!"
"Ja, vielleicht hast du Recht, aber mir geht es eigentlich um einen anderen Teil der Zei-tung", entgegnete Angel.
"Um welchen denn?" Wesley sah seinen Boss fragend an.
"Den Wetterbericht", antwortete dieser und verursachte allgemeine Verwirrung.
"Den Wetterbericht?" Cordelia betonte die beiden Worte und sah Angel an, als sei er ver-rückt geworden.
"Ja, den Wetterbericht!", konterte er und griff sich die Zeitung von der Kommode hinter sich, "ist eigentlich schon mal irgend jemandem aufgefallen, dass wir in Kalifornien ganz viele Wetterschwankungen haben?"
"Also...", "Ehrlich gesagt...", "Steht so was in der Zeitung???", kam es wild durcheinander von den dreien und Angel sah ein wenig entnervt zur Decke.
"Ja meine Lieben, so was steht auch mal in der Zeitung!", entgegnete der Vampir sarkas-tisch.
"Bist du vielleicht wetterfühlig oder so?", fragte Gunn, während Wesley sich nur die Hand vor die Stirn schlug. Cordelia schloss die Augen und grinste verhalten.
"Wieso?", knurrte Angel und jeder andere hätte es vermutlich gelassen, eine Antwort zu geben, Gunn jedoch...
"Weil du so schlecht drauf bist, Mann!"
Mit tödlicher Präzision fixierte Angel seinen Mitarbeiter mit seinen Augen. Hätten Blicke töten können, Gunn wäre elendig zu Grunde gegangen.
Wesley schüttelte nur den Kopf, Cordelia lachte leise.
Gunn war schon manches mal reichlich taktlos.

~

In einem anderen Teil der Stadt kam es zu einer ungewöhnlichen Erscheinung. Der Himmel weinte an einer Stelle und an anderer Stelle war Sonnenschein. Daviana stand lächelnd in einer Parkanlage und hatte ein Gewitter losgeschickt.

~

"Wetterumschwünge", lachte Gunn und sah seine Kollegen fragend an, als diese ihn mit bösen Blicken straften, "was?!"
"Wenn Angel der Auffassung ist, wir sollten uns der Sache mal annehmen, dann tun wir das besser auch", zischte Cordelia ungehalten.
"Wesley..." Gunn sah sich Hilfe suchend zu ihm um, doch dieser zuckte nur mit den Schul-tern.
"Cordelia hat schon Recht, Angel macht solche Andeutungen nicht aus Spaß. Ich denke, er weiß vielleicht mehr, als er uns gesagt hat."
Cordelia sah ihren Kollegen verstehend an: "Vielleicht etwas oder jemand aus seiner Ver-gangenheit?"
"Durchaus möglich", erwiderte Wesley.

~

Angel hatte sich nach dem Gespräch zurückgezogen; er musste nachdenken. Es hatte schon immer Wetterumschwünge gegeben, aber diese waren neu und Angel hegte einen Verdacht. Als er noch als Angelus das Böse verkörpert hatte, war er einmal über eine ge-wisse Daviana gestolpert, die behauptet hatte, eine Wetterhexe zu sein. Sie war ihrer Macht beraubt worden und er hatte sich über sie lustig gemacht. Daviana war eine schöne und sehr gefährliche Frau. Er erinnerte sich. Im fernen Moldavien hatte man von ihr ge-sprochen. Jahre später war ihm erst klar geworden, wie mächtig sie gewesen sein muss-te.
Ob sie ihre Macht zurück erlangt hatte?

~

Rückblick - 1759 -

Sein Gesicht verfinsterte sich. Blut klebte an seinen Zähnen. Trotz der lebendigen Flüssig-keit fühlte er sich nicht wohl. Angelus leckte sich mit der Zunge die Zähne ab: "Darla, Liebste, hier stimmt etwas nicht!"
Die hübsche Vampirin ließ von ihrem Opfer ab und sah sich um: "Was soll hier nicht stim-men?"
"Es ist jemand in der Nähe, doch es ist kein Mensch..." Angelus richtete sich ganz auf und sah sich angestrengt um.
"Aber auch kein Vampir!" Jetzt spürte auch seine Begleiterin etwas Fremdes.
"Kluge Kinder!", antwortete eine Stimme aus dem Dunkeln.
"Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Daviana und ich bin eine Hexenmeisterin!" Die Stimme kam näher und Angelus und Darla wurden von einem grellen Lichtschein geblen-det. Heraus trat eine bildschöne Frau mit langen schwarzen Haaren und einer zart bläulich schimmernden Haut.
"Daviana", Angelus lachte, "schönes Kind, gesell dich zu uns. Dein Blut wird uns sicherlich sehr gut schmecken!"
"Unterschätzt mich nicht, Diener der Hölle, ich habe Macht, die Euch vernichten könnte", zischte sie, doch als Antwort kam Gelächter.
"Kleine", Darla trat näher an sie heran, "wer seine Macht verloren hat, sollte nicht so gro-ße Töne spucken!"
"Ich habe noch genug Macht, um Euch den Gar aus zu machen!" schimpfte Daviana, doch als wieder nur Lachen als Antwort kam, warf sie ihren Cape um und schritt beleidigt da-von.
"Du kennst Sie?" Angelus sah ihr gierig hinterher.
"Ja, Sie war eine Wetterhexe, aber ein mächtiger Zauberer beraubte sie ihrer Kraft, seit-her rennt sie umher und behauptet noch immer Kräfte zu haben, doch das ist lächerlich!" Darla stürzte sich wieder auf ihr Opfer und Angelus starrte der jungen Hexe nachdenklich hinterher.

~

Gegenwart - 2001 -

"Davia... Daviana Tscherkowa! Mein Gott, wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?"
Daviana sah auf und erkannte die alte Russin, die ihr in den eisigen Wintermonaten in St. Petersburg einen Unterschlupf gewährt hatte. Im Gegensatz zu ihr, war Daviana noch von der gleichen Schönheit und Jugend wie damals. Myra Dermakov war stark gealtert, doch die Russin ließ sich nicht davon beirren, kannte Davianas Fähigkeiten und respektierte sie.
"Myra, meine alte Freundin!" Daviana schloss sie in die Arme. "Hat Mütterchen Russland dich ausgespuckt, dass du hier im Feindesland bist?"
"Mein Tochter ist hier in den USA und hat mich zu sich geholt. Aber wie bist du hierher gekommen?" Neugier schwang in der Stimme der alten Russin mit.
"Ich habe einen kleinen Auftrag zu erfüllen", lächelte Daviana, "etwas, was schon längst überfällig ist!"

~

Wesley reichte Cordelia die Tasse Kaffe und sah auf den Stapel Zeitungen, der vor ihr lag.
"Ich habe mir mal die Zeitungen der letzten drei Wochen aus unserem Archiv geholt und mir die Wetterberichte vorgenommen! Kam Interessantes dabei heraus!" Cordelia hielt Wesley einen Block mit ihren Notizen drauf vor die Nase.
Er nahm in ihr aus der Hand und begann zu lesen: "Montag: Regen in Beverly Hills, Sonne in Melrose, Dienstag: Sonne in Beverly Hills, Schnee in Melrose, Sturm in... sag mal, hast du nur die Nobelorte rausgesucht?"
"Wesley! Du sollst auf die Wetterumschwünge achten!", fuhr sie ihn an und tippte auf die einzelnen Temperaturen, die an einem Tag innerhalb von Los Angeles und in der Umge-gend geherrscht hatten. Er las Temperaturunterschiede von bis zu 20 Grad und das war mehr als unmöglich.
Angel hatte sich, nach seinem Gedankenblitz wieder zu den anderen gesellt.
"Ich vermute, dass Daviana daran schuld ist." Er ging zu seinem Sessel und setzte sich.
"Daviana?", erstaunt, ihn wieder zu sehen, sahen die beiden auf.
"Oh, das ist eine lange Geschichte und ein Überbleibsel aus meiner düsteren Phase", la-mentierte Angel ein wenig theatralisch.
"Angelus", erwiderte Wesley Zunge schnalzend und wandte sich an Cordelia, "Daviana ist meines Erachtens eine Wetterhexe."
"Exakt. Ich habe sie damals getroffen. Ein schönes, sinnliches Wesen, jedoch all ihrer Macht beraubt", erklärte Angel und sein Blick schweifte ins Leere.
"Ich glaube, unser Boss gerät gerade ins Schwärmen", kommentierte Cordelia mit einem Fingerzeig auf Angel.
"Sie ist gefährlich, Angel, äußerst gefährlich, wenn sie wirklich dazu in der Lage sein sollte, ihre Kräfte einzusetzen", versuchte Wesley ihn wieder in die Realität zurück zu bringen.
"Sie hat ihre Macht zurück erlangt und damit ist sie verdammt gefährlich", entgegnete der Vampir, "Daviana ist machtbesessen. Sie liebt es andere zu quälen, um ihren eigenen Wünschen näher zu kommen. Es gibt nur eines, was sie nie bekommen hat..."
"Und das wäre?" Cordelia und Wes sahen ihn unsicher an. Wussten sie bereits, was er antworten würde?
"Einen Erben... einen Erben für ihr neu zu erschaffendes Imperium", erklärte Angel und schloss die Augen.
"Jetzt erzähle uns bloß nicht, dass sie es auf dich abgesehen hat!", rief Wesley aus.
Cordelia riss schockiert die Augen auf und meinte dann: "Ach du meine Güte!"
"Nein", beschwichtigte er sogleich wieder, "sie kennt mein wahres Ich und weiß, dass Vampire keine Kinder zeugen können."
"Jedenfalls nicht auf die Art und Weise", gestikulierte Cordelia wild mit ihren Händen, "aber denke an Drusilla!"
"Ja", er verzog das Gesicht, "aber Dru kannst du wirklich nicht als mein Kind bezeichnen. Eher mein... viel mehr Angelus'..."
"Geschöpf", ergänzte Wesley und erntete ein undankbares Lächeln.
"Und doch ist sie in Los Angeles...", konnte Cordelia noch nicht so richtig mit dem Gedan-ken abschließen.

