1.07 Sternenglanz von Steffi Raatz

1.07 Sternenglanz von Steffi Raatz

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Story Bemerkung:

Co-Autor: Karin Ropers
Es war schon fast Mitternacht und Angel lief unruhigen Geistes in seiner Wohnung hin und her. 'Ich halte das nicht mehr aus, ich muss raus hier', dachte er und griff seinen Mantel. Er wusste nicht, woher diese Unruhe kam, aber er würde in den Park gehen, um auf an-dere Gedanken zu kommen. Wesley und Cordelia waren irgendwo im Kino und sahen sich einen alten Film an. Wo Gunn steckte, wusste er mal wieder nicht, aber im Prinzip war es ja auch egal.

~

Der Park lag ruhig und verlassen wirkend vor ihm, als er jemanden einen der Pfade her-auf kommen sah. Angel zog sich in die tieferen Schatten zurück, um ihn in Ruhe beobach-ten zu können. Die Gesten der Person wirkten irgendwie vertraut und Angel stockte fast der Atem. Dieser jemand sah aus wie Doyle! Und doch konnte er es nicht sein. Doyle war tot, gestorben, um andere zu retten.
Ein lautes Niesen erklang und das Gesicht des Mannes verwandelte sich in eine dämoni-sche Maske... ebenso wie es immer bei Doyle der Fall gewesen war. Aber das war nicht möglich!
Er überlegte, den Mann anzusprechen, doch als er wieder aufsah, da war die Gestalt fort. So kam er wieder aus seinem Versteck, sah den Pfad hinauf und hinunter, doch der Mann, Halbdämon oder was auch immer, war spurlos verschwunden.
Angel, der jetzt fast noch aufgewühlter war, als vor seinem Aufbruch, ging wieder in Rich-tung Wohnung zurück. Er musste so schnell wie möglich Cordelia und Wesley von seiner Begegnung erzählen. Er hoffte, dass die beiden bald wieder zurück sein würden.

~

Das war er doch... Cordelia war sich sehr sicher. Das konnte nur Doyle sein. Ihre Schritte wurden immer schneller, immer länger und dann konnte sie ihn fast berühren. Mit zittriger Hand berührte sie seinen Rücken, hoffte, er würde sich umdrehen.
"Ja?" Ein fremdes Gesicht. Die Enttäuschung zu groß. Wieder mal war sie einem Phantom nachgejagt.
Cordelia entschuldigte sich bei ihrem Gegenüber und ging zurück zu ihrer Einkaufstasche. Es war zum Verzweifeln. Seit Doyle gestorben war, sich geopfert hatte für andere, seither geschah es immer wieder, dass sie wildfremde Menschen ansprach, weil sie Doyle hoffte zu erkennen.
"Was ist los mit dir?" Wesley war ihr hinterher geeilt und sah sie nun fragend an.
"Ach, nichts...", versuchte sie seinen Fragen aus dem Weg zu gehen, doch der Gedanke, Doyle gesehen zu haben, verfestigte sich.
"Sag schon, Cordelia!", bohrte Wesley weiter.
"Ich dachte, ich hätte Doyle gesehen", seufzte sie und wußte instinktiv, dass er ihr jetzt eine Predigt halten würde. Doch es kam zu ihrem Erstaunen anders. Wesley nahm ihren Arm, zog sie zur nächsten Kneipe und spendierte ihr einen Drink.
Keine Gardinenpredigt, keine Widerworte. Sie war gerührt.

