7.20 - Junggesellenabschied von Anna-Lena

7.20 - Junggesellenabschied von Anna-Lena

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Story Bemerkung:

Co-Autoren waren Mona und René
Andie saß im Schneidersitz am Küchentisch der Harpers und blätterte durch ein Bautmoden-Magazin, das Joey ihr mitgegeben hatte, weil Andie die Designs so hübsch fand. Während sie in Ruhe die Bilder betrachtete und die kurzen Texte über Stoffe und Bestickungen studierte, eilte Ashley von einem Eck zum anderen. Im Moment polierte sie die Spüle, sprach aber gleichzeitig in ihr Handy Anweisungen für das Catering für Joeys Junggesellinnenparty.

„Nein, ich sagte, die Ananas zum Hühnchen!“, erklärte sie außer Atem in ihr mobiles Telefon und hetzte zum Tisch, um von ihrem Notizblock abzulesen: „Ananas zum Huhn, da steht es! Verstanden? Pronto!“

Andie grinste, als Ashley wieder aufsprang, der Stimme am anderen Ende der Leitung lauschend und dann den Putzlappen unter der Spüle beim Abfalleimer verstaute.

„Gut! Dann macht endlich eueren Job! Bis gleich.“ Die Geschäftsfrau legte auf, schenkte für sich und Andie zwei Tassen mit Kaffee ein und ließ sich Andie gegenüber erschöpft auf einem Stuhl am Küchentisch fallen.

Andie grinste ihre Freundin an und nahm sich eine der Tassen.

„Was ist? Hab ich Putzmittel im Gesicht?“, fragte Ashley und überprüfte, ob ihr Pferdeschwanz noch richtig saß.

„Alles ist okay“, sagte Andie und legte den Kopf schief. „Dich hier zu beobachten ist aber eine reine Freak-Show!“

Ashley hob die Augenbrauen: „Wieso? Gehe ich zu sanft mit ihnen um? Ist die Spüle immer noch nicht sauber?“

„Genau das mein ich! Du putzt und telefonierst, schmeißt Haushalt, Restaurant und siehst nebenbei auch noch gut aus!“, befand Andie beeindruckt. „Du hast dich wirklich verändert und zum Positiven! Als ich das letzte Mal hier war, warst du ein Wrack, aber jetzt ... strahlst du so!“

„Mag schon sein.“ Verlegen strich Ashley sich eine Strähne aus dem Gesicht, die ihr doch noch aus der Frisur gefallen war. Sie nahm sich selbst vollkommen anders wahr. Dabei war sie sich so manches Mal gar nicht so sicher darüber, alles im Griff zu haben.

„Ich hätte für so etwas nicht die Kraft. Darum hat sich auch der Schimmel in meinem Kühlschrank eingenistet“, meinte Andie.

Ashley lächelte. „Tja, ich glaube genau dieser Druck gibt mir Kraft. Ich habe mich noch nie besser gefühlt!“

„Ach ja?“, fragte Justin, der in diesem Moment in die Küche schlurfte, aber bestimmt nicht einmal mitbekommen hatte, weshalb Ashley sich gut fühlte.

„Ja, Schatz“, sagte Ashley fröhlich. „Willst du Kaffee? Ich habe gerade welchen gemacht.“

„Nee“, verneinte Justin und ging zum Kühlschrank. Andie zeigte Ashley ein besonders schönes Brautkleid und als die beiden wieder von dem Magazin aufblickten stand Justin noch immer vor dem offenen Kühlschrank und kratzte sich am Rücken.

„Justin, was suchst du?“, fragte Ashley.

„Und eine fürsorgliche Ehefrau obendrein ...“, fügte Andie leise zu der Liste mit Ashleys Auslastungen hinzu.

„Ich habe doch gestern noch Bier hier gesehen“, erklärte Justin mürrisch.

Ashley runzelte die Stirn: „Es ist erst halb zwölf. Was willst du jetzt denn mit Bier?“

Justin sah sie wütend an. „Trinken?!“

„Ähm, ich hab mir die halbe Flasche gestern gegönnt“, warf Andie ein. Als Justin sie betroffen ansah, meinte sie entschuldigend: „Es kam ‚Sex and the City‘, da krieg ich immer Lust auf Bier. Entschuldigung.“

„Schon okay, Andie, Justin wird ja nicht daran sterben. Also, doch Kaffee?“, fragte Ashley und versuchte mit ihrer Fröhlichkeit die Spannung in der Küche zu überspielen.

„Nein, danke“, erklärte ihr Mann schroff und stapfte aus dem Zimmer.

„Tut mir leid“, meinte Ashley und blätterte abwesend durch ihr Notizbuch.

Andie zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee: „Passt schon.“
Irgendwo im Haus fiel eine Tür krachend ins Schloss. Andie und Ashley sahen gleichzeitig zur offenstehenden Tür, als könnte die ihnen beantworten, warum Justin so schlecht drauf war. Konnte sie allerdings nicht. Und so sprachen die beiden Frauen über belanglose Dinge, während beide sich insgeheim fragten, was da eben los gewesen war.

***

„Okay, dann werden wir die Drei so gegen 18:00 Uhr abholen“, meinte Dawson mit einem Blick auf die Liste, die vor ihm lag.

Am Vormittag des Junggesellenabschiedes saßen Dawson und Will Krudski zusammen in der Küche der Leerys und gingen nochmals den Plan für den Abend durch.

„Mhm“, nickte der Rotschopf, den Dawson und Pacey schon seit Kindertagen kannten. „Und dann werden wir sie ins Restaurant deiner Eltern bringen und die erste Überraschung wird platzen“, fuhr Will nun fort.

Kopfschüttelnd sah Gale ihren Sohn und dessen Freund an. Sie stand in der Küche und war gerade dabei den Abwasch vom Morgen zu erledigen. Ihre Tochter war noch in der Schule und würde erst in zwei Stunden wiederkommen, also kam es ihr ganz recht, dass sie ein Auge auf die beiden jungen Männer und ihre Pläne haben konnte.