~

Rückblick - 1792 -

Ihre Arme legten sich wie feine Ranken um seinen Oberkörper, er spürte das Verlangen, das immer stärker wurde.
"Du könntest mir ganz gehören..." Ihre Stimme war wie Feuer, das in seiner Seele brann-te.
"Nein, das könnte ich nie." Er küsste ihre Finger und wand sich aus ihrer Umarmung.
"Doch, das könntest du!", fuhr sie ihn an und hielt ihn am Arm fest, "ich könnte es schaf-fen. Ich bin mächtig!"
"Bitte", er beugte sich wieder zu ihr hinab und küßte sie lang, "dafür reicht selbst deine Macht nicht."
"Nein, so etwas darfst du nicht sagen, ich bin mächtig, sehr mächtig! Ich kann es schaf-fen, ich kann!" Ihre Stimme wurde schrill.
"Du willst mich doch nur für deinen Erben und ich bin nicht gewillt, mir die Weltherrschaft mit dir zu teilen!" Er ließ sie abrupt los und stand auf. Jegliche Erregung war erloschen.
"Ich bin die Weltherrschaft, ich werde es sein! Und ich will dich an meiner Seite!" Ihre Stimme überschlug sich fast.
"Niemals, Daviana! Und du wirst nicht die nötige Macht erlangen, um die Weltherrschaft an dich zu reißen", seine Stimme klang bedrohlich in ihren Ohren.
"Und wer wird mich daran hindern?", lachte sie mit bitterer Stimme.
"Ich werde dich aufhalten und wenn es nötig ist, werde ich dich auch vernichten!", zischte er und drehte sich um, um den Raum zu verlassen.
"Das kannst du nicht tun!", schrie sie ihm hinterher, "Angelus, das kannst du nicht tun!"

~

Gegenwart - 2001 -

Angel schüttelte seine Gedanken ab und blickte zurück in sein Buch. Er hatte bisher immer erfolgreich jeden Gedanken an Daviana unterdrückt, doch jetzt war die Erinnerung zu-rückgekehrt und er wusste nicht, wie er ihr gegenübertreten sollte.
Mit einer Hand fuhr er sich durch das Haar und seufzte. Cordelia kam zu ihm herüber und berührte sanft seinen Arm. Traurig sah er zu ihr auf. Tiefe Freundschaft und Verbunden-heit konnte er in ihren Augen lesen und so zog er sie zu sich in die Arme. Eine Weile stan-den sie einfach nur so da. Angel erzählte nichts über seine Gedanken, Cordelia stellte kei-ne Fragen. Es tat gut, sich einmal anzulehnen, einmal der Schwache zu sein, doch war dieser Augenblick jäh vorbei, als Wesley und Gunn das Büro betraten.
"Was ist denn hier los! Stören wir Euch bei irgendetwas?" Wesley hatte als erster seine Stimme wieder.
Gunn zuckte nur mit den Schultern, manchmal verstand er die anderen drei nicht und dachte sich aber auch nichts weiter dabei.
"Ich habe ihn nur in den Arm genommen und ihm etwas Trost gespendet!" Cordelia fauch-te ihn richtig gehend an, weil er die Situation falsch interpretierte.
"Cordi! Shhhh...", versuchte Angel sie zu besänftigen und legte ihr seine Hand auf die Schulter.
"Ach ist doch wahr!", zischte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Tut mir leid, Cordelia!", entschuldigte sich Wesley reumütig für seine unbedachten Worte und reichte ihr die Hand.
Widerstrebend nahm sie sie an: "Nächstes Mal überlege bitte, was du von dir gibst, Wes!"
Er nickte und ein leicht spitzbübisches Lächeln bildete sich um seine Lippen: "Ich werde vorsichtig sein, auf ein Donnerwetter von dir, kann ich gern verzichten."
Just in diesem Augenblick gab es einen lauten Donner. Angel, Wesley und Gunn sahen sich erstaunt an.
"Wie auf Kommando!", brach es aus Cordelia heraus, während sie zum Fenster eilte und zwischen den Vorhängen durch sah.
Angel spürte einen bitteren Geschmack auf der Zunge. Daviana schien plötzlich so nah und das machte ihm beachtliche Sorgen.
"Kann es sein, dass dich doch mehr mit dieser Frau, dieser Daviana verbindet, Angel?" Wesley traf einen wunden Punkt.
"Wes, ich...", weiter kam Angel nicht.
Cordelia schrie kurz auf, als ein Blitz vor der Agentur in den Asphalt einschlug und Angel wusste instinktiv, Daviana war in der Nähe.
"Angelus!" Eine Stimme, süß und verlockend wie Honig erklang von der Tür.
Wesley, Gunn und Cordelia drehten sich um und erstarrten.
Eine bildschöne junge Frau, gekleidet in ein wunderschönes hellblaues Kleid, welche ihre Augen blau leuchten ließ, schlenderte, ja, schwebte fast in den Raum. Angel konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden, gleichzeitig aber fürchtete er die Konfrontation.
"Angelus?", keuchte Wes und sah zu seinem Chef hinüber. Also kannte er sie doch näher. Hatte ihr Auftauchen in L.A. doch etwas mit Angel zu tun?
"Angelus gib es nicht mehr!", erwiderte Angel mit stoischer Ruhe und stellte sich schützend vor die anderen Drei.
"Was willst du hier? Es gibt für dich nichts mehr zu holen!" Er ging mit festen Schritten auf Daviana zu und drängte sie so weg von den anderen, in Richtung Tür zurück.
Daviana sagte nichts, schlang nur ihre Arme um ihren alten Geliebten und küsste ihn mit einer Inbrunst, die den dreien aus seinem Team genug verriet, um zu wissen, dass Angel ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte.
Angel versuchte diesen Kuss zu unterbinden und schaffte es letztendlich auch. Daviana ließ sich von den drei entsetzten Gesichtern seiner Freunde nicht einschüchtern und auch von Angels Blockversuch nicht aus der Ruhe bringen.
"Du weißt ganz genau, was ich will, mein Lieber! Du schuldest mir noch was!" Daviana war die Bosheit in Person und doch klangen ihre Worte wie die eines Engels. Cordelia fragte sich, wie sie das wohl zustande brachte.
"Ich habe dir gesagt, dass ich dich nie wieder sehen will, Daviana!" Sein Blick flößte sogar Wesley Angst ein, den sonst herzlich wenig erschreckte seit er im Team von Angel Investi-gations dabei war.
"Du hast dich verändert, Angelus." Ihre Stimme schmeichelte ihm, doch er blieb unbe-rührt.
"Ich habe es bereits einmal gesagt, Angelus gibt es nicht mehr!", zischte er.
Ihre geschmeidigen Finger wanderten seinen Brustkorb hinauf: "Oh doch, er ist irgendwo hier drin!"
"Er wird dir aber nie wieder gehören, und er hat es auch nie!" Angel gab Daviana einen Schubs und schlug ihr die Tür vor der Nase zu.
"Bleib draußen, Daviana! Ich will dich hier nicht noch einmal sehen!" Das ganze Haus zit-terte nach seinen Worten.
Daviana verschwand, doch Angel wusste, sie würde einen neuen Weg zu ihm finden.
"Du kanntest sie also doch!" Angel stand mit dem Rücken zu Wesley und doch meinte er, dessen wütenden Gesichtsausdruck zu sehen.
"Ja ich kannte sie! Sie war ein Teil meiner dunklen Vergangenheit! Und ein Teil, den ich vergessen wollte!" Angel drehte sich nachdenklich zu den anderen und blickte jedem offen ins Gesicht.
"Warum hast du uns nicht die Wahrheit gesagt, Angel?" Cordelias Stimme hörte man die Enttäuschung an.
"Weil ihr es vermutlich nicht verstanden hättet", entgegnete er ein wenig resigniert, "ich hatte eine Affäre mit ihr, verdammt, wir haben fast 10 Jahre miteinander verbracht!"
"Und du hast sie nicht zu einer Deinesgleichen gemacht?" Gunn staunte nicht schlecht.
"Ihre Macht war zu stark. Ich wusste, ich würde nichts gegen sie ausrichten können, also machte ich mir als Angelus ihre Macht zu nutze. Erst als sie versuchte, mich zu ihresglei-chen zu verwandeln, als sie schwor, mit mir die Welt zu erobern, da ging ich. Angelus war machtgierig, aber er wollte den Thron der Welt allein!" Angel senkte den Kopf und atmete tief durch.
"Du wolltest die Weltmacht?" Wesley schaute ganz irritiert zu den anderen und sie sahen genauso irritiert zu Angel.
"Oh, zu meinen Zeiten mit Darla haben wir immer die Weltmacht angestrebt...", entgegne-te Angel, jedoch nicht unbedingt stolz.
"Hoch lebe Angelus", Cordelia schüttelte den Kopf, "ne, also dich hätte ich nie angebetet."
"Danke für die Blumen!", brummte Angel leicht amüsiert und so lockerte sich die Span-nung zwischen ihnen wieder.
"Also hat sie diese merkwürdigen Wetterphänomene verursacht?" Gunn sah ihn aufmerk-sam an.
"Ja, das war Daviana und ich befürchte, es wird noch schlimmer kommen", entgegnete Angel seufzend.
"Schlimmer als das?" Cordelia nickte mit dem Kopf Richtung Fenster und deutete auf den verfinsterten Himmel und die ersten Regentropfen, die gegen die Fensterscheiben fielen.
"Wir haben doch nie Regen um diese Jahreszeit..." Gunn sah irritiert zum Fenster.
"Gunn!", kommentierten Wesley und Cordelia seine dumme Bemerkung, da verstand auch er, was los war.