~

Angel hatte abends vergeblich auf Cordelia und Wesley gewartet und dann versucht eine Skizze des Gesichtes zu erstellen. Was ihm allerdings nicht so recht gelungen war. Er warf den Stift in eine Ecke seines Büros und ein Knäuel Papier in die andere. Es hatte doch alles keinen Sinn. Warum einem Phantom hinterher jagen. Doyle war vor seinen und Cordelias Augen gestorben.
Angel horchte auf. Es war jemand gekommen. Noch ehe er etwas sehen konnte, wusste er, dass es Cordelia und Wesley waren. Er wartete bis die beiden zu ihm ins Büro kamen.
Cordelia betrat vor Wesley das Büro und sah betrübt zu Angel. Als sie ihn anschaute wußte sie, dass es etwas passiert war. Angel erging es nicht anders. Ein Blick genügte und er erkannte, dass mit Cordelia etwas nicht stimmte.
Wesley steckte nur kurz den Kopf durch die Tür, sah zu Angel hinüber und hob die Hand zum Gruß. Als er die Stimmung zwischen seinen beiden Freunden sah, zog er sich jedoch gleich wieder zurück. Es war deutlich zu erkennen, dass sie miteinander reden wollten.
Cordelia drehte sich um und sah Wesley hinterher. Kaum war die Tür hinter ihm geschlos-sen, sah sie Angel wieder ins Gesicht.
"Was ist passiert?" Angel ergriff das Wort und stand von seinem Sessel auf.
"Sag du es mir!", entgegnete sie, lehnte sich mit dem Rücken gegen das Regal und ver-schränkte die Arme vor der Brust.
"Du hast Doyle gesehen, richtig?" Instinktiv wusste er das richtige.
"Manchmal hasse ich es, dass du mich schon so genau kennst!", kam es von ihr mit einem leicht zynischen Unterton.
"Hass ist ein hartes Wort!" Er lächelte verhalten.
Sie zuckte mit den Schultern: "Du weißt, was ich meine, Angel. Wir kennen uns jetzt schon so lange und das macht nicht unbedingt alles einfacher!"
"Dennoch werden einige Dinge dadurch auch nicht schwerer", gab er prosaisch von sich.
"Du hast Doyle auch gesehen, nicht wahr?" Es war mehr eine Feststellung, denn eine Fra-ge.
"Jep, das habe ich", lamentierte er und lehnte sich ihr gegenüber an den Schreibtisch.
"Ok, und was soll es bedeuten?" Ihre Stimme klang verhältnismäßig ruhig.
"Wieso versuchst du eine Bedeutung hinein zu interpretieren?", konterte Angel und ver-schränkte ebenfalls seine Arme vor der Brust.
Sie stieß sich von der Wand ab und ging auf ihn zu. Kurz vor ihm blieb sie stehen und sah ihm genau in die Augen. "Weil es immer eine Bedeutung hat und auch immer haben wird!"
Angel zuckte leicht zusammen und entgegnete dann: "Du weißt, dass ich deine Gefühle niemals verletzen möchte, aber wir haben keine hundertprozentige Sicherheit, dass es Doyle ist! Wir haben beide gesehen wie er starb und dennoch gibt es jetzt jemanden der Doyle gleichen könnte!"
"Aber wenn er es vielleicht doch ist? Was wäre, wenn er damals gar nicht gestorben ist, wie wir alle dachten? Was wäre, wenn er sich einfach nach dieser Aktion an nichts erin-nern konnte und sich deshalb zurückgezogen hat?" Cordelia steigerte sich regelrecht in ihre Ausführungen.
Angel legte ihr die Hände auf die Schulter und zog Cordelia an sich. Doch das hätte er lie-ber bleiben lassen sollen. Denn kaum, dass sie in seinen Armen lag, brach sie in Tränen aus.
"Shhhh... meine Kleine." Er strich ihr vorsichtig über das Haar und einmal mehr begriff er, wie nahe sie sich doch standen.
"Ich vermisse ihn so....", schluchzte sie in sein Hemd.
"Ich weiß, mir geht es nicht anders, aber er hat sich damals aufgelöst, ist vor unseren Augen zerfallen. Er wird nicht wieder zurück kommen, so sehr wir uns das auch wün-schen." Seine Stimme klang traurig, aber sie mussten der Wahrheit ins Gesicht sehen.

~

Wesley stand in der Tür. Er fühlte sich zurückversetzt nach Sunnydale, wo er immer Au-ßenseiter gewesen war. Hier fühlte er sich wieder entsprechend, ausgeschlossen, einsam. Ihm war klar, dass Angel und Cordelia sich durch ihren alten Freund Doyle verbunden fühl-ten, einander näher standen als zu ihm, doch es tat weh... unglaublich weh...