„Wie viele Überraschungen habt ihr den geplant?“, fragte sie nun und sah die beiden mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

Vage schüttelte Dawson seinen Kopf. „So drei, vielleicht vier.“

Will grinste und auch Gale verdrehte ihre Augen. „Genau. Wenn es nur drei oder vier Überraschungen sind, dann bin ich aber nicht mehr Gale Leery.“

„Bist du auch nicht mehr, Mom“, meinte Dawson nur und brachte seine Mutter dazu ärgerlich mit dem Kopf zu schütteln.

„Ich weiß.“

Will warf Dawson einen fragenden Blick zu, aber der blonde junge Mann sagte nichts.

„Wie viele Überraschungen habt ihr denn nun?“, fragte Gale nochmals, nachdem sie sich wieder an das eigentliche Gesprächsthema erinnerte.

„Ungefähr fünf“, erwiderte Will. „Sie kennen ja Dawson. Eigentlich war es nur eine Überraschung, nämlich die obligatorischen Stripper, aber na ja, Dawson war noch ein bisschen kreativ.“

Mit einem wissenden Lächeln sah die Mutter ihren Sohn an. „Oh ja, ich kenne ihn. Als Lilly geboren wurde, gab es auf einmal auch sehr viele Traditionen in ihrem ersten Lebensjahr, von denen zuvor noch niemand gehört hatte.“

Mutter und Sohn sahen sich an und mussten beide wegen der Erinnerung an diese Traditionen lachen.

Auch Will lächelte, doch mit einem Blick auf die Uhr sprang er auf. „Ich muss los, Dawson. Muss noch die letzten Sachen besorgen. Aber ich würde sagen, ich komme so gegen 17:00 Uhr wieder vorbei, okay?“

Nickend bestätigte Dawson die Tatsache. „Okay, Will. Bis dann.“

„Bis nachher, Dawson. Gale.“

Im nächsten Moment war der alte Jugendfreund auch schon durch die Tür verschwunden und Gale und Dawson saßen alleine in der Küche.

„Übertreibt es nur nicht, Dawson“, ermahnte Gale ihren Sohn und sah ihn mit einem wissenden Blick an.

„Mom“, sagte Dawson entsetzt, musste aber ebenso wie sie lächeln. „Wir wollen den Abend nur erinnerungswürdig machen.“

„Na ja, das kann man ja auch in einem anderen Sinn machen. Also keine Ehen, die mal eben geschlossen wurden und ich will auch keine unehelichen Kinder sehen, geschweige denn irgendwelche gebrochenen Ehen, wegen Strippern“, meinte Gale dann mit erhobenem Zeigefinger und Dawson wusste nicht recht, ob sie es ernst meinte oder nur scherzte.

„Okay, Mom. Ich werde dann auch mal losfahren. Muss nämlich auch noch was besorgen für meine eigene Überraschung“, erwiderte Dawson schließlich und stand auf.

„Vergiss nicht Lilly nachher von der Schule abzuholen“, erinnerte Gale ihren Sohn und wandte sich wieder dem Abwasch zu.

„Okay, mache ich! Tschüß“, verabschiedete sich der blonde junge Mann und machte sich dann auf den Weg.

***

„Pace, willst du das wirklich aufhängen?“, fragte Joey skeptisch und beobachte, wie ihr Verlobter einen Nagel in den Hausflur schlug.

„Ja, das habe ich vor“, sagte Pacey bestimmt und hämmerte gezielt den Nagel in die Wand.

Joey schüttelte den Kopf. „Du bist fies!“

„Ach, nun komm schon! Das ist doch witzig!“ Pacey legte den Hammer auf den Boden und nahm einen Bilderrahmen von der Kommode.

„Ist es nicht.“ Joey tat so, als schmolle sie und verschränkte die Arme vor der Brust.

Pacey grinste selbstzufrieden und hängte den Bilderrahmen an den Nagel. Eingerahmt war ein Foto von ihnen, auf dem sie noch als Teenager zu sehen waren und Grimassen schnitten. Die damalige Joey hatte eine grässliche Frisur und streckte ihre Zunge heraus.

Joey seufzte ergeben. „Warum tust du mir das an?“

„Joey, das ist witzig! Und es besiegelt unseren Einzug in dieser Bude, auf dass das Haus mit Blödsinn erfüllt wird“, erwiderte Pacey und trat ein paar Schritte zurück, um sein Werk zu begutachten.

„Ich löse die Verlobung auf“, verkündete Joey eingeschnappt.

„Wegen einem Bild? Verstehst du denn gar keinen Spaß?“, fragte Pacey, der genau wusste, dass Joey nur mit ihm schäkerte.

„Aber nicht bei so was! Kuck dir meine Zähne an! Das sieht aus, als wären sie grau!“, empörte Joey sich und Pacey begann herzhaft zu lachen.

„Das liegt daran, weil es eine schwarzweiße Aufnahme ist!“

Joey schwieg und betrachtete eingehend ihre Schuhe.

Pacey zuckte mit den Schultern. „Dann mach eben Schluss, denn das Foto bleibt definitiv hier. Es sieht aus wie dieses Poster von Dick und Doof.“

Nun konnte auch Joey nicht länger so tun, als wäre sie ihm böse und gab ihm einen dicken Kuss. Zusammen schlenderten sie in die Küche. Es roch im ganzen Haus unheimlich frisch. Die Renovierungen waren abgeschlossen und das Haus war endlich so gemütlich verwohnt, wie sich die beiden wohlfühlten. Die angenehmen Farben waren getrocknet, die Möbel waren an ihrem rechten Platz und nun war alles für die Hochzeit vorbereitet.

„Also, was glaubst du, halten die für uns bereit?“, fragte Pacey und wusch sich die Hände.

Joey seufzte theatralisch. „Hoffentlich einen Stripper.“

„Aber für mich wieder nicht?!“ Jetzt war Pacey mit schmollen dran.