~

Daviana war so wütend, als sie ging, dass sie einen Gewittersturm herauf beschwor.
"Was bildet er sich ein, ich werde ihn kriegen, da kann er sich drauf verlassen", schimpfte sie und bemerkte nicht, dass ein junger Mann ihr in einem etwas größeren Abstand folgte.
Lindsey hatte mal wieder das schlechte Gewissen geplagt - leider geschah das in letzter Zeit öfter - und so war er bei Angel Investigations vorgefahren. Er ging nicht hinein, er hatte es nie vor, doch half es ihm, wieder klarer zu sehen und jedes Mal ging er anschlie-ßend mit einer Entscheidung nach Hause, die ihn bisher immer wieder zurück zu Wolfram & Hart geführt hatte.
Diesmal jedoch war er nicht nach Hause gefahren, sondern hatte interessiert beobachtet, wie eine attraktive Frau scheinbar mit Angel stritt und anschließend verärgert die Agentur verließ.
Wenn er am Anfang geglaubt hatte, es handele sich um eine Verflossene Angels, so wurde ihm schnell klar, dass da noch mehr hinter stecke musste.
Der Regenschauer, der ihn unmittelbar nach ihren Flüchen traf, überraschte ihn, ließ ihn aber auch stutzig werden.
"Ich werde ihm ein Donnerwetter schicken, ein Unwetter, das sich gewaschen hat!", fluch-te sie und ein dumpfes Grollen am Himmel ließ Lindsey aufhorchen.
"Miss?" Er legte einen Schritt zu und versuchte sie einzuholen, irgendwie hatte er das Ge-fühl, dass sie ihm und der Kanzlei helfen würde können. Angel war ein lästiger Gegner und zugleich ein gefährlicher, den die anderen gern zu unterschätzen wussten.
"Was?" Daviana drehte sich verärgert herum und Lindsey fühlte sich fast geblendet von ihrer Schönheit und Anmut. Dennoch verstand er sofort, dass Daviana gefährlich war. Er hatte irgendwie dafür einen Sinn entwickelt.
"Miss?"
"Daviana", stellte sie sich ungeduldig vor, "was wollen Sie? Warum halten Sie mich auf?"
"Angel...", begann er und wurde sogleich wieder von ihr unterbrochen. Der Name hatte gereicht, um sie bitter zu treffen.
"Angel? Der soll vom Blitz getroffen werden!", schimpfte sie und hob wütend die Hände. Als sie diese wieder mit Schwung herab fahren ließ, schlugen nicht unweit von ihnen zwei Blitze in den Boden.
Lindsey machte einen Satz zurück und zuckte entsetzlich erschrocken zusammen.
"Ich wollte sie nicht nach Angel fragen, sondern sie für eine gegnerische Sache einspan-nen. Wären sie interessiert?" Er sah das seine Worte sie etwas beruhigt hatten.
Daviana sah den Fremden fragend an: "Um was genau handelt es sich? Und wer sind Sie überhaupt?" Sie hakte sich bei Lindsey ein.
Lindsey räusperte sich: "Mein Name ist Lindsey McDonald, und ich vertrete die Kanzlei Wolfram & Hart. Wir haben eine sehr ungewöhnliche Klientel und etwas gegen Angel In-vestigations."

~

Angel saß am Fenster und betrachtete das Wetter, welches sich schon wieder einigerma-ßen beruhigt hatte. Doch wirklich sicher fühlte er sich nicht. In all den Jahren war ihm Da-viana wie ein Schatten in seiner Erinnerung vorgekommen. Und jetzt war sie wieder da und wie ein Gewitter über ihn hereingebrochen.
Ja, er musste sich eingestehen, ihre schlanke Gestalt und ihre atemberaubende Schönheit hatten ihn auch dieses Mal fast wieder geblendet. Der einzige Unterschied zu damals be-stand darin, dass er diesmal eine Seele hatte. Verdammt ja, er hatte eine Seele! Wenn er ihr aber schon ohne Seele verfallen war, dann konnte es jetzt doch nur noch schlimmer werden. Fahrig fuhr er sich mit den Händen über das Gesicht. Wer nur wollte ihn so stra-fen? Wer wollte ihn auf eine Probe stellen?
Angel ergriff die Flucht und tauchte unter. Er hatte, als Daviana in seinem Büro gewesen war, noch gesehen, wie sie von jemandem angesprochen worden war. Es war aber nicht zu sehen gewesen, von wem. Sie hatte ein Gewitter losgelassen, das es fast unmöglich gemacht hatte, genaueres zu erkennen. Aber Angel war sich fast sicher gewesen, dass es von der Statur her Lindsey gewesen war.
Wenn Daviana nun auf Lindsey oder vielmehr Wolfram & Hart's Seite stand, dann waren sie für ihn gänzlich unbesiegbar und dann wussten sie auch von seiner verwundbaren Sei-te, von seiner Empfänglichkeit für sie, dann war er verloren und für seine Freunde mehr Gefahr, denn Hilfe.
Er würde Wesley, Gunn und Cordelia nicht sagen, wohin er verschwinden würde, es war nur an der Zeit unterzutauchen, seine Gedanken zu sammeln und sich eventuell einen Plan zurecht zu legen, die Gefahr, zu bannen, Daviana zu widerstehen.

~

Lindsey und Daviana waren in Lindseys Wagen gestiegen und zur Kanzlei Wolfram & Hart gefahren. Auf der Fahrt dorthin hatten sie mehr oder weniger geschwiegen. Doch als sie Lindsey's Büro betraten und dort auf Lilah Morgan und Holland Masters trafen, da war das Schweigen beendet.
"Lindsey, welch Errungenschaft haben Sie uns dort mitgebracht?" Holland blieb nicht lange mit seinen Worten zurück. Wenn er es liebte, jemanden zu kritisieren, dann war es Lindsey.
"Holland, Lilah, ich möchte Ihnen Daviana vorstellen. Sie wird uns gegen Angel Investigati-ons helfen!", stellte Lindsey seine neue Bekanntschaft vor.
"So so", lächelte Lilah verquer, "was kann diese Dame denn außer ihren optischen Reizen bieten?"
Daviana lächelte bitter und hob ihre Hand. Von einer derart unwürdigen Menschlichen wür-de sie sich doch nicht denunzieren lassen.
"Mein Gott!", fluchte Lilah, als eine kleine Gewitterwolke, Regen und Blitze über ihrem Kopf hernieder prasseln ließ, "ich bin doch..."
"In einem Haus? Unter Dach?", lachte Daviana, "meinen Sie, das könnte mich aufhalten?"
Holland Masters stellte sich schnell an die Seite. "Nun ja, junge Lady stellen Sie das bitte wieder ab! Der Teppich hat ein Vermögen gekostet!"
"Aber gern!", grinste Daviana, machte eine Handbewegung und der Regen hörte auf.
Lilah sah empört an sich herab, schüttelte ihre Arme, um die Feuchtigkeit aus ihren Klei-dern zu bekommen, doch es war umsonst. Die Nässe hatte einfach alles durchdrungen.
"Das Kostüm bezahlen Sie!", entfuhr es ihr wütend, ehe sie den Raum verließ, um sich zu trocknen.
Lindsey lachte leise.