~

Cordelia atmete tief durch und fuhr sich über die Augen, um die feuchten Spuren ihrer Tränen zu verwischen. Angel kramte ein Taschentuch aus einer seiner Taschen und be-gann die zerlaufenden Make-up Reste wegzuwischen. Vor jedem anderen wäre es Cordelia peinlich gewesen, doch nicht vor Angel. Er war der einzige, der sie kannte, wie sie wirklich war. Ohne Maske und aufgesetztem Gehabe.
Vielleicht wäre Wesley noch jemand gewesen, dem sie ihr wahres Ich anvertraut hätte, doch im Moment kannte sie nur einen Vertrauten und das war der Vampir mit Seele, der gerade in geradezu rührender Weise versuchte, sie zu trösten.
"Ok, ich bin wieder in Ordnung!", lächelte sie matt und schob seine Hand mit dem Tuch zur Seite.
"Gut, aber ich lass dich nicht gerne so verweint stehen!" Angel sah sich um und winkte Wesley zu sich, "kümmere du dich mal ein wenig um sie und versuche sie aufzuheitern!"
Wesley nickte und Angel verschwand in die Küche.
"Geht es dir wieder etwas besser? Wollen wir sonst in einen Film gehen oder zum Essen?" Wesley versuchte Cordelia anzusehen, aber sie drehte ihr Gesicht von ihm weg.
"Schon wieder Kino? Ich weiß nicht so recht, das ist im Moment alles ein bißchen viel für mich! Immer die Hoffnung zu haben, Doyle vielleicht doch lebend zu finden, um dann doch immer wieder enttäuscht zu werden, wenn dem nicht so ist!" Cordelia hatte den letzten Part mehr zu sich, als zu Wesley gesagt, aber er hatte sie auch so verstanden.
"Soll ich dich dann vielleicht nach Hause begleiten, damit du dich ein wenig ausruhen kannst? Das ist kein Problem, wir werden den Laden einfach für heute schließen."
Cordelia sah Wesley erstaunt an. Sie konnte gar nicht glauben, dass dieser Vorschlag von ihm gekommen war. Er, der immer so bestrebt war, alles genau nach Vorschrift zu tun. Aber sie nahm seinen Vorschlag dankend an.

~

Gemeinsam machten Sie sich auf den Weg zu ihrer Wohnung. Wesley hatte wahrscheinlich Recht. Wenn sie erst einmal zu Hause war und sich etwas frisch gemacht hatte, würde die ganze Sache etwas besser aussehen.
"Es ist wirklich sehr lieb von dir, dass du mich begleitest. Du hast doch bestimmt besseres zu tun, als dich um eine hysterische Kollegin zu kümmern."
"Tja, da könntest du Recht haben, aber da ich mich um eine Freundin kümmere, steht alles andere im Hintergrund", Wesley sprach seine Worte sehr direkt aus und wunderte sich über sich selbst.
Cordelia war zum zweiten Mal erstaunt. Mit soviel Ehrlichkeit hätte sie nicht gerechnet. Und vor allen Dingen nicht mit solch einer Antwort.
"Wes, wenn ich dich in letzter Zeit schlecht behandelt habe...", irgendwie hatte sie das Gefühl, ihm eine Antwort schuldig zu sein.
"Schon okay, ich verstehe, dass dich mit Angel eine tiefe Freundschaft verbindet. Ich will mich nicht zwischen euch drängen." Er lächelte, doch Cordelia sah die Traurigkeit und den Schmerz hinter seinen Augen.
Ihre Hand legte sich in seine: "Wesley, du bedeutest uns sehr viel, auch wenn wir dir das nicht ständig sagen!"
Jetzt war es an Wesley, erstaunt aufzusehen. Einen solchen Satz hätte er nicht aus Corde-lias Mund erwartet.
"Meinst du das ernst?" Er sah sie groß an.
"Nein," Cordelia spürte, wie ein stechender Schmerz in ihrem Kopf begann und eine Vision ankündigte, "nein, nein, nein!"
"Wie? Du hast es nicht ehrlich..." Wes starrte sie an, dann schlug sie ihm auf die Finger und deutete verkrampft auf ihren Kopf und er begriff, "ooohhh, eine Vision!"
Die Schmerzen wurden immer stärker und Cordelia fing an zu schreien. "Nein, nicht... Ah, lass mich...."
Wesley war an den Seitenstreifen gefahren und lehnte sich nun zu Cordelia hinüber, um sie zu halten, als sie zum Schlag ausholte.
Ihre flache Hand traf ihn volle Breitseite im Gesicht und eines seiner Brillengläser zer-brach.
Dann beruhigte sich Cordelia langsam wieder und sackte im Beifahrersitz zusammen. Wesley begutachtete seine Brille erstaunt und wunderte sich über Cordelias Kraft.
"Verdammt", kam es aus ihrem Mund, während sie mit zusammen gekniffenen Augen versuchte, die Schmerzen zu kompensieren, die noch immer in ihrem Kopf tobten und zu den Folgeerscheinungen ihrer Visionen gehörten.
Wesley reichte ihr das Döschen Migräne-Tabletten aus dem Handschuhfach und sah sie fragend an: "Und? Sollen wir umkehren?"
"Ja, wir müssen so schnell wie möglich zu Angel. Es wird etwas sehr seltsames passieren!" Sie sah nachdenklich aus dem Fenster.
Wesley bezwang seine Ungeduld, Cordelia würde im Büro ausführlich darüber sprechen, auch wenn es in ihm vor Neugier brannte.
Zuviel war in den letzten Stunden passiert, was er nicht verstand. Konnte es möglich sein, dass dieser Doyle tatsächlich wieder auftauchte? Doch was geschah dann mit ihm, Wesley? War er dann überflüssig?
Er wusste, er musste warten bis er ins Büro kam, um Antworten zu bekommen, also trat er das Gaspedal durch.