Die Junggesellenpartys würden ziemlich aufregend werden, so hoffte zumindest Pacey. Nicht, dass er vorhatte Joey mit irgendeiner billigen Stripperin zu betrügen, aber er freute sich trotzdem darauf. Mit einem Grinsen im Gesicht erinnerte er sich kurz zurück, als er noch ein Teenager gewesen war; hatte er sich die wildesten Dramen um eine Hochzeit ausgemalt, aber mit der Gewissheit, dass er eh nie heiraten würde.

„Nöö“, gab Joey zurück und kniff die Augen zusammen. „Bestimmt wird der Alkohol fließen.“

„Ja, es wird außerdem ‚Coyote Ugly‘ ähneln, glaubst du nicht auch? An deiner Stelle würde ich mich auf Andies Tanzszene freuen. Ich sehe schon richtig vor mir, wie sie auf der nassen Theke ausrutscht“, spann Pacey den Faden weiter.

Die Spekulationen des Pärchens wurden immer gewagter und unsinniger. Das harmloseste war ein rosa Kaninchen, das aus einer Torte sprang und den ‚Macarena‘ tanzte. Von dieser Story ging es auf der Albernheitsleiter immer weiter nach oben.

„Es wird bestimmt lustig!“, meinte Pacey abschließend.

Joey kicherte leise. „Hoffentlich ist mein Stripper ein Tollpatsch und macht das grässliche Foto kaputt.“

***

Andie schluckte den Kloß in ihrem Hals runter: „Ash, ich werde mich dann mal für die Party fertigmachen, okay?“

„Du gehst doch nicht wegen der Sache von vorhin, oder?“, fragte Ashley erschrocken. „Er führt sich seit Neuestem immer so auf. Du brauchst dir nichts dabei zu denken!“

Andie lächelte scheu. „Na ja, ich werde mich trotzdem schon mal fertigmachen.“

„Ja, ist klar.“ Ashley nickte beklommen.

„Gut.“ Andie stand langsam auf und ging dann nach oben. Sie ließ eine zerstreute Ashley zurück, die nachdenklich an ihrem Kaffee nippte. Plötzlich durchfuhr es sie wie ein Blitz: „Verdammt! Die Kartoffeln!“ Ashley sprang auf und wollte schon nach ihrem Mobiltelefon greifen, aber ihr fiel ein, dass dieses Ding schon viel zu viel Geld verschlang und sie keine Rechnung von 400 Dollar haben wollte. Also spurtete sie zu dem Telefon im Flur und tippte die Nummer von Kenneth ein, der die Aufsicht beim Catering hatte.

„Ken? Gut. Pass auf ...“, begann Ashley und ließ eine Rede über die Kartoffeln vom Stapel, die fast schon an Besessenheit von Perfektion grenzte – selbst wenn sie nur die Beilage waren.

Nervös strich sich die Blondine durch die Haare und wiederholte das Gesagte, damit Kenneth ja nichts falsch machte. Sie hatte den Drang sofort hinzufahren und das Team zurechtzuweisen, denn es machte sie ganz verrückt, dass sie keine Aufsicht über diesen Job halten konnte.

Ja, sie würde gerne mal wieder ausspannen, aber sie würde ja dann doch keine Ruhe finden. Diese Arbeit gab ihr so viel und machte – mal abgesehen von dem Stress – auch viel Spaß. „Gut, gut. Und sonst? Läuft alles glatt?“ Ashley begann sich abzuregen, denn Kenneth versicherte ihr, dass es sowohl den Kartoffeln, als auch den Häppchen und den Ananas‘ gut ging.

Ashley hörte Schritte und drehte sich um. Sie hoffte, dass Andie zurückgekehrt war, um sie davon zu überzeugen, dass sie doch mal die Arbeit vergessen sollte. Aber es war nicht Andie, sondern Justin. Der wollte sie zwar auch davon überzeugen, machte das aber noch lange nicht so einfühlsam, wie Andie es getan hätte.

Er riss ihr nämlich einfach den Telefonhörer aus der Hand und sagte zu Kenneth. „Es tut mir leid, aber Ashley hat etwas Besseres zu tun, als sich mit dir über Hühnchen zu unterhalten.“

Justin legte auf und Ashley stemmte wütend die Hände in die Hüften. „Was sollte das? Es gibt nichts Wichtigeres als dieses Catering!“

„Doch, unsere Ehe“, sagte Justin zurechtweisend.

„Ja, klar.“ Ashley seufzte genervt. „Als wäre dir das noch wichtig!“

Justin legte den Kopf schief. „Wieso? Rede ich denn den ganzen Tag über das Restaurant? Ist mir der Telefonhörer schon fast ans Ohr getackert? Ist es mir denn gleichgültig, was aus uns wird?“

„Weißt du, wenn dir wirklich etwas dran liegen sollte, was aus uns wird, dann würdest du keine Mauern um dich herum errichten!“, platzte es aus Ashley heraus. Sie starrte ihn feindselig an. Sie konnte sich vorstellen, wie Justin sich fühlte, wenn Ashley die ganze Zeit arbeitete, so war es ihr nämlich jahrelang ergangen!

„Tu ich nicht!“, wehrte Justin ab.

„Oh doch! Du kannst es nicht ertragen, dass mir dieser Job wichtiger ist, als mit dir Bier zu trinken und Football zu kucken – du tust nämlich nichts anderes mehr! Und nun soll ich auf einmal schuld sein, dass wir nicht mehr normal miteinander reden können?“, fragte Ashley aufgelöst. Sie rannte zur Treppe: „Ich werde mich für die Party fertigmachen.“

„Ash ...!“ Justin sah ihr verzweifelt hinterher. „So war das nicht gemeint!“

„Doch. So und nicht anders“, murmelte Ashley traurig und war schon im nächsten Moment in ihrem Schlafzimmer verschwunden.

***

Doug knöpfte sich gerade den letzten Knopf seines Hemdes zu, als das Telefon läutete. Da Jack gerade dabei war, Amys Babysitterin Anweisungen für den Abend zu geben, nahm Doug im Schlafzimmer den Hörer ab.

„Hallo“, meldete sich Doug, der hoffte, dass das kein Notfall war, der die Anwesenheit des Sheriffs verlangte.