~

Angel hatte ein ungutes Gefühl und sah sich immer mal wieder um. Es verfolgte ihn je-mand, oder etwas. Er stellte sich still und wartete. Sein Verfolger kam an ihm vorbei und Angel packte zu.
"Autsch!", sagte eine weibliche Stimme und Angel ließ sofort los. Es war Cordelia.
"Was machst du hier? Ich habe mich zurück gezogen, um nachdenken zu können", fauch-te er sie an.
"Ja, verschwinden wolltest du! Ich wollte dir nur mitteilen, dass Wesley und ich beschlos-sen haben, von Willow Hilfe zu holen. Wir wissen nämlich nicht weiter!" Cordelia stemmte die Hände in die Hüften.
"Ich wollte nicht verschwinden... sage mal, was soll diese Unterstellung!", zischte Angel aufgebracht.
Cordelia tippte ihm energisch gegen die Schulter: "Gib's doch einfach zu!"
"Verdammt, nein, nichts gebe ich zu!", brummte Angel und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Sei doch einfach ehrlich, ich nehme es dir doch nicht mal übel", gab Cordelia ein wenig beschwichtigender von sich.
"Ich muss nur in Ruhe nachdenken, das ist alles! Daviana ist sehr gefährlich, man darf sie nicht unterschätzen!" Angel versuchte wieder ruhiger zu werden.
"Sie setzt dir gewaltig zu, oder?" Cordelia legte ihre Hand auf seine Schulter.
"Ja... ich war ihr schon als Angelus nicht gewachsen, ich weiß nicht, ob ich es als Angel bin", seine Stimme klang bitter.
"Aber diesmal sind wir bei dir. Du hast Freunde, die dich unterstützen, die dir helfen. Diesmal bist du nicht allein und ganz ehrlich, ich halte dich für wesentlich gefährlicher in deinem Zorn als Angelus!" Cordi strich ihm durch das Haar und hockte sich neben ihn.
"Wieso hältst du Angelus für weniger gefährlicher?" Angel sah irritiert zu ihr auf.
Cordelia lächelte bitter: "Na ja, Angelus ist berechenbar, er existierte, um zu töten. Du hast eine Seele, kannst durch Gefühle beeinflußt werden, der Tod ist nicht dein einziges Ziel, du planst, gehst strategisch vor, das macht dich gefährlicher, stärker."
Er strich ihr liebevoll über die Wange und lächelte matt: "Nett, gesagt, Cordi, aber ich glaube, da liegst du ein wenig daneben. Na ja, macht nichts, dafür hab ich ja euch!"

~

Daviana wurde in das Büro von Holland Mc Manners geführt und die beiden Herren setzten sich mit ihr in die Sitzecke.
"So, Lindsey dann erzählen Sie doch mal wie Sie dieser charmanten Dame begegnet sind!" Holland versuchte sich freundlich zu geben, um eine entspannte Atmosphäre zu zulassen.
Doch Lindsey kannte die heimtückische Fassade seines Vorgesetzten. Holland Manners war alles andere als freundlich oder gutmütig, so wie er sich gerne mal darstellte. Es war sein Spiel, sein Gott verdammtes Spiel und er bestimmte die Regeln.
"Ich denke, Holland", Lindsey lehnte sich zurück und betrachte seinen Geschäftskollegen sehr genau, "das ist im Sinne unserer Kanzlei relativ uninteressant!"
Er konnte ja auch schlecht zugeben, dass er vor der Tür von Angel Investigations gestan-den hatte. Ihm blieb nur die Hoffnung, dass Daviana Holland nichts davon verriet.
"Oh... ja, Holland!", lachte Daviana kokett, hatte sie doch begriffen, dass diese beiden sich nicht akzeptierten, "das ist wirklich eine sehr uninteressante Sache, lassen Sie uns lieber über das Geschäftliche reden!"
Lindsey trank einen kräftigen Schluck Whiskey und sah, wie ihm Daviana zu zwinkerte. Er hob sein Glas leicht an und prostete ihr zu, so dass Holland es nicht sehen konnte.
Wunderbar, sie schien auf seiner Seite zu stehen.

~

Auf dem Weg nach Sunnydale, gingen Cordelias Gedanken immer wieder zu ihrem ab-schließenden Gespräch mit Angel zurück. Sie hoffte, dass sie ihm Mut gemacht hatte, denn Angel hatte noch nie so niedergeschlagen gewirkt.
Konnte es wirklich sein, dass Angel gegen diese Frau machtlos war? Machtloser noch als in seiner Liebe zu Buffy? Sie wusste es nicht zu ergründen und versuchte sich auf ihr derzei-tiges Ziel zu konzentrieren, doch der Gedanke ging ihr nicht aus dem Sinn...

~

Lindsey reichte Daviana ein Glas Champagner und ließ sich in seinen Chefsessel zurück gleiten. Ein verschwörerisches, listiges Lächeln lag auf seinen Lippen.
"Sie mögen Holland nicht", lächelte Daviana tiefgründig.
"Von mögen kann hier nicht die Rede sein. Ich kenne ihn zu gut, um ihm zu vertrauen, sagen wir es mal so", erwiderte Lindsey und nippte an seinem Glas.
"Nun dann haben wir ja auch etwas gemeinsam. Ich denke nicht, dass er so unbedarft ist, wie er sich mir gegenüber dargestellt hat!" Sie sah zu Lindsey und er nickte zustimmend. "Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen."
"Darf ich Sie mal was fragen?" Daviana kam zu Lindsey hinüber und setzte sich ihm ge-genüber auf den Tisch, "wieso habe ich das Gefühl, dass Sie Angel eigentlich mögen?"
Lindsey lehnte sich zurück und kniff die Augen zusammen: "Wie kommen Sie darauf?"
"Warum sollte Holland dann nicht wissen, wo wir uns begegnet sind? Mir scheint, Sie waren dem Feind schon zu nah..." Ein wissendes Lächeln umspielte ihre Lippen.
"Wissen Sie, Daviana, der Feind ist der, den man sich dazu macht!" Er strich ihr mit sei-nem Finger über den halbnackten Oberschenkel.
"Und wir sind Freunde?", provokativ spreizte sie die Beine.
"Durchaus möglich!", lächelte Lindsey hinterlistig.
Daviana rutschte vom Tisch auf Lindseys Schoss und presste ihre Lippen auf die seinen. Ihre Augen funkelten, als sie ihn zu Luft kommen ließ: "Auch Feinde können die besten Verbündeten sein!"
Lindsey packte sie an den Haaren und zog sie zu sich heran: "Es wäre besser, sich mit mir gut zu stellen! Sie kennen unsere Verbündeten nicht!"
Dann presste er seine Lippen hart und leidenschaftlich auf ihre und Daviana schien in sei-nen Händen zu schmelzen...

~

Willow war nicht unbedingt ihre Freundin gewesen, als sie sich das letzte Mal gesehen hat-ten und sie hatte ihr damals Xander ausgespannt, aber das waren andere Zeiten gewesen. Jetzt hatte sie neue Freunde. Wesley, der sich zu einem echten Helden entwickelt hatte, Gunn, der wirklich mutig und cool war und Angel... Buffy's Ex. Obwohl sie ihn verachtet und gefürchtet hatte, war er, ausgerechnet er jetzt ihr bester Freund. Sie seufzte und klopfte an der Tür des Studentenwohnheimes.
Beim letzten Mal hatte sie hier Schutz gesucht und war willkommen gewesen, doch was würde sein, wenn sie jetzt um Hilfe für Angel bitten würde?
Die Tür öffnete sich und Xander sah sie erstaunt an: "Cordelia?"
"Hallo Xander", ein wenig unbeholfen stand sie ihm gegenüber, "ähm, darf ich herein kommen? Ich würde gern Willow sprechen."
Sie trat ein, als er ihr Platz machte, doch sie ließ genügend Abstand zwischen ihnen.
"Cordelia!" Willow stand vom Bett auf und sah ihre ehemalige Freundin von oben bis unten an.
"Hi Willow!" Immer noch wirkte Cordelia unbeholfen.
"Was möchtest du? Das letzte mal bist du so schnell hier verschwunden und hast dich nicht einmal bedankt!" Die kleine rothaarige Hexe verschränkte die Arme vor der Brust.
"Ich brauche deine Hilfe... na ja, vielmehr Angel benötigt deine Hilfe", druckste Cordelia herum und sah Willow bittend an.
"Was ist mit Angel?" Buffy stand in der Tür hinter Xander und starrte Cordelia an.
Cordelia zuckte erschrocken zusammen und drehte sich zu Buffy um: "Wir haben eine Wetterhexe namens Daviana bei uns. Sie hatte in der Vergangenheit schon mal mit Ange-lus zu tun. Und will jetzt Angel vernichten!"
"Sie will ihn vernichten?" Buffy trat an Cordelia heran, "und wie will sie das bewerkstelli-gen? Ihn pfählen?"
"Nein", Cordelia fühlte sich plötzlich unbehaglich, "sie verführt ihn."
"Sie was?" Willow und Buffy sprachen wie aus einem Munde.
"Er ist ihr als Angelus verfallen und ist sich verdammt sicher, dass er als Angel noch machtloser gegen sie ist. Bitte, Willow, wir brauchen deine Hilfe!" Cordelia drehte sich von Buffy weg und sah Willow an.
Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass Buffy eine Rivalin um Angel in ihr sah.
"Was genau willst du damit sagen? Das Angel was mir ihr gehabt hat und sie sich jetzt auf diese Weise an ihm rächen will!", schaltete sich Buffy dazwischen, bevor Willow antworten konnte.
Cordelia zuckte mit den Schultern: "Ja, so ungefähr. Doch eigentlich wollte sie sich nicht rächen. Sie wollte Angel zu ihrem Mann und mit ihm Nachkommen zeugen. Da Angel aber ablehnte, will sie ihn jetzt scheinbar vernichten... na ja, ich kenne auch nur Bruchstücke, aber der Kern ist, er braucht Hilfe, sonst wird sie so mächtig, dass keiner mehr was ge-gen sie tun kann."
Buffy und Willow sahen einander an. Cordelia konnte erkennen, wie es in ihren Köpfen rauchte.