~

Angel hatte in Büro Akten sortiert und katalogisiert, als Wesley und Cordelia zur Tür herein kamen.
"Was gibt es denn? Wolltest du Cordelia nicht nach Hause bringen?" Er drehte sich aus der Hocke um und stand dann auf.
"Cordelia hatte eine ihrer Visionen und deswegen sind wir umgekehrt!", antwortete Wesley und Cordelia ließ sich aufs Sofa fallen.
Angel legte den schweren Ordner beiseite und stand auf, um zu Cordelia hinüber zu ge-hen. Das Sofa gab leicht nach, als er sich neben ihr niederließ.
"Was für eine Vision?" Angel sah fragend zu Wesley, da er von Cordelia noch keine Ant-wort zu erwarten hatte.
"Ich weiß es nicht, aber scheinbar so schlimm, dass sie unbedingt zu dir wollte." Er ließ die Hände an seinen Seiten hinab hängen und sah ein wenig verzweifelt zu Cordi, die ihren Kopf noch immer hielt.
"Ich hatte eine Vision über Doyle und uns!" Mehr sagte sie nicht und machte eine sie drei umfassende Geste dazu. "Es wirkte so real, so... Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll!"
Angel legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich. Cordelia ließ es geschehen und er spürte ihr Zittern.
Was um alles in der Welt hatte sie gesehen, das sie so aus der Fassung hatte bringen können? Angel runzelte die Stirn.
"Versuche dich zu fassen, und erzähle dann ausführlich was du gesehen hast! Es kann dir nichts passieren, Wesley und ich sind ja bei dir!" Er sah wie Wesley nickte und Cordelia seufzte noch ein mal tief und setzte zum Sprechen an, als es an der Tür klopfte.
Wesley und Angel sahen gleichzeitig auf. Wer konnte das jetzt sein? Eine Störung konnten sie nun wirklich nicht gebrauchen!
Wesley zuckte mit den Schultern und Angel grübelte darüber nach, wie sie reagieren soll-ten, als sich die Tür öffnete und Cordelia aufschrie.
"Doyle!", kam es ungläubig aus Angels Mund.
Und Cordelia japste verzweifelt nach Luft. Ihre Augen waren aufgerissen: "Nicht, das ist nicht der Richtige!"
Doch ihre Worte wurden zu Schall und Rauch. Angel und Wesley registrierten sie, doch ein Handeln war nicht mehr möglich.
Ein letzter Schrei von Cordelia und die Schwärze der Bewußtlosigkeit überrollte sie alle...