„Hi, Doug hier ist Zack. Ich hoffe ich störe nicht“, hörte Doug eine ihm vertraute Stimme sagen und ihm huschte ein Lächeln über die Lippen.

„Du? Nie! Wie geht es dem Onkel Doktor?“, fragte Doug und machte es sich auf dem Sessel am Fenster bequem.

„Mir und den Jungs geht’s gut“, antwortete Dougs Anrufer.

„Freut mich zu hören“, sagte Doug und erinnerte sich, dass es bei dem letzten Treffen mit Zack Claremont nicht allzu gut um ihn stand.

Es trat ein beklemmendes Schweigen ein und der Sheriff konnte förmlich hören, wie an der anderen Leitung nach den passenden Worten gesucht wurde.

„Zack, was ist los? Ist etwas mit Audra oder Mitch“, brach Doug schließlich das Schweigen.

„Nein, den beiden geht es auch gut. Ich soll dich übrigens von Audra grüßen“, beschwichtigte er Doug.

„Also, was ist los?“, hakte dieser nach.

„Audra und ich werden nicht zu deiner Hochzeit kommen“, sagte Zack gerade heraus, was ihn sehr große Überwindung gekostet zu haben schien. Doug konnte es deutlich an seinem Tonfall hören.

„Warum?“, wollte Doug wissen.

„Das ist doch offensichtlich. Deine Mutter war auf Audra und mich noch nie gut zu sprechen. Wir haben die Befürchtung, dass die Situation eskaliert und wir deine Hochzeitsfeier verderben“, erklärte Zack.

„Du weißt aber, dass mir euer Kommen sehr viel bedeutet“, sagte Doug, in dem sich Enttäuschung breitmachte.

„Und was soll das bringen?“, fragte Zack zweifelnd. „Das, was du versuchst, wird nicht klappen.“

Doug fuhr sich nervös durchs Haar. Die Wahrheit in Zacks Worten ließ sich nicht ganz verneinen. Schon als seine Mutter nur die Namen der Claremont-Zwillinge auf der Gästeliste gelesen hatte, war sie fast ausgeflippt. „Ich weiß“, gab der Sheriff resigniert zu. Wie konnte er auch nur glauben, dass es hätte klappen können?

„Gut, dann ist ja alles geklärt“, meinte Zack. „Wir werden dir unsere Geschenke zuschicken.“

„Und du meinst, das stellt mich zufrieden?“

„Nein, aber bei der derzeitigen Situation ist nur das möglich“, sagte Zack.

„Warum muss nur alles so kompliziert sein?“, fragte Doug, bei dem die Emotionen zwischen Wut, Verzweiflung und Trauer pendelten.

„Ich mache dann mal Schluss“, sagte Zack nach kurzem Schweigen. „Viel Glück.“

„Danke, und pass auf dich auf“, ermahnte Doug seinen Gesprächspartner fürsorglich.

„Mach ich, also bye.“

„Bye“, verabschiedete sich Doug und legte auf. Er fühlte sich plötzlich innen so leer. Aus einer Schublade kramte er ein zerknittertes Foto hervor. Es zeigte den alten Sheriff mit Doug und den Claremont-Zwillingen. „Warum musstest du es so kompliziert machen, Dad?“, fragte Doug seinen Vater auf dem Bild.

Als es unten an der Tür läutete verstaute Doug das Foto wieder in seinem alten Versteck und ging hinunter, wo Dawson bereitstand, um ihn und Jack zu ihrem Junggesellenabschied abzuholen.

***

„Hey, bist du fertig?“, fragte Andie und streckte den Kopf zur Tür herein. Ashley war gerade dabei, ihr Aussehen mit einem letzten Strich Rouge zu perfektionieren.

„Ja, in einer Sekunde“, Ashley legte den Pinsel weg und begutachtete sich.

Andie grinste und schlenderte ins Schlafzimmer: „Sieht perfekt aus, wirklich.“

Denn während Andie nur einen Jeansrock, ein weißes Top und darüber eine rote Bluse trug, sah Ashley in ihrem leichten, dunkelblauen Kleid wie immer unglaublich elegant aus. Diese lächelte: „Okay, wir können gehen!“

Die beiden Frauen gingen nach unten. Justin kam gerade aus der Küche geschlurft. Freundlich verabschiedete Andie sich von ihm, doch Ashleys Mann gab keine Antwort – jedenfalls keine, die man verstehen konnte.

„Und du sagst, er hat das zurzeit dauernd?“, erkundigte Andie sich vorsichtig, als sie und Ashley auf die Straße traten. Sie wollten zu Fuß zu Joey gehen, da es noch nicht allzu dunkel und auch nicht so weit war.

„Jep“, meinte Ashley ein wenig betrübt.

Andie sah sie fragend an. „Und warum?“

Sie wollte zwar nicht in irgendeiner Wunde von Ashley herum bohren oder so, aber sie wollte sichergehen, dass es nicht an ihr lag, sonst würde sie sich irgendwie schuldig fühlen.

„Na ja, ich glaube, er ist eifersüchtig darauf, was ich in den letzten Wochen alles geschafft habe“, sagte Ashley Schulter zuckend.

„Du meinst, er kann es nicht sehen, dass es dir gut geht?!“, vergewisserte Andie sich, ob sie es richtig verstanden hatte.

„Ja, das denke ich zu mindestens. Normal reden will er ja mit mir nicht …“, erklärte Ashley und fuhr gereizt fort. „Er sagt, ich kümmere mich nicht um unsere Ehe, unsere verdammte Partnerschaft! Aber in Wirklichkeit zerstört er alles!“ Andie hörte ihrer Freundin ruhig zu und war erstaunt, wie wütend Ashley wurde, als sie weitersprach: „Klar, ich muss manchmal länger arbeiten! Aber was war in den Nächten, in denen er vor lauter Arbeit am Küchentisch eingeschlafen ist? Habe ich mich beschwert? Okay, ich musste deswegen zur Therapie, aber mir geht es jetzt bestens! Mir würde es auch nichts ausmachen, wenn er ebenso hart arbeiten würde wie ich, damit ich nicht länger die einzige bin, die sich den Arsch aufreißt …“

„Je erfolgreicher du wurdest, desto größer wurde die Distanz zwischen euch“, warf Andie nachdenklich ein.