~

Lindsey zog seinen Reißverschluss an der Hose zu, während Daviana ihr Gewand zuknöpf-te.
Beide sahen sich tiefgründig lächelnd an und Daviana befeuchtete auf eine sehr subtile Weise ihre Lippen.
"Wie ich sehe, hat Lindsey an unserem Geschäft gearbeitet", Holland betrat mit einem grimmigen Lächeln das Büro.
"Wissen Sie, Holland", Daviana rekelte sich genüsslich auf Lindseys Schreibtisch und spielte ihre Reize gegenüber Holland Manners aus, "es gibt Männer", dabei strich sie Lindsey mit dem Zeigefinger über die noch nackte Brust, "und es gibt Weicheier, die sich für Männer halten!" Sie ließ ihren Blick an Holland rauf und runter gehen. Sein Gesicht nahm eine leicht pikierte, wütende Röte an und verursachte in Daviana nur ein müdes Lachen. Wieso glaubten die männlichen Geschöpfe dieser Erde nur, sie könnten sie, ausgerechnet sie mit ihrem Gehabe hinters Licht führen. Es war lachhaft.
"Und? Kommen wir ins Geschäft?" Holland kämpfte die Demütigung nieder und blickte Da-viana weiterhin in die Augen.
"Hochachtung, Holland", sie lächelte, "soviel Selbstdisziplin hätte ich Ihnen nicht zugetraut!" und spielte dabei auf seinen verletzten Stolz an.
"Aber ja, wir kommen ins Geschäft, nur zu meinen Bedingungen!" Daviana lächelte eiskalt und strich mit ihrer Hand an Holland Manners Brust herunter. Manners schnappte nach Luft. Sie hatte eine empfindliche Stelle getroffen. Holland war kein Mensch, der sich gern Bedingungen diktieren ließ, schon gar nicht von einer Frau.
Lindsey sah mit Genugtuung, dass Holland ins Schwitzen geriet.
"Daviana", er spielte seine Macht gegenüber Holland aus und zog das attraktive Geschöpf auf seine Beine, "du wirst doch verstehen, dass wir nicht ganz zu deinen Bedingungen ar-beiten können!"
Daviana erkannte, was Lindsey vorhatte und entschloss sich, aus Spaß am Vergnügen, einfach mitzuspielen.
Mit geschmeidigen Fingern fuhr sie über seine Wange und lächelte ihn verführerisch an: "Natürlich nicht, Darling! Das verstehe ich doch!" Ihre halb geöffneten Lippen schmiegten sich auf Lindseys und ihre Zungen fanden ihren Weg zu einander.
Vielleicht hatte sie sich doch getäuscht, vielleicht war Lindsey als Vater ihrer Kinder doch geeigneter, als Angelus.
So konnte sie ihn auch beruhigt vernichten. Daviana lächelte in sich hinein. Keine schlechte Idee und die wunderbare Lösung für all ihre Probleme!
Lindsey und Holland wussten natürlich nichts von Davianas Wunsch nach einem Throner-ben. Und sie würde ihnen ihren geheimen Wunsch auch nicht preisgeben. Die Zeit würde kommen, dann würden sie es schon merken. Dann, wenn sie den Thron bestieg, um die Weltmacht zu ergreifen. Arme nichtige und naive Menschen!

~

Cordelia sah abwechselnd von Buffy zu Willow. Es war ihr unverständlich, dass keiner von ihnen ein Wort sagte und das nun schon geschlagene zehn Minuten.
"Ich will ja nicht aufdringlich erscheinen", setzte sie an und sah von einer zur anderen, "aber kann mir einer helfen oder nicht?"
Als keine Antwort kam, verließ sie wütend die Stundentenwohnung und lief zu Angels Wa-gen.
"Warum zum Teufel bin ich überhaupt den Weg hierher gefahren?", schimpfte sie laut vor sich hin und ließ sich hinter dem Steuer nieder.
"Ich könnte dir ja helfen...", ertönte Xanders Stimme im Hintergrund und ließ Cordelia herumwirbeln.
"Du?", ihre Stimme klang ungläubig, "versteh mich nicht falsch, Xander, aber nach allem was passiert ist, willst du mir und Angel helfen?"
"Warum nicht?" Er zuckte mit den Schultern und kam näher.
Cordelia überlegte nicht lang, dann beugte sie sich vor, um die Tür auf der Beifahrerseite zu öffnen: "Dann komm, wir können jede Hilfe gebrauchen!"
Xander ließ sich nicht zweimal bitten und nahm neben ihr Platz.
Als Cordelia den Wagen startete und Gas gab, sah er sich noch einmal kurz um und ent-deckte Willows Gesicht am Fenster.
"Dein Wagen?" Er strich über die Armaturen.
"Nein, Angels!" erwiderte sie und versetzte ihn in Erstaunen.

~

"Angel!" Wesley sah erstaunt von seinen Büchern auf, "wo kommst du denn her? Wir hat-ten dich schon vermisst!"
Im Gegensatz zu Cordelia, hatte Wesley Angel nicht aufgespürt und auch von seinem Ver-bleib keine Ahnung gehabt.
"Ich musste nachdenken! Ist Cordelia schon wieder da?", seine Stimme klang besorgt.
"Nein, noch nicht. Aber woher weißt du...?" Wesley legte seine Brille beiseite und sah An-gel fragend an.
"Cordelia war vor ihrer Abreise noch kurz bei mir", erklärte Angel und sah sich suchend in seinem Büro um.
"Was ist los, Angel? Was suchst du?" Wes beobachtete seinen Freund und Chef genaus-tens.
"Ich suche... ach ich weiß auch nicht!" Er blickte sich ratlos um, wie als wenn er sein Ge-dächtnis verloren hätte. Sein Blick wirkte auf Wesley leer.
"Kann ich dir wirklich nicht helfen?" Wesley stand auf und kam zu seinem Freund und Chef hinüber.
Angel setzte sich auf einen Sessel und starrte ins Leere: "Sie ist nicht da und trotzdem macht sie mir zu schaffen!"
"Daviana?" Wesley sah ihn fragend an.
"Na wer sonst?", brummte Angel und schloss kurz die Augen.
Er wusste nicht, was Cordelia erreichen würde, aber er brauchte dringend jede Hilfe, die er kriegen konnte.

~

Cordelia lenkte den Wagen über die Landstraße und musste sich anstrengen, die Linien zu erkennen. Urplötzlich hatte ein Platzregen eingesetzt, der ihre Sicht fast völlig trübte.
Während sie mit Xander eilig das Verdeck geschlossen hatte, waren ihre Gedanken zu Da-viana gewandert. War sie es, die dieses Unwetter herauf beschwor? Sicher war sich Cordelia nicht, aber es war durchaus möglich.

~

Wesley hatte sich etwas zu essen gemacht und fragte Angel, ob er ihm was bringen konn-te. Er lehnte dankend ab und hing weiter seinen Gedanken nach. Er ging gedanklich in die Vergangenheit zurück. Zu mehr oder weniger glücklosen Zeiten. Nie wieder hatte ihn eine Frau so in Besitz genommen wie Daviana zu ihrer Blütezeit. Es war ihre Zeit gewesen. Die Zeit der Herrscher und Herrscherinnen. Sie hätte wirklich die Macht haben können oder sie hätte auf dem Scheiterhaufen geendet, doch Daviana hatte es immer verstanden, zu ih-rem Vorteil zu arbeiten. Angel verstand nicht, wo ihre Macht ihn betreffend anfing und wo es nur noch seine Emotionen waren, die ihn irreleiteten. Hätte er doch nur diesen Über-gang gekannt, diesen winzigen Augenblick zwischen Wahnsinn und Verführung, vielleicht hätte er ihr widerstehen können. Vielleicht...

~

Daviana hatte sich in ihr Versteck von Wolfram & Hart zurückgezogen. Sie plante bereits ihren Triumph über Angel und die anschließende Vernichtung von Wolfram & Hart. Es schien so einfach und so simpel. Angel war ihr genauso, wenn nicht noch stärker verfallen als Angelus und Lindsay war genau der richtige Kandidat für ihren Thronerben. Wenn sie Angel ausgeschaltet hatte, was ihr mehr als einfach erschien, dann würde sie ihre Beloh-nung von Wolfram & Hart kassieren und diese dann auch vernichten. Holland Manners war ja ein so ärmlicher Abklatsch eines besessenen Machthungrigen.