~

Sie erwachten in einer Art Höhle, Angel war nicht bei Ihnen. Das war das erste, was Cordelia auffiel.
"Geht es Dir gut?" Wesley sah sie forschend an.
"Ja mir geht es den Umständen entsprechend gut!", erwiderte sie und zuckte zurück, als sie Wesleys schreckliche Wunde an der Stirn sah.
"Mein Gott, wie schrecklich." Sie rückte an ihn heran. "Tut das sehr weh?"
Ihre Finger tasteten über die Wunde und Wes zuckte zurück: "Au... wenn du rumdrückst, ja!"
"Tschuldige!", murmelte sie und riß sich ein Stück von ihrem Rocksaum ab, um es zum Reinigen der Wunde zu benutzen.
"Spuck drauf!", forderte sie Wes auf, doch der sah sie nur verständnislos an.
"Ich kann auch drauf spucken, aber ich denke, dass würdest du sicherlich eklig finden, oder?" Sie sah ihn ungeduldig an.
Wesley spuckte auf das Tuch, nachdem er begriffen hatte, was Cordelia wollte.
"Ist die Wunde sehr groß? Aua, du tust mir weh!" Er zuckte zusammen.
"Sei ruhig! So schlimm ist es gar nicht!" Sie betrachtete ihr Werk und war zufrieden. Nach der Reinigung sah die Wunde nur noch halb so schlimm aus.
"Wo sind wir hier?" Wesley richtete sich auf und sah sich in der kleinen Höhle um.
"Ich weiß es nicht, als ich zu mir kam, da waren wir bereits hier." Cordelia warf den Stoffstreifen weg und ließ sich wieder auf dem Boden nieder.
"Das im Büro, das war doch nicht Doyle, oder?" Wesley hockte sich neben sie.
"Er sah zwar so aus, aber er war es nicht", ihre Stimme klang traurig.
"Woher wußtest du das?"
Cordelia sah Wesley an. "Ich hatte es in meiner Vision erkannt."
Wesley zog sie an sich, um sie zu trösten und meinte dann zu ihr: "Es wird alles wieder gut. Du wirst sehen! Und nun laß uns mal sehen wo wir hier sind."
Er drückte sie noch einmal kurz und stand dann vorsichtig auf, um sich an der niedrigen Decke nicht den Kopf zu stoßen.
"Bist du schon länger wieder bei Bewußtsein als ich?" Wesley tastete mit seinen Händen die feuchten Wände ab.
"Unerheblich länger. Vielleicht fünf oder zehn Minuten", erwiderte sie und nahm sich die andere Wand vor, "warum fragst du?"
"Es war dann doch sicherlich sehr ruhig. Hast du irgendwelche Geräusche gehört, irgend-was, was uns darauf schließen lassen könnte, wo wir hier sind", sein Blick ging schräg nach hinten zu Cordelia.
"Nein, keine außergewöhnlichen, nur ein Summen. Das kam von da vorn!", und zeigte mit dem Finger auf die Gegenüber liegende Wand, vor der Wesley stand.
"Ein Summen? Ein elektrisches Summen?" Wesley stand nachdenklich vor dem Abschnitt, den Cordelia im angezeigt hatte.
"Ja, ja, das könnte es gewesen sein!" Sie kam zu ihm herüber und sah die Wand an. "Und was denkst du, könnte es sein?"
"Vielleicht ein Schließmechanismus? Ein Trafo hinter der Wand? Irgendwas ist da jeden-falls. Und irgendwie müssen wir ja auch hier rein gekommen sein!" Wesley kratzte sich am Kopf.
"Dann lass uns mal die Wand abhören, vielleicht finden wir ja auch den Schließmechanis-mus!" Cordelia ging aufgeregt zur Wand hinüber und wollte gerade anfangen, als dieses Summen wieder einsetzte.
Wesley packte sie am Arm und zog sie wieder zurück.
"Warum?", ihre Stimme klang erstaunt.
"Das ist kein elektrisches Summen. Das klingt vielmehr nach... " Er sprach nicht zu Ende, sondern zog Cordelia mit sich Schutzsuchend zu Boden, als ein Schwarm Hornissen aus einer Öffnung in der Decke über ihre Köpfe hinweg schwirrte und durch eine andere Öff-nung wieder verschwand.
Cordelia sah entsetzt nach oben und dann zu ihrem Freund: "Hornissen!"
"Ja, und wo die hergekommen sind, da müssen wir hin, wenn wir hier raus wollen!" Er sah nachdenklich an die Decke.
"Oder wir folgen dem Schwarm, der gerade seinen Weg nach draußen, oder wo auch im-mer hin, nimmt", gab Cordelia von sich.
"Na gut dann nehmen wir deinen Vorschlag zuerst!" Wesley zog sie mit sich und lief in die Richtung, die die Hornissen genommen hatten.
Über eine Räuberleiter gelangte Cordelia an einen kleinen Vorsprung und half anschließend Wesley hinauf.
"Und du meinst, wir kommen da durch?" Cordelia sah Wesley skeptisch an.
"Na ja", seine Finger gingen tastend über die Wand, "ich kann hier keinen anderen Weg finden, also bleibt das unsere einzige Möglichkeit. Der andere Tunnel scheint noch schma-ler und ist zudem noch höher, so dass wir vermutlich gar nicht heran kommen. Versuchen wir's einfach!"
"Auf Deine Verantwortung", seufzte sie und ließ sich von Wesley in den Tunnel schieben, der ihr gerade noch genug Platz zum Atmen und Vorwärtsrobben ließ.
Wesley folgte ihr dicht auf. Sie konnte seinen schweren Atem an ihren Füßen spüren.