„Was?“, Ashley hielt inne.

„Wenn ich dir so zu höre, wird mir eigentlich klar, was euer Problem ist. Erst einmal redet ihr nicht mehr so richtig miteinander. Wenn ihr ehrlich zueinander wärt, würde Justin dir sagen, dass es ihn stört, wenn du länger arbeiten musst. Und du hättest ihm das gleiche vor einigen Monaten sagen müssen!“ Andie holte weiter aus. „Aber das hast du nicht. Durch die Therapie und deinen neuen Arbeitsplatz bist du jedoch über dich hinausgewachsen und das Ganze hat sich irgendwie verdreht. Was Justin nun mal gar nicht gefiel! Deswegen ist er so mürrisch, weil …“

„… er sich nicht mehr männlich fühlt?“

„So oder so ähnlich, ja.“ Andie hoffte, dass ihre Rede etwas bewirkt hatte.

Tatsächlich biss Ashley sich auf die Lippen und als die beiden in die Straße von Joeys Haus einbogen, meinte sie. „Du hast wahrscheinlich Recht.“
Andie lächelte etwas überrascht. „Wirklich?“

Dann schüttelte sie denn Kopf: „Na klar, was denn sonst.“

Sie lächelte fröhlich vor sich hin, während Ashley fiebrig nach einer Möglichkeit suchte, wie sie die jetzige Situation ändern konnte; etwas kürzer treten vielleicht. Dann würde auch Justin sich endlich wieder abregen. Und es würde für Ashley nicht mehr allzu stressig sein. Aber wollte sie denn wirklich einen Gang zurückschalten?

Es war einfach nicht das Richtige, ihr war nicht danach zurückzustecken. Der berufliche Erfolg tat ihr gut. Aber Justin würde noch mehr durchhängen und sie wollte mal wieder „Ich liebe dich“ von ihm hören. Und sie wollte nicht, dass er sich noch mehr von ihr entfernte! Genauso wenig wollte sie ihren Job verlieren, weil Pacey unzufrieden mit ihr sein würde. Irgendeines von beiden musste sie also definitiv vernachlässigen.

„Hör auf dein Herz“, meinte Andie gut gelaunt, was aber nicht wirklich ein hilfreicher Rat war.

Ashley seufzte. Das war leichter gesagt als getan. Sie befand sich in einer Zwickmühle.

***

Mit gemischten Gefühlen stieg Joey aus dem Auto, das vor dem Potter’s B&B geparkt war. Einerseits freute sie sich auf den Abend, aber andererseits wusste sie auch nicht so recht was sie erwarten würde.

„Okay, Joey“, sprach Ashley sie von der Seite an und strahlte geradezu. „Auch wenn du schon weißt wo wir sind, werden dir die Augen trotzdem verbunden.“

„Aber, Ash, muss das denn sein? Wie schon gesagt, ich weiß bereits wo wir sind“, beschwerte sich Joey und verdrehte ihre braunen Augen.

Doch die Blondine lachte sie nur an und nahm dann ihren Seidenschaal, um ihn um den Kopf der Brünetten zu binden, damit sie nichts mehr sah. „Vergiss es, Joey. Da musst du jetzt durch.“

Schließlich ließ Joey es geschehen und sich danach von Ashley zur Tür des B&B’s führen. Im Haus war es leise, doch als Ashley den Schaal entfernte, ging das Licht plötzlich an und Joey sah all ihre Freunde vor sich, die jubelten und unisono „Überraschung!“ riefen. Völlig überwältigt von der plötzlichen Situation schlug Joey ihre Hände vor den Mund, musste aber gleichzeitig vor überwältigender Freude lachen.

Der größte Raum des B&Bs war mit Luftschlangen und bunten Lichtern geschmückt, an einer Wand hing eine große Pappe mit Fotos von Joey. Natürlich peinliche und auch schöne Momentaufnahmen.

In einer anderen Ecke hing eine große Leinwand und eine Karaoke-Maschine war auch aufgebaut. Wo sonst immer die Kuchentheke stand, konnte man nun eine Bar entdecken, an der man sich Erfrischungen holen konnte und auch ein Buffet war aufgebaut.

Joey umarmte impulsiv Ashley, die noch immer neben ihr stand. „Dankeschön, Ashley. Es sind wunderbar aus.“

Langsam beruhigten sich wieder alle und die Musik begann zu spielen. Die meisten Frauen standen noch im Raum und unterhielten sich, doch einige mutige hatten sich auch schon auf die improvisierte Tanzfläche gewagt.

Bessie kam auf ihre kleine Schwester zu und lächelte sie an: „Na, Schwesterchen, alles zu deiner Zufriedenheit?“

Doch wenn Bessie diesmal eine sarkastische Antwort erwartet hatte, dann hatte sie falsch gewettet. Ihre kleine Schwester hatte fast Tränen in den Augen und schien wirklich sehr dankbar zu sein. „Es ist wirklich wunderschön, Bessie. Ich hätte niemals so etwas erwartet“, meinte sie ernst, doch ein kleines bisschen Sarkasmus durfte doch nicht fehlen. „Ich hatte ja nur mit einem Stripper gerechnet und nicht gleich einem Entertainment-Center.“

„Na ja, noch könntest du deinen Stripper ja bekommen“, zwinkerte Bessie ihrer kleinen Schwester zu.

Mit großen Augen sah Joey ihre Schwester an, doch diese konnte bei diesem Anblick nur lachen. „Joey! Pass auf, sonst fallen dir deine hübschen Augen noch aus dem Kopf.“

Joey schien aus ihrer Phase der Überraschung wieder aufzuwachen und sah ihre Schwester herausfordernd an.

„Pacey und ich haben uns schon auf die Stripper vorbereitet“, meinte sie nur und grinste ihre Schwester unverhohlen an. Nun war es Bessie, die ihren Mund nicht mehr zu bekam. „Bessie! Nicht was du jetzt schon wieder denkst“, meinte Joey dann aber auch sofort.

In diesem Moment schaltete sich Gale in das Gespräch ein, denn sie hatte schon die ganze Zeit zufällig mitgehört.

„Na ja, nachdem was ich von Dawson gehört habe, soll es mehr als eine Überraschung geben und ich habe keine Ahnung was für Überraschungen es sind.“

Nun sahen sich die drei Frauen an.

„Wir werden hier auch unseren Spaß haben“, meinte Bessie und zuckte mit ihren Schultern. Sie schien es nicht im Geringsten zu interessieren, was auf dem Jungessellenabschied der Männer passierte.

Doch ganz anders war da Joey. „Und du hast wirklich nichts von dem mitbekommen, was passiert ist?“

Kopfschüttelnd sah Gale die junge Frau an. „Nein. Ich denke da werden wir uns bis morgen gedulden müssen.“

Nickend stimmte Joey ihr zu, doch insgeheim fragte sie sich wirklich, was die Männer gerade machten und ob ihre und Paceys Vermutungen vielleicht doch wahr gewesen waren.

***

‚You can leave your hat on’ von Joe Cocker lief gerade auf der Party der Männer, währenddessen sich ein Stripper, als Polizist verkleidet, langsam seiner Kleidung entledigte.

Jack und Doug saßen nebeneinander auf zwei Stühlen, jeder ein Bier in der Hand und beiden gefiel was sie sahen. Sie jubelten lautstark und feuerten den Entertrainer an.

Von der Bar aus beobachteten Dawson, Will und Pacey das Geschehen auf der Bühne, auf der zuvor noch eine Stripperin getanzt hatte, natürlich für Pacey.

Dawson lachte, als der Stripper auf Jack zukam und Doug ihm zugleich einen mehr oder weniger besorgten Blick zuwarf.

„Hoffentlich bekommen sie wegen dem Stripper nicht noch irgendwelche Probleme, bevor sie überhaupt verheiratet sind“, grinste Pacey neben ihm und genehmigte sich dann einen Schluck von seinem Bier.

Auch Will musste lachen und sah den beiden Freunden von Pacey und Dawson zu. „Na ja, wir haben ja auch nicht geglaubt, dass Pacey mit der Stripperin abhaut“, scherzte er dann.

„Will, nur weil du mit ihr verschwinden wolltest, heißt es noch lange nicht, dass jeder noch nicht verheiratete Mann mit ihr verschwinden will“, erwiderte Pacey postwendend, sodass Will nur noch mit einem offenen Mund dastehen konnte.

Lachend sah Dawson seine alten Freunde an. „Hätte ich gewusste, dass meine Überraschung so viel Trubel mit sich bringt, hätte ich sie nicht herkommen lassen.“

Mit einem Lächeln legte Pacey seine Hand auf Dawsons Schulter und meinte schließlich: „Siehst du, das hättest du nicht. Noch nie in meinem Leben habe ich so eine schöne Party erlebt. Es ist wirklich unglaublich, was ihr beiden auf die Beine gestellt habt. Besonders natürlich ...“

„Ja, Pacey, ich weiß schon. Ganz besonders gut hat dir natürlich der Film über dich gefallen“, führte Dawson seinen Satz zu Ende.

„... die Stripperin“, setzte Pacey jetzt noch einen oben drauf, nach ihrem Gespräch über die „Exotische Tänzerin“, wie sich die Stripper lieber nannten.

Will und Pacey lachten als sie Dawsons Gesicht sahen. Der rothaarige Mann klopfte Dawson auf dem Rücken und meinte nur: „Du kannst ja echt keinen Spaß verstehen, D.“

Schnell schloss Dawson seinen Mund wieder und versuchte ein Lachen auf sein Gesicht zu zwingen, doch Pacey legte eine Hand auf den Arm seines alten Freundes. „Ist schon gut, Dawson. Ich meinte den ersten Teil ernst. Ich bin echt froh, dass du und Will die Party vorbereitet habt. Ist wirklich schön geworden.“

Dawson sah seinem Freund an, dass er es ernst meinte. Mit einem Lächeln erwiderte er also: „Ist schon gut. Für Freunde immer.“

Die beiden alten Freunde umarmten sich und auch Will lächelte bei dem Anblick.

Der Stripper schien mit seiner Show fertig zu sein und Doug und Jack kamen auf Pacey zu, um mit ihm zu reden.

Dawson wollte sich gerade schon zu ihnen gesellen, als er eine ihm nur zu bekannte Gestalt mit der Stripperin ins Hinterzimmer des B&B’s verschwinden sah.

Justin Harper.

Dawson musste zweimal hinsehen, denn er konnte nicht glauben, dass sein alter Freund mit einer Stripperin verschwinden würde, gerade als zwischen ihm und Ashley alles gut zu laufen schien. Etwas verunsichert starrte Dawson in sein Bierglas. Er sollte sich auf jeden Fall nicht in Justins Angelegenheiten einmischen. Mit dem Gedanken schaute er auf und ließ seinen Blick über die Menge der Männer schweifen. So eine Party hatte er schon lange nicht mehr erlebt.

***

Auf der Party der Mädels hatten alle inzwischen ziemlich viel Spaß. Die Musik lief, alte 90’er-Jahre-Musik, das Licht war nur noch spärlich an und die Frauen tanzten ausgelassen. Sogar Mrs. Witter saß an einem Tisch und wippte mit dem Fuß, was sicher daran lag, dass eine halbe Flasche Wodka vor ihr stand. Die einzige andere Frau, die nicht tanzte, war Joey. Amüsiert schaute sie den Tanzenden zu, die immer neuen Einfallsreichtum entwickelten, da sie ja keine Männer dabei hatten und so nicht nur die Paartänze tanzen konnten.

Obwohl die Brünette eigentlich ziemlich niedrige Erwartungen hatte, war sie bis jetzt nicht enttäuscht. Bessie und Gretchen hatten sich wirklich alle Mühe gemacht. Bis jetzt war schon ein Stripper aufgetreten und Karaoke hatten sie auch gesungen. Natürlich hatten sie Andie mit Erinnerungen an Dawsons 16ten Geburtstag gequält, an dem sie leicht betrunken ein Lied gesungen und sich anschließend übergeben hatte.

Leicht lächelte Joey und im nächsten Moment tätschelte Paceys Mutter ihren Arm.

„Ja, ja. So habe ich auch gelächelt, als ich meinen Mann geheiratet habe“, meinte sie langsam, sichtlich und hörbar angetrunken. Ihre Zunge schien ihr etwas schwer geworden zu sein.

Ein Grinsen kam auf Joey Gesicht und sie erwiderte nur: „Wie hat der Sheriff Ihnen denn den Antrag gemacht? Bestimmt irgendetwas Verrücktes.“

Mrs. Witter goss sich noch einen Wodka ein und schaute dann zu Joey hinüber: „Ach, nein, Sie dürfen ja nicht. Sie tragen ja ein Kind der Liebe unter dem Herzen.“

Joey war der ironische Unterton nicht entgangen, aber im Moment konnte sie Mrs. Witter einfach nichts übelnehmen. Nach einer Flasche Wodka konnte sie auch schon mal übermäßig ironisch und sarkastisch werden.

„Der Sheriff, der war noch kein Sheriff, er war sogar mal sehr romantisch und sehr sanft“, erzählte sie und trank dann das Glas Wodka leer. Ihre Mimik blieb gleich und Joey schauderte bei dem Gedanken an das alkoholische Getränk auf ihrem Gaumen. Wenn sie schon keine Mimik mehr verzog, dann musste sie schon sehr viel getrunken haben oder war es gewohnt. Doch schnell wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. „Doch die Bedeutung liegt auf dem Wort ‚war‘. Vergangenheit, Schätzchen“, grummelte Mrs. Witter.

Joey wunderte sich immer mehr, denn Schätzchen hatte sie noch niemand genannt. Zum Wundern blieb ihr jedoch nicht viel Zeit, da Paceys Mutter redselig fortfuhr.

„Irgendwann wurde er befördert und wie man so schön sagt, jeder Mensch ändert sich mal. Ich hoffe nur, dass Pacey nicht den gleichen Fehler macht.“ Sie sah Joey tief in die Augen, sodass sie fast vornüberkippte und meinte schließlich: „Denn die Kartoffel wächst nicht weit von der Wurzel, oder so“, sagte sie bitter.

Innerlich wollte Joey die ältere Frau sofort verbessern, denn natürlich war die Weisheit nicht richtig. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen.

Fehler? Was für einen Fehler denn?

„Mrs. Witter! Was für einen Fehler hat denn der alte Sheriff gemacht?“, fragte sie schließlich, denn sie konnte sich an nichts Derartiges erinnern.

Die Augen von Paceys Mutter verengten sich und mit einem Finger warnte sie die Brünette: „Sie dürfen es aber niemandem verraten, okay? Es ist ein Geheimnis.“

Mit einem Lachen hielt sie den Zeigefinger vor ihre Lippen und machte ein ‚Schhhh-Geräusch’.

Joey konnte nur nicken, denn sie wusste jetzt schon, dass sie es Pacey erzählen musste, wenn es ihn betreffen würde.

„Okay, aber wirklich nichts erzählen, sonst bin ich dran“, zischte die ältere Frau und schnitt dabei eine Grimasse.

Joey beugte sich vor, doch in diesem Moment kam Gale an den Tisch, welche die beiden Frauen schon die ganze Zeit beobachtet hatte und nichts Gutes ahnte. Denn jedes Mal, wenn Mrs. Witter zu viel getrunken hatte, sprach sie von der Vergangenheit und plauderte irgendwelche Familiengeheimnisse aus. Sie selbst war auch schon Zeugin davon geworden.

„Möchtest du mir nicht eben helfen das nächste Spiel vorzubereiten?“, fragte sie Paceys und Dougs Mutter und packte sie leicht am Arm, damit sie die Aufmerksamkeit der Frau bekam.

Die ältere Frau nickte und meinte dann noch zu Joey: „Schätzchen, das Gespräch müssen wir auf jeden Fall mal fortsetzen, jetzt wo du zur Familie gehörst.“

Joey nickte verwundert und im nächsten Moment konnte sie nur noch Gale und Mrs. Witter nachsehen. Gale stütze die ältere Frau, da diese schon nicht mehr richtig geradeaus gehen konnte.

Kopfschüttelnd sah Joey den beiden nach. Doch was war jetzt das große Geheimnis gewesen?

***

Auf der Junggesellenparty hatten sich Doug und Pacey an einen Tisch zurückgezogen, um in aller Ruhe ihr Bier zu leeren.

„Ist schon ein Wahnsinn“, meinte Pacey und nahm einen neuen Schluck von seinem Getränk. Dabei betrachtete er nicht die Party, auf der sich jeder zu amüsieren schien, sondern die Tischplatte.

„Was?“, erkundigte Doug sich und sah Pacey aufmerksam an.

„Na ja, vor ein paar Wochen war ich mir noch nicht mal sicher, ob Joey ‚Ja’ sagen würde und nun sitzen wir hier, einen Tag vor meiner und auch deiner Hochzeit. Ist das nicht total schnell gegangen?“, fragte Pacey, der überwältigt von den Ereignissen der letzten Tage war. Überall diese Harmonie und Liebe, Joeys Fröhlichkeit, die jeden ansteckte und die Tatsache, dass er und sein Bruder eine Doppelhochzeit feiern wollten, war auch nicht leicht zu verdauen.

„Klar. Aber ich finde es ziemlich gut wie alles verlaufen ist. Auch wenn Hochzeiten immer ein Grund für Streitereien sind“, seufzte Doug.

„Die Gästeliste?“, erriet Pacey.

„Die Gästeliste“, nickte Doug bestätigend. „Dass Andie, Dawson und so drauf stehen war ja klar, aber Jack und Joey haben trotzdem ein Riesentheater daraus gemacht, die Einladungen und das alles zu organisieren.“

„Joey hat ungefähr fünfmal Rückfrage gemacht, ob ich meine Familie überhaupt dabei haben will. Und ich musste ihr jedes Mal sagen, dass ich meinen Bruder sowieso nicht ausschließen kann und dass der Rest dann auch kommen kann“, grinste Pacey.

„Ich musste auch tausendmal versichern, dass es mir nichts ausmacht, dass der ganze Witter-Clan kommt“, stimmte Doug zu und setzte die Bierflasche erneut an seine Lippen.

„Echt nicht?“, bemerkte Pacey.

„Nein, ihre Anwesenheit macht mir wirklich nichts aus“, meinte Doug kurz angebunden.

Pacey grinste. „Erstaunlich.“

Doug beantwortete Paceys Kommentar nicht, sondern starrte nur so nachdenklich auf die Tischplatte, wie Pacey es vorher getan hatte.

Dieser nahm jedoch wieder sein Bier und betrachtete die Party in zurückgelehnter Haltung. „Was?“, fragte Pacey, als er mitbekam, dass Doug noch immer vor sich hin grübelte.

„Es ist nichts“, wich Doug aus.

Pacey zuckte mit den Schultern: „Na ja, jedenfalls bin ich schon ein bisschen aufgeregt ...“

***

Als Dawson die Männertoilette betrat, atmete er erst einmal tief durch. Im Leerys Fresh Fish war viel zu viel los. Nicht, dass es Dawson unangenehm war, aber er wollte der lauten Musik und dem schallenden Lachen der Männer für einen kurzen Moment entfliehen.

Vielleicht war er auch einfach nicht mehr an richtig gute Stimmung unter Menschen gewöhnt, die sich mochten. In Hollywoods Traumfabrik erlebte man solche Partys nun mal nicht.

Plötzlich hörte Dawson zwei Stimmen, die im Nebenraum hektisch miteinander sprachen. Kurz darauf wurde irgendetwas gegen die Wand gerückt. Dawson verließ die Toilette und befand, dass die Geräusche aus dem Lagerraum des Lokals kamen. Dawson stieß die Tür auf, in der Vermutung, dass Diebe durch das kleine Fenster des Lagerraums gestiegen waren. Doch anstatt von zwei Männern mit Strumpfhosen über dem Kopf, entdeckte er Justin mit der Stripperin! Die beiden hatten Dawson nicht einmal bemerkt. Justin schien die Stripperin auf eine der Kisten mit den Gewürzen gehoben zu haben und beugte sich über sie. Er sah mit Entsetzen, dass sich der Fotograf schon ziemlich weit bei der fremden Frau vorgearbeitet hatte, er war gerade dabei ihren BH zu lösen.

„Justin!“, rief Dawson in seinem manchmal unpassenden Sinn für Gerechtigkeit und zog den verheirateten Mann von der Stripperin. „Was ...?“

Justin sah Dawson verwirrt an. „Lass mich los!“

„Vergiss es! Ich will nur verhindern, dass du eine Dummheit begehst!“, erklärte Dawson und bedeutete der Stripperin, dass sie verschwinden sollte. Eingeschüchtert verschwand diese auch und Justin sank nun auf die Kiste mit den Gewürzen. „Du wolltest das doch nicht wirklich tun? Oder?“, hakte Dawson nach und sah ihn verwundert an.

Justin wischte sich übers Gesicht. An seinen Wangen und Lippen klebte noch der rote Lipgloss der Stripperin. Mit zittrigen Fingern knöpfte er sein Hemd zu. „Es ist einfach über mich gekommen. Sie hat sich ja nicht gewehrt und hat es mir quasi aufgedrängt.“ Justin sah Hilfe suchend zur Decke. „Gott, ich will ihr ja nicht die Schuld geben, aber ich konnte nicht nein sagen.“

„Aber du hast doch Ashley! Sie ist tausendmal besser als diese Stripperin!“, warf Dawson ein.

Justin nickte. „Ich weiß.“

Dawson lehnte sich Justin gegenüber an ein Regal: „Was ist denn dann los mit dir?“

„Na ja, mit mir und Ashley läuft’s nicht so gut.“ Justin sah Dawson an, während er nach den richtigen Worten suchte. Er war sich inzwischen über seine Gefühle klar und beschloss Dawson einzuweihen. „Ash arbeitet die ganze Zeit. Sie ist immer beschäftigt, während ich zu Hause sitze und mich betrinke“, meinte Justin weiter.

„Hast du mit ihr darüber geredet?“, fragte Dawson nach.

Justin schüttelte den Kopf. „Wie denn? Sie ist ja nie da!“

„Vielleicht hast du ja nur Probleme damit, dass Ashley jetzt die Hosen an hat“, mutmaßte Dawson.

Justin hob abwehrend die Hände. „Mag ja sein, aber ich gönne ihr den Erfolg. Es ist nur so, dass ich ...“

„Ich weiß was du meinst. Du willst, dass sie mehr Zeit für dich hat. Aber das ist noch lange kein Grund fremdzugehen!“, meinte Dawson.

Justin nickte langsam. „Ich fühle mich nur einfach so überflüssig in meiner Ehe.“ Als Justin Dawsons ratlosen Blick sah, sackte er deprimiert in sich zusammen. Er wusste einfach nicht mehr weiter. Er wollte so gerne ein Mann sein, der damit klarkam, dass die Frau das Geld nach Hause brachte, aber er war nun einmal kein solcher Mann.

Und wie zum Teufel sollte er Ashley von diesem Ausrutscher mit der Stripperin erzählen? Und sollte er es ihr überhaupt sagen? Alles drehte sich. Nicht nur in seinem Kopf. Wirklich alles! Und plötzlich wurde ihm übel. Er übergab sich in einen alten Eimer, der zum Glück herumstand und Dawson sah ihm ratlos und auch ein bisschen hilflos dabei zu.


Fade to black ...


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