~

Cordelia und Xander hatten anhalten müssen. Der Sturm war so stark geworden, dass sie sich ein Motel gesucht hatten.
"Ich hoffe nur, dass das Unwetter sich nicht zu lange hält. Ich habe ein ungutes Gefühl!", sagte Cordelia zu Xander, und der wusste, wenn Cordelia so etwas sagte, stimmte es meistens.
"Was genau ist eigentlich zwischen dir und Angel?" Xander hatte schon so viel über seine Freunde mitbekommen. Hatte Buffys eifersüchtige Bemerkungen gehört und die verwun-derten Kommentare Willows, dass er sehr neugierig geworden war.
"Nichts außer einer guten Freundschaft, einer sehr guten Freundschaft", erwiderte Corde-lia und ließ sich auf das Doppelbett fallen.
Zu ihrem Leidwesen war kein anderes Zimmer mehr frei gewesen.
"Und da ist nicht mehr?" Xander hakte nach, "wenn ich Willow und Buffy manchmal reden höre, dann..."
"Xander, bitte! Er ist mein bester Freund und mehr nicht. Deute nicht etwas hinein, was nicht dort ist", ihre Stimme klang ein wenig genervt.
"Schon eigenartig, wenn man bedenkt, dass du ihn mal nicht mochtest!" Seine Stimme klang müde.
"Ja und dich mochte ich mal sehr, und jetzt kann ich dich fast nicht mehr ertragen. Aber das ist ein anderes Thema und steht jetzt hier nicht zur Debatte. Ich war mehr oder weni-ger mit Doyle liiert, befreundet oder was auch immer, und alles andere hat für mich in dem Zeitraum keine bedeutende Rolle gespielt. Können wir uns jetzt bitte normal unterhal-ten?" Sie sah ihn genervt an, als sie es an der Tür klopfte.
Cordelia und Xander sahen sich erstaunt an. Wer wusste, dass sie hier waren? Sie hatten niemanden angerufen und informiert. Wer also stand hinter dieser Tür?
Cordelia schob Xander vor und schielte über seine Schulter, als er die Tür einen Spalt öff-nete.
"Willow!" Die Tür wurde von ihm ganz aufgerissen und fast traf er Cordelia damit, die noch eben so rechtzeitig ausweichen konnte.
"Ich habe mich entschieden euch doch zu helfen, und natürlich auf Xander aufzupassen", gab sie von sich, ehe jemand anderer etwas sagen konnte. Cordelia fasste sich noch eher als Xander und gab ihr zur Antwort: "Es ist schön, dass du helfen willst, aber um Xander brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich bin ja auch noch da!" Was ihr einen schrägen Blick von Xander eintrug.
"Ladys!" Xander hob abwehrend die Hände, "bitte keinen Streit um mich!"
Cordelia schnaufte nur verächtlich und Willow zog die Augenbrauen hoch. Nein, weiß Gott, um ihn streiten, das wollten sie wirklich nie wieder.

~

Daviana hatte einen Anruf von Lindsey bekommen und war zu ihm gefahren. Es hatte nach Neuigkeiten über Angel geklungen und Daviana war immer erpicht darauf etwas über ihn zu erfahren. Lindsey erwartete sie voller Ungeduld und Heißhunger, hatte diese Frau doch einen Hunger ganz anderer Art in ihm geweckt.
Daviana ließ sich auf Lindseys Chefsessel nieder und schlug ihre langen grazilen Beine übereinander.
"Gut, was gibt es Neues über Angel?" Ihre Stimme klang fordernd.
"Ich wollte dich sehen, reicht das nicht?" Er strich ihr von hinten über das Dekolleté und spürte ihre Gänsehaut.
Wunderbar, ging er ihr also auch unter die Haut.
"Bitte!" Sie stieß seine Hand beiseite, "Du lockst mich unter Antäuschung falscher Tatsa-chen hierher?"
"Ich habe Angel nie erwähnt, meine Liebe?", lächelte er hintergründig.
"Aber..." Sie drehte sich zu ihm um.
"Wenn du dergleichen in meine Worte hinein interpretierst, dann solltest du vielleicht mal darüber nachdenken, wer dein Handeln und dein Denken bestimmt und dirigiert, Daviana!"
Lindseys Worte waren wie eine kalte Dusche für sie. Sie hatte ihn unterschätzt. Noch hat-te kein Mensch es geschafft, sie zu übertrumpfen, doch Lindsey hatte ihr ihre Schwäche offen dargelegt und spielte nun mit ihr.
Sie war unvorsichtig gewesen, ihn zu unterschätzen.
"Was willst du, Lindsey?" ihre Stimme klang kalt.
Er ließ seine Hand in ihr Dekolleté gleiten und umfasste eine ihrer Brüste. Daviana schloss die Augen, hob sich ihm entgegen und stöhnte leise vor Erregung.
Verdammt, sie war es, die hier die Kontrolle verlor, sie und nicht Angel oder Lindsey. Sie hatte ihre eigene Macht überschätzt oder war Lindsey gar immun gegen ihre Schönheit.
"Kommen wir später zum Geschäftlichen, meine Hexe, jetzt ist Zeit für das Vergnügen!" Seine Lippen pressten sich brutal und lustvoll zugleich auf ihre Lippen, während Daviana das Gefühl hatte, ihren Verstand zu verlieren.

~

Cordelia, Willow und Xander hatten sich beruhigt und saßen nun, für Außenstehende mochte es wie eine freundschaftliche Runde aussehen, im Restaurantbereich der Anlage, um sich zu beratschlagen.
"Was hast du denn jetzt vor?" Willow sah von Xander, der sich gerade einen Hamburger zwischen die Zähne schob, zu Cordelia.
"Sobald dieser Sturm aufhört...gegebenenfalls auch schon vorher, werden wir nach L.A. weiterfahren und Angel aufsuchen." Cordelia rümpfte die Nase bei Xanders Essgewohnhei-ten.
"Aber was dann?" Xander schluckte seinen Bissen hinunter.
"Wo Angel ist, kann Daviana nicht weit sein, dann heißt es warten. Wesley ist bereits auf der Suche nach einem wirkungsvollen Zauberspruch, den man gegen diese Hexe einsetzen kann", erklärte Cordelia und nippte an ihrem Cappuccino.
"Und wenn er keinen findet?" Willow wirkte nicht sehr zuversichtlich.
"Das wird er!", erklärte Cordelia und fügte noch ein wenig energischer hinzu, "und ansons-ten bringe ich diese Frau mit bloßen Händen zur Strecke!"
Xander und Willow sahen sich verstört an. "So resolut verteidigend kenne ich dich ja gar nicht!" Xander hatte das ausgesprochen, bevor er realisierte, was er da gesagt hatte.
Willow sah ihn nun überrascht an: "Wieso, nur weil sie dich nie so verteidigt hat?"
Und die beiden hätten wohl einen Streit angefangen, wenn Cordelia nicht geantwortet hät-te: "Ich mag Angel sehr gern und er ist für mich sehr wichtig geworden, vor allem nach Doyles Tod! Aber das geht euch eigentlich nichts an, und ich möchte auch nicht das ihr es weiter tragt."
Sie sah beiden fest in die Augen und sie akzeptierten es.

~

"Angel?" Wesley sah um die Ecke und betrachtete vorsichtig suchend den dunklen Raum.
"Hier hinten!", kam die Stimme seines Bosses aus einiger Entfernung und so wagte er sich in Angels Heiligtümer hinein.
"Irgendeine Nachricht von Cordelia?" Angel sah von seinen alten Büchern auf.
Wesley identifizierte sie als Ritualbücher, mit denen man angeblich auch Vampiren die Macht nehmen konnte.
"Nein, leider nicht!" Wesley zuckte mit den Schultern und betrachtete besorgt seinen Freund und Kollegen.
"Was hast Du vor?" Sein Finger richtete sich auf die Bücher vor Angel.
"Noch nichts, aber falls es zum Schlimmsten kommt, will ich gewappnet sein. Und Cordelia hat sich nicht...", wechselte er gleich wieder das Thema.
"Nein", schüttelte Wesley den Kopf.
"Verdammt", sagte Angel in diesem Moment, "kein wirklich brauchbarer Spruch zu fin-den!", und raufte sich die Haare.
Wesley zuckte nur die Schultern: "Ich habe auch nichts finden können."
Das Telefon klingelte und Wesley ging hin, um abzuheben.
"Angel Investigations, guten Tag!", meldete er sich und freute sich im nächsten Moment.
"Hallo Cordelia, ich kann dich ganz schlecht verstehen. Wo bist du?", rief er jetzt ins Tele-fon.
Angel sprang auf und eilte zu Wesley, nur um ihm den Hörer aus der Hand zu reißen: "Cordi?"
Wesley betrachtete seinen Boss sehr erstaunt. Seit wann freute sich irgendwer, wenn Cordelia anrief?
Cordelias Stimme war verzerrt und auch nur sehr schwer zu verstehen. Rauschen und Knacken beeinträchtigten die Unterhaltung.
"Wo steckst du?" Seine Stimme spiegelte ein wenig Panik wieder.
Bruchstückhaft trafen die Informationen bei ihm ein.
"Ich komme euch entgegen!", lautete Angels kurze Antwort nur, dann legte er auf.
"Wesley", er sah seinen Freund an, "du hast doch ein Auto..."