~

Angel erwachte in einem Büro, zumindest wirkte es im ersten Moment so. Es stellte sich bei genauerer Betrachtung als luxuriöse Gefängniszelle heraus. 'Verdammt wo bin ich hier?', waren die ersten Gedanken, die Angel sich machte. 'Und wo sind Cordi und Wes?', war das nächste. Er wusste es nicht. Er wusste ebenfalls nicht, dass er seit Stunden hier gelegen hatte.
Vorsichtig betastete er seine Wunde an der Stirn, die sich bereits wieder zu schließen be-gonnen hatte und sah sich im Raum um. Er hatte keine Ahnung, wie er in diesen Raum gekommen war. Schwach erinnerte er sich an einen dumpfen Aufprall, doch danach war alles wieder in Schwärze getaucht.
Als Doyle, oder wer auch immer, das Büro von Angel Investigations betreten hatte, da war es ihm wie ein Wunder vorgekommen und Cordelias Ausruf, er sei nicht der richtige, hatte ihn viel zu spät erreicht.
Aber wer war er gewesen? Wie hatten sie es geschafft Doyle zu klonen. Würden sie es auch mit ihm und den Anderen versuchen? Er wanderte ruhelos in der Zelle auf und ab.
Oder war dieser Doyle kein Klon? War er vielleicht ein Wandler, ein Wesen, ein Dämon, das die Form eines anderen annehmen konnte? Oder doch nur ein Mensch, ein tückischer Handlanger von Wolfram & Hart, der sich als Doyle verkleidet hatte?

~

Cordelia spürte die Enge, spürte, wie ihre Luft immer knapper zu werden schien. Ver-dammt, wieso hatte sie sich auch darauf eingelassen, durch diesen Schacht zu kriechen. Die Panik und Platzangst in ihrem Inneren nahm immer stetiger zu. Was, wenn die Wes-pen wieder kommen würden? Was dann?
"Cordelia, geh weiter!", zischte Wes angestrengt hinter ihr, doch sie konnte nicht. Die Angst schien sie zu lähmen. Wesley schubste Cordelia jetzt von hinten an und versuchte sie zu ermuntern, als er endlich begriff, daß sie eine Panikattacke hatte.
"Cordelia hör mir zu, versuch dich auf meine Stimme zu konzentrieren. Wir kommen hier schon raus."
Er versuchte es mit einer hypnotischen Tonlage und es schien auf Cordelia zu wirken. Als jedoch wenige Augenblicke später ein dumpfes Brummen erklang, merkte er Druck von oben. Cordelia drängte zurück.
"Cordi, bitte, was..."
"Sie kommen, Wes raus, raus, raus! Die Wespen kommen zurück!", ihre Stimme war ein panisches Quieken und Wesley mußte sich wirklich bemühen, nicht aus dem Schacht her-aus gedrückt zu werden.
"Geh weiter, verdammt! Die Viecher sind bestimmt woanders! Es ist unsere einzige Chan-ce! Also geh!", schrie er nach vorne. Aber Cordelia war zu panisch.
Die Wespen kamen immer näher und Cordelia schlug in ihrer Angst nach den Tieren, was sie zum Stechen anheizte. Wenn sie Pech hatten, würden sie nicht lebend die Höhle verlas-sen.
"Cordelia!", Wesley schob sie an, "hör auf zu schlagen und geh weiter! Die kommen an uns vorbei. Je schneller du weiter kriechst, desto schneller sind wir hier raus!"
Irgendwo in ihrer Panik begriff sie die Situation. Irgendwo in ihr drin, da gewann ihr Über-lebenstrieb. Cordelia gab sich Mühe, die Wespen zu ignorieren und krabbelte weiter. Sie hatte Schmerzen, sie spürte taube Stellen an ihrem Körper, dort wo sie gestochen worden war. Insgeheim wusste sie, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde. Ihre Überemp-findlichkeit gegen Insektenstiche, etwas von dem Wes nichts wusste, würde sie lähmen, würde ihr das Leben aus den Adern saugen, so als ob ein Vampir... Cordelia schüttelte den Kopf und tat ihr möglichstes, um den Gang zu durchqueren, ehe sie den Stichen erliegen würde.
Wesley merkte zunächst nicht was mit Cordelia los war. Er schob sie immer weiter, als sie langsamer wurde. Sie waren fast schon draußen, als Cordelia endgültig zusammen brach und Wesley endlich merkte was los war.
"Cordelia, was hast du?", seine Stimme klang nervös. Die Enge und ihr Zustand trieben jetzt auch in ihm die Panik hoch.
"Cordi, hey, Cordi, hörst du mich?", seine Frage verhallte im Gang.
Wesley konnte Licht sehen. Er stemmte Cordelia weiter, immer weiter voran und hoffte, sie nicht zu sehr zu verletzen. Wenn es eine Chance gab, hier leben raus zu kommen, sich um Cordelia zu kümmern, dann nur die, diesen Tunnel zu verlassen. Also schob er, schob so doll er konnte und sah das Licht immer näher kommen.
Mit letzter Kraft schob er sich und Cordelia aus dem Loch heraus. Am Rand blieb er er-schöpft liegen und zog die frische Luft in seine Lungen.
Er hatte ja nicht geahnt wie schwierig und anstrengend es werden würde. Mit letzter Kraft kletterte er an Cordelia vorbei, zog sie von der anderen Seite in den offenen Raum, der sich ihm eröffnete und begutachtete ihr zerstochenes Gesicht.
"Cordi?", mit einem Klaps rechts und links auf ihre Wange, versuchte er sie zu Bewußtsein zu bekommen, doch er blieb erfolglos.
Die Stiche hatten ihr Gesicht zu einer verquollenen Masse werden lassen, ihre Schönheit war verblaßt und nur noch das Antlitz des Todes breitete seine bitterböse Maske über ihr aus.
Wesley spürte einen Anflug von Panik in sich aufkommen. Wenn Cordelia starb, so war er gewiß Schuld an ihrem Tod, so hatte er sie trotz ihrer Angst doch weiter getrieben.
Er versuchte seiner Verzweiflung Herr zu werden, als ein Stöhnen ihn wieder hoffen ließ. Sie lebte noch, nur wie lange? Er blickte sich, um sich abzulenken, in der Höhle um. Sie hatte so hell gewirkt, weil sie unmittelbar an einem Eingang aus dem Boden gekommen waren.
Seine Chance - er korrigierte sich - Cordelias Chance!
Er hockte sich neben sie, hob sie auf seine Arme und stellte erleichtert fest, daß seine Kollegin nicht all zu viel wog.
"Danke, Cordi, dass du deinen Diätplan fleißig einhältst", scherzte er schwer atmend und trug sie aus der Höhle. Im ersten Moment blendete ihn das Licht der untergehenden Sonne so sehr, dass er mit seinem Schritt verharren mußte. Als seine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, setzte er vorsichtig, mit seiner zarten Last auf den Armen, seinen Weg fort.

~

Angel wurde unruhig. Seit mehr als einer Stunde - oder waren es schon zwei? - tigerte er in diesem Raum auf und ab. Das Licht der Deckenleuchte hatte mehrmals geflackert und er nahm an, dass es an einem alten Trafo lag, der wohl bald seinen Geist aufgeben wür-de. Dies wiederum ließ ihn darauf schließen, dass er sich entweder in einem alten Gebäu-de oder in einem alten Stollen befand.
Er kannte nun jeden Winkel in diesen Raum und wurde unruhig, niemand war bisher ge-kommen, um ihn zu holen oder zu befragen. Und auch das machte ihn stutzig. Was woll-ten sie - oder wer auch immer sich dahinter verbarg - von ihnen. Warum hatte sich je-mand für Doyle ausgegeben und verdammt, wo waren Wesley und Cordelia?
Er wünschte sich, er könne Gunn erreichen, doch der trieb sich irgendwo in der Weltge-schichte herum, um Freunde zu besuchen.
Mit einem kräftigen Tritt brachte er die Tür zum Vibrieren, doch nachgeben tat sie trotz seiner Kraft noch lange nicht. Er zog sich etwas zurück, um neue Kraft zu tanken und ei-nen neuen Anlauf auf die Tür zu wagen. Es sollte ihm erst nach dem vierten Versuch ge-lingen, die Tür zu öffnen.
Doch alle Hoffnung, die er in seine Aktion gelegt hatte, war von dannen, als er erkannte, dass die Tür nur in einen kleinen weiteren Raum führte, der keine Tür enthielt.
Verdammt, wo war er nur, wie war er in diesen Raum gelangt? Es musste doch einen Ausweg geben!
Angel ließ sich mit dem Rücken zur Wand in eine sitzende Position hinunter gleiten.
Hinter ihm, im anderen Raum glitt ein Teil der Wand zurück und das Double von Doyle stand im Raum. "Ach, den anderen Raum haben sie gefunden. Zu dumm, dass wir sie nicht besser verpackt haben. Die Fesseln können ja nicht lange gehalten haben."
Angel schreckte obgleich der fremden und doch so vertrauten Stimme auf und brachte sich wieder in eine stehende Position.
"Guten Morgen, Angelus!"
Angel schüttelte den Kopf und blickte das Doyledouble an: "Ich denke, Sie verwechseln da etwas, ich bin nicht Angelus."
"Oh, ich verwechsle gar nichts", erklärte sein Gegenüber und lächelte verhalten, "Sie ha-ben bereits vor geraumer Zeit ein Serum injiziert bekommen, welches sie äußerlich zu Angelus werden läßt."
Angel kniff die Augen zusammen: "Und weshalb tun Sie das?"
"Oh, das ist ganz einfach, Sie werden Angelus sein, Angelus muss vernichtet werden und wir sind Sie los", die Erklärung des Doyledoubles war simpel.
"Sie vergessen da nur eines", erklärte Angel, "meine Freunde werden die Wahrheit erken-nen und..."
"Dieser unfähige Wächter und das raus geputzte Püppchen? Wir haben die beiden so gut untergebracht, dass sie uns nicht gefährlich werden können. Nein, besser noch, sie dienen der Sache. Die beiden sind verschwunden", er unterbrach Angel, "und wir können behaup-ten, dass Sie deren Mörder sind. Meinen Sie wirklich, wir hätten unseren Plan nicht durch-dacht?"
Angel sah ihn entsetzt an: "Wer zum Teufel sind Sie?"
"Mh...", der andere legte den Kopf schief und lächelte bösartig, "da liegen Sie gar nicht so falsch."
Als das Doyledouble wieder den Raum verließ, starrte Angel ihm regungslos hinterher. Was hatte er mit dieser Aussage gemeint? Dass er selbst vom Teufel käme? Angel starrte auf seine Hände und sah das fast unmerkliche Zittern. Was immer diese Bastarde ihm gegeben hatten, es schien seine Wirkung zu entfalten. Aber er würde gegen seinen Miß-brauch kämpfen und wenn es das Letzte wäre das er tun könnte.

~

Sie kamen, den Umständen entsprechend, gut voran. Wesley legte öfter eine Pause ein, um Luft zu tanken. Cordelia währenddessen war noch immer bewußtlos und langsam be-gann sich Wesley mächtig Sorgen zu machen.
Es war ja nicht so, dass sie langsam waren, aber die Zivilisation schien unendlich weit ent-fernt zu sein und der Zustand von Cordelia veränderte sich kein Stück.
Instinktiv hatte er gehofft, dass sie wieder zu Bewußtsein kommen würde, doch mit der Zeit war ihm klar, so wenig er auch das Herumgezicke von ihr vermisste, jetzt wäre er dankbar, es zu ertragen. Just in diesem Moment regte sich Cordelia leise und stöhnte. "Cordelia", japste Wesley erleichtert auf.
Er setzte sie vorsichtig auf der Erde ab und hielt sie in seinen Armen. Ihr Gesicht war noch immer geschwollen und so konnte sie die Augen nicht richtig öffnen. Aber sie war tapfer, lächelte Wesley an und versuchte etwas zu sagen.
Wesley, der sie nicht verstehen konnte, gab nach einem kurzen Augenblick auf und strich ihr sanft über das Haar: "Bleib ruhig, Cordi, das strengt dich nur an. