Die Freiheit zu fliegen von Nadia

Die Freiheit zu fliegen von Nadia

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Spoiler: 1.17 - …In Translation
Kate machte sich Sorgen um Sun. Seit jenem Vorfall am Strand, als sie ihr Geheimnis preisgegeben und Jin sie daraufhin verlassen hatte, kapselte Sun sich regelrecht von der Gruppe ab. Und so lange sie nicht wussten, was dieses Ding im Dschungel war, das jeder Zeit auftauchen konnte, sollte keiner allein sein.

Mit ein paar verschiedenen Obstsorten und zwei Flaschen Wasser machte sich Kate schließlich auf den Weg zu den Höhlen, wo Sun und Jin sich vor Wochen einquartiert hatten, nachdem auch sie den Strand gemeinsam verlassen hatten.

„Sun!“ Kate sah um einen Felsvorsprung und fand die Koreanerin auf einer Decke, die offenbar aus den Blättern einer Palme oder etwas Ähnlichem geflochten war. Erstaunlich, dachte Kate, was Sun alles konnte. Sie war nicht nur die Homöopathin des Camps, sondern auch die Botanikerin. Sie kannte jede Pflanze, wusste, was essbar und was giftig war und welche Pflanzen zu heilen vermochten. Sie war ein wichtiger Bestandteil der Gruppe. Unersetzbar.

„Sun, ich habe dir Wasser und Obst gebracht.“

„Ich habe keinen Hunger, danke“, erwiderte Sun ohne aufzublicken. Sie starrte an eine der Felswände, die sie umgaben. Sie hatte die Knie eng an die Brust gezogen und ihre Arme darauf gelegt. Auf ihren Armen wiederum ruhte ihr Kopf. Kate fand, dass sie sehr traurig aussah.

„Du solltest etwas essen. Es ist nicht gut, wenn du nichts mehr isst und trinkst.“ Kate schloss zu Sun auf und setzte sich neben sie. „Er wird sich wieder beruhigen, Sun.“

„Er wird mir nie verzeihen. Es gibt für eine Frau wie mich keinen Grund eure Sprache zu lernen, außer es mit der Absicht zu tun das Land zu verlassen. Jin weiß das. Und deshalb hat er mich verlassen, bevor ich es tun konnte. Ich habe ihn verletzt.“ Endlich sah Sun auf. Tränen hatten sich in ihren Augen gesammelt und drohten sich von ihren dunklen Wimpern zu lösen.

Kate legte tröstend einen Arm um Sun. „Natürlich ist er verletzt, Sun. Aber er liebt dich über alles. Ich habe euch beobachtet, wenn ihr dachtet allein zu sein. Nicht absichtlich, aber…“ Sie machte eine kleine Pause, als sie Suns verwundertes Gesicht bemerkte. „Ich habe euch beneidet, weißt du.“

„Warum?“, fragte Sun. „Du hast doch auch gesehen, dass wir oft streiten. Dass er mir verbieten will im Bikini am Strand entlang zu gehen. Zu baden, obwohl es so heiß ist. Er ist ein strenger, sehr eifersüchtiger Ehemann. Ich habe diese Eigenschaften zu Hause ignoriert, weil dort keine Frau so ist, wie du oder Shannon. Keine Frau läuft dort halb nackt herum, ohne sich dabei etwas zu denken. Unsere Männer sehen zwischen Unterwäsche und Bademode keinen Unterschied. Es ist in ihren Augen… - wie sagt ihr?“

„Provokant?“, half Kate ihr auf die Sprünge.

Sun nickte. „Ja, es ist provokant.“ Es folgte eine nachdenkliche Pause. „Ich liebe mein Land. Meine Heimat bedeutet mir wirklich sehr viel, aber ich bewundere euch schon immer. Ihr seid so offen, so freigiebig.“

„Das ist nicht immer von Vorteil, Sun.“

„Ich möchte… auch ein bisschen Freiheit haben. Nur etwas, nicht sehr viel. Etwas würde mir schon genügen.“ Sun seufzte. „Ich möchte auch die Sonne genießen, das Beste aus diesem Unfall machen. Das Schicksal hat mir den Wunsch nach Freiheit erfüllt und mich gleichzeitig doch wieder in einen Käfig gesperrt. Hast du dich jemals wie ein Vogel in einem goldenen Käfig gefühlt?“

Kate schüttelte den Kopf.

„Ich habe mich mein Leben lang so gefühlt. Ich habe alles bekommen, was ich wollte, solange ich bereit war im Käfig zu bleiben, der es mir erlaubte lediglich durch die Stäbe das Leben außerhalb zu beobachten. Ich durfte nie selbst Teil daran haben. Ich war eingesperrt in meinem Käfig, in einem Palast. Hier ist es, als wäre ich auf einen Balkon hinaus in die Sonne gestellt worden, ich muss schwitzen und kann mich nicht in den Schatten flüchten. Man erlaubt mir jedoch auch nicht zu baden oder mein Federkleid den Temperaturen anzupassen.“

„Jetzt kannst du doch baden gehen.“ Kate lächelte und hoffte, dass sie Sun damit ansteckte, doch es funktionierte nicht. „Du möchtest, dass er es dir erlaubt, nicht?“

„Er ist mein Ehemann, Kate. Wo ich herkomme, tun Frauen nichts gegen den Willen ihres Mannes. Und tun sie es doch, hat dies meist böse Konsequenzen.“

„Ich kann mir das gar nicht vorstellen“, sagte Kate nach einiger Zeit. „Ich denke, dass Jin einfach ein bisschen Zeit braucht. Genieße, was dir diese Insel zu bieten hat, Sun. Lebe das Leben, das dir bisher verwehrt blieb. Du wirst sehen, dass Jin irgendwann seinen Fehler einsieht. Das tun alle Männer irgendwann. Und da unterscheiden sich eure nicht von unseren. Sie sind alle gleich. Und wir Frauen haben den größeren Dickkopf und bekommen immer, was wir wollen. Wir müssen den Fisch nur lange genug zappeln lassen.“

„Diese Metapher verstehe ich nicht ganz, fürchte ich.“

Kate lächelte abermals. „Tu einfach so, als interessiert es dich nicht, dass er dich verlassen hat. Zeig ihm, dass du genießt, dass er fort ist. Und ich verspreche dir, dass er eher zu dir zurückkommt als du dir vorstellen kannst. Und nicht nur das, er wird dir mehr Freiheit lassen, weil er feststellen wird, dass wenn er das Vögelchen gelegentlich aus dem Käfig und herumfliegen lässt, es immer zu ihm zurückkehren wird, ins sichere Heim.“

„Meinst du wirklich?“

„Ich bin davon überzeugt“, sagte Kate bestimmt und reichte Sun eine Wasserflasche. „Und jetzt trink ordentlich, iss eine Banane und dann gehen wir uns amüsieren.“

„Was meinst du?“

„Wir werden baden gehen, am Strand. Lass uns den Männern die Köpfe verdrehen.“ Kate zwinkerte und entlockte Sun ein unsicheres Lächeln. Nichtsdestotrotz aß und trank Sun endlich etwas und letztlich begleitete sie Kate mit gestärktem Selbstbewusstsein zum Strand.


ENDE


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