~

Der Wagen rauschte über die Landstraße. Er kannte das Motel, in dem Cordelia Unter-schlupf gesucht hatte. Das sich das Wetter immer mehr verschlechterte, je näher er sei-nem Ziel kam, ließ ihn ziemlich sicher sein, dass Daviana ihre Finger im Spiel hatte.
Sein Handy klingelte und Angel nahm ab, erwartete er doch einen Anruf von Wesley: "Ja?"
"Ich habe das Buch gefunden, welches du meintest und du hast Recht! Hier gibt es tat-sächlich einen Hinweis darauf, wie man Daviana ihrer Kräfte berauben kann", Angel hörte Wesley in einem Buch herumblättern, "doch es ist kein Zauberspruch!"
"Okay Wes, behalt die Seite im Kopf, ich bin fast bei Cordelia und komme dann so schnell wie möglich zurück." Angel legte auf und sah wieder auf die Straße.

~

Cordelia hatte Willow und Xander erzählt, dass Angel ihnen entgegen kommen würde.
Willow hatte überrascht ausgesehen und Xander hatte nur geknurrt: "Ich bin froh, dass er herkommt. Meine Vermutung ist ja, dass diese Daviana ihre Finger mit im Spiel hat. Des-wegen haben wir so schlechtes Wetter!"
Cordelia hatte sich eine Bemerkung verkniffen, dass das schon lange ihre Vermutung war und war zur Tagesordnung übergegangen. Jetzt saßen sie im Restaurant und warteten.
Als sich die Tür öffnete, sprang Cordelia auf und drehte sich in die entsprechende Rich-tung.
Angel betrat den Raum, erfasste sofort Cordelia und lächelte sie an.
Cordelia und er kamen sich auf halbem Weg entgegen, schlossen sich kurz in die Arme und Angel drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
"Du bist nass!", stellte sie nüchtern fest und schüttelte sich.
Angel lachte kurz auf und stupste ihre Nase an: "Du jetzt auch!"
Cordelias Mund verzog sich zu einem Grinsen, dann ging sie wieder zu Xander und Willow zurück an den Tisch.
Angel rutschte neben sie auf die Bank und legte seinen nassen Mantel ab.
Xander und Willow sahen sich fragend an. Es war merkwürdig, ausgerechnet Cordelia so vertraut mit Angel zu sehen. Gut, Willow hatte es schon einmal gesehen, als Cordelia zu ihnen geflohen war, doch so richtig begriffen hatte sie es nicht.
"Danke, dass du gekommen bist!", richtete Angel sein Wort an Willow. "Xander?", war seine Frage sogleich in die entsprechende Richtung.
"Als Buffy und Willow erst nicht mitkommen wollten, da dachte ich, besser ich als kei-ner..." Xander zuckte mit den Schultern und sah Cordelia an.
Als Angels Blick sie streifte, zuckte sie nur mit den Schultern: "Besser er als keiner!"
Angel musste sich ein leichtes Grinsen verkneifen. "Ich würde sagen, wir brechen gleich wieder auf. Habt ihr alles zusammen?"
"Können wir das nicht hier regeln? Ich vermute eh, dass diese Hexe irgendwo hier herum-turnt", murrte Xander mit Blick auf das Wetter.
"Daviana hat mit Sicherheit hier ihre Finger im Spiel", erklärte Angel, "doch dafür muss sie nicht am Ort des Geschehens sein!"
"Also fahren wir. Hat Wesley einen Spruch gefunden?" Cordelia stand schon wieder halb.
"Keinen Zauberspruch, aber es soll wirksam sein, sagt er", erwiderte Angel und erhob sich ebenfalls.
"Dein Wagen hat einen Platten", lächelte Cordelia verlegen in Betrachtung ihrer Lage.
"Ich bin mit Wesleys Wagen hier. Meinen Wagen müssen wir dann halt morgen holen", erwiderte Angel nicht ohne einen grimmigen Blick. Aber was sollte er machen, Zeit für einen Reifenwechsel hatte er nicht. Hatten sie nicht, korrigierte er sich.
Draußen schlug ihnen ein eisiger Regen entgegen, und sie waren in Sekundenschnelle durchnässt.
Am Wagen angekommen, gab ihnen Angel erst mal die mitgebrachten Decken zum umle-gen. Er selbst verzichtete auf eine Decke, sie würde ihn nur beim Fahren behindern.

~

Sie kamen nur schwer voran, denn der Regen wurde immer stärker. Cordelia, Xander und Willow zitterten vor Kälte und Angel biss grimmig seine Zähne zusammen.
"Ich werde versuchen, uns so schnell wie möglich hier heraus zubringen. Ich hoffe doch, dass ihr noch etwas durchhalten könnt!"
Die drei nickten nur und während Xander und Willow froren und doch Abstand voneinander hielten, lehnte sich Cordelia bei Angel an.
Dieser war zwar aufgrund seines Daseins kalt, aber die Kälte, die an ihren Knochen nagte, war nicht vergleichbar.

~

"Mein Gott, seid ihr nass!", begrüßte Gunn die Truppe und grinste Cordelia, die in ihrem durchnässten Kleid reichlich filmreif aussah, an.
"Und uns ist kalt, du Idiot!", maunzte Cordelia und rauschte an dem neuen Teammitglied vorbei.
"Wes! Besorg Decken und setz Tee auf, wir haben hier ein paar durchgefrorene Gäste", rief er in Angels Wohnung hinunter und sah Cordi nach, die sich auf den Weg nach unten gemacht hatte.
"Kommt doch rein", sagte er zu Xander und Willow. Die beiden folgten Gunn in die Woh-nung und sahen sich überrascht um. Mit dieser Größe der Räumlichkeiten hatten sie nicht gerechnet. Gunn nötigte die beiden sich zu setzen, und brachte Willow Sachen von Cordelia und Xander Sachen von Angel zum Wechseln. Angel gesellte sich auch wieder zu ihnen und Wesley brachte heißen Kakao für die anderen.
"Cordelia kommt auch gleich wieder zu uns!", gab Angel auf die fragenden Blicke der an-deren zurück, "sie macht sich nur frisch."
"Trocken, meinst du", grinste Wes, der Cordelias Pullover in den Händen hielt und sie wie eine Furie davon rauschen gesehen hatte.
"Angel?", ihre Stimme ertönte ein wenig entfernt und Angesprochener drehte sich um.
"Was ist?"
"Ich brauch ein Handtuch! Ein großes Handtuch!", erklang erneut ihre Stimme und Wesley drückte ihm einen frischen Pullover in die Hand.
Auf Angels Stirn erschien förmlich ein Fragezeichen und Wesley schmunzelte: "Danach wird sie als nächstes schreien."
Angel seufzte und griff sich auch noch das Handtuch von Wesleys Arm und steuerte auf sein Badezimmer zu.
Während dessen saßen Willow und Xander reichlich durchgefroren auf der Couch und nipp-ten an ihren Tassen.
Xander befand die Situation reichlich befremdlich, ebenso Willow, die zwar schon eine ge-wisse Vertrautheit zwischen Angel und Cordelia erlebt hatte, aber durch die einvernehmli-che Harmonie zwischen Angel, Wesley und Cordelia sehr verwirrt war.
Wenn sie zurück dachte, so waren Wesley und Cordelia nicht besonders gut miteinander ausgekommen und Cordelia und Angel... als sie erfahren hatte, dass er ein Vampir war und er als Angelus mit ihr Kontakt hatte, da schien da kein Funke Freundschaft zu sein, jetzt schien die Zuneigung der beiden zu einander schon fast unnatürlich, unzerbrechlich. Sie wusste wirklich nicht, was sie davon halten sollte, vor allem, was Buffy wohl davon halten würde.
"Buffy…", rutschte es ihr laut heraus und alle sahen sie fragend an.
"Wir müssen ihr Bescheid geben, dass wir mit erheblichen Schwierigkeiten angekommen sind!"
Sie sah zu Xander und er nickte bestätigend: "Du hast Recht, sie wollte ja nicht so ganz an diese Geschichte glauben, aber jetzt können wir ihr Zündstoff bieten!"
"Bitte", diesmal war es Wesley, der sich einschaltete, "ich denke nicht, dass Angel jetzt zu seiner einen Ex-Geliebten, auch noch die Gesellschaft einer weiteren gebrauchen kann."
"Ex-Geliebte?" Willow sah von Wesley zu Gunn, dann zu Angel, der gerade wieder in ihrer Nähe auftauchte.
"Wes!" Angel Stimme war ein drohendes Zischen.
"Ups... hab ich das... man ist das unangenehm... tut mir leid, Angel, ist mir nur so rausge-rutscht", Wesley lächelte zaghaft, war ihm doch durchaus bewusst, dass sein Boss nicht sehr erbaut über seinen Ausrutscher war.
"Du warst mal mit dieser Wetterhexe liiert?" Xander riss die Augen auf.
"Sieht wohl ganz so aus", gab Angel ächzend zurück, "diese Affäre hat es noch in meiner bösen Zeit gegeben. Und ich habe sie gelöst, deshalb ist Daviana auch so sauer."
"Nun ja", Cordelia kam aus dem Badezimmer gestiefelt, nur ein Handtuch um die Hüften, "sie ist vielmehr so sauer, weil sie ihn wieder zurück wollte und er sie abgewiesen hat."
"Und wann war das?" Xander legte den Kopf schief und studierte Cordelias Aufzug neugie-rig.
"Gestern?" Gunn zuckte mit den Schultern, während Angel Xanders Blick zu Cordelia re-gistrierte und ihn grimmig ansah.
Wesley stieß den jungen Scooby an, als er die Blicke bemerkte und musste sich unweiger-lich ein Grinsen verkneifen.
"Okay", Willow warf das Handtuch von ihren Schultern, "Angel meinte, du hättest eine Lö-sung für das Problem 'Daviana'?"
Wesley drehte sich um und wollte nach einem Buch greifen: "Ja...", da erschien Daviana hinter ihm auf der Bildfläche.
"Ich bin also ein Problem?"
Ihre säuselnde Stimme und ihre engelsgleiche Gestalt nahmen Xander für den Augenblick gefangen.
"Och... nein..." seufzte Wesley, während Gunn instinktiv nach einer Waffe griff.
Angel hingegen, stellte sich schützend vor den Rest und wappnete sich für seine Auseinan-dersetzung mit der schönen Wetterhexe.
"Angelus, ich bin sehr enttäuscht von dir! Ich hätte eigentlich nicht erwartet, dass ich als Problem von dir bezeichnet werde." Langsam und behände kam sie näher zu ihm bis sie sich schließlich nur noch durch einige Zentimeter von einander trennten. "Ich hätte dich zu meinesgleichen machen können. Ich hätte sogar einen Menschen aus dir machen können, Angel."
Angels Namen sprach sie mit einem Unterton voller Mitleid und Wissen aus.
"Wie ist es Angel... wie ist es, eine Seele zu haben und an seine Taten erinnert zu wer-den?" Sie strich ihm über die Brust und kniff die Augen kurz zusammen, "die Zigeuner haben klug gehandelt, armer kleiner Angel!"
"Du..." zischte Angel, als ihm einiges klar wurde.
"Ohhhh... sag nur, Du hast es all die Jahre nicht gewusst. Erinnerst du dich Angel? Damals in unserem Haus? Du hast mich allein gelassen. Das war ein großer Fehler! Fehler macht man nicht, Fehler werden bestraft!" Daviana lächelte süffisant und weckte in ihm Erinne-rungen, die er lieber nicht heraufbeschworen hätte.
"Lass ihn in Ruhe!" Cordelia schob sich zwischen die beiden und drängte Daviana mutig zurück.
Wesley wusste augenblicklich, dass Cordelia einen bösen Fehler begangen hatte. Noch be-vor Angel oder irgendwer anders reagieren konnte, hatte Daviana Cordelia an den Haaren gepackt und zu sich gezogen.
"Hey!" Cordelias Stimme wurde laut und ihr Gesicht war vor Schmerz verzerrt.
"Wen haben wir denn da?" Die Wetterhexe lächelte tiefgründig. "Angell hat eine neue Freundin..."
"Ich bin nicht... auuu..." Noch ehe Cordelia zu ende sprechen konnte, zog Daviana wieder an ihren Haaren.
Die drei Männer von Angel-Investigations zuckten alle zusammen, so als ob sie zum An-griff übergehen wollten, doch sie taten nichts. Gegen Daviana waren sie derzeit einfach noch machtlos.
"Was willst Du Daviana?" Angels Stimme klang kalt.
"Oh, das ist ganz einfach, mein Liebster, erst werde ich dich umbringen, dann die Kleine und dann mit Lindsay Mc Donald einen Thronerben zeugen. Hat das funktioniert, entsorge ich ihn und übernehme die Weltmacht", ihre Stimme klang so siegessicher, dass es selbst ihm, als Vampir, eiskalt den Rücken hinunter lief.
"Lindsay...", murmelte Wesley und Angel wusste auf einmal, dass er ihn tatsächlich am Vorabend gesehen hatte.
Noch während er darüber nachdachte, begann Daviana ihren Rückzug, steuerte auf die Treppe zu und zog Cordelia mit sich.
"Wir treffen uns. Heute Abend auf dem Dach von Wolfram & Hart, aber alleine, Darling!" Daviana lachte und verschwand. Cordelia mit ihr.
"Und nun?" Willows Stimme drang in Angels Gedanken.
"Ich werde mich heute Abend mit ihr am vereinbarten Treffpunkt treffen. Ihr solltet also schleunigst herausbekommen, ob das, was Wesley zur Vernichtung Davianas gefunden hat, auch wirksam ist", seine Worte verhallten im Raum, während er Cordelias Pullover auf die Couch warf und die Treppe hinauf sprintete.
"Wo will er denn jetzt hin?" Xander sah ihm leicht verwirrt und ungläubig nach.
"Gunn?" Wesley sah seinen Kollegen an und dieser nickte seufzend. Er war es ja schon zur Genüge gewohnt, den Aufpasser für Angel zu spielen.
Also nahm er sich eine Waffe und folgte seinem Arbeitgeber unverzüglich.

~

Die Nacht brach herein und mit ihr auch die Gewissheit, dass Angel sich dem Kampf mit Daviana stellen musste. Wesley, Xander und Willow warteten in Wesleys Wagen vor Wolf-ram & Hart auf Angel, der kurze Zeit später mit Gunn vorgefahren kam.
"Nett, dass ihr wieder mal der Meinung wart, mir Gunn als Wachhund hinterher zu schi-cken", seine Stimme klang verärgert, wenn auch nur ein wenig.
"Und, wo war er?", ließ sich Wesley überhaupt nicht von Angels Art beeindrucken.
"Fische füttern..." Gunn kratzte sich am Kopf, "der Typ saß sage und schreibe ganze drei Stunden im Park und hat Fische gefüttert."
Wesley, Willow und Xander sahen Gunn erstaunt, ja leicht irritiert an.
"Ich habe nachgedacht... ich muss mich dafür doch jetzt wohl nicht rechtfertigen?" platzte es verquer aus Angel heraus.
"Fische füttern..." schmunzelte Xander leise und erhielt von Willow einen Hieb in die Seite.
"Statt euch über mich Gedanken zu machen, hättet ihr lieber die Lösung für unser Prob-lem suchen sollen", erwiderte der Vampir und strafte den Scooby mit einem giftigen Blick.
"Ein Blitz...", schaltete sich Willow schnell ein, bevor sich die Situation noch verschlechtern konnte.
"Ein Blitz? Man ist das einfach!", kommentierte Gunn mit einem ironischen Unterton, "wir müssen uns ja nur ein Gewitter herbeizaubern!"
"So ähnlich...", erwiderte Wesley und sah Angel ein wenig nervös an, "die einzige Möglich-keit Daviana zu erledigen, liegt darin, sie mit einem ihrer selbst erzeugten Blitze zu tref-fen."
Angel zog die Augenbrauen hoch und dachte nach. Das war nun weiß Gott keine einfache Aufgabe.
"Wir haben einen Zauberspruch gefunden, der diese Möglichkeit eröffnet. Du musst sie lediglich so in Rage bringen, dass sie ein Gewitter los schickt", erklärte Willow.
"Und wenn das nicht funktioniert? Ihr wollt mir doch schließlich nicht weiß machen, dass ihr nur diese Lösung habt, oder doch?" Angel legte den Kopf schief.
"Nein, es gäbe noch eine Möglichkeit, allerdings ist diese nicht so wirksam..." Wesley holte tief Luft, "man müsste ihr das Herz herausreißen, dann würde sie ihre Macht verlieren. Jedoch würde es sie nicht töten."
"Mh...", der Vampir dachte nach, "okay, ich werde da rauf gehen, werde mein Möglichstes versuchen und wenn ich Euch ein Zeichen gebe, führt ihr den Zauberspruch aus. Schaffe ich das nicht oder Euer Spruch misslingt, werde ich wohl versuchen müssen, die zweite Variante auszuführen."
Wesley nahm es zur Kenntnis, doch noch ehe er fragen konnte, wie das Zeichen aussah, was Angel geben wollte, war dieser bereits im Gebäude verschwunden.
"Vampirdetektoren, Alarmanlagen, Kameras und er marschiert jedes Mal einfach so da rein..." Gunn schüttelte ungläubig den Kopf...

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Angel betrat das Dach von Wolfram & Hart ohne Probleme. Vermutlich hatte Lindsay Mc Donald das organisiert. Schließlich war er sonst nicht so ungehindert durch das Gebäude gelangt.
Daviana stand bereits in einiger Entfernung und wartete auf ihren ehemaligen Geliebten. An ihrer Seite stand Cordelia. Nicht mehr in das Badehandtuch eingewickelt, sondern in eines der Gewänder Davianas gekleidet.
Daviana trug ein hellblaues Kleid aus Taft und Seide, die langen Ärmel wirkten Schwingen eines Vogels gleich und ihre langen dunklen Haare, das tiefe Blau ihrer Augen, ließen k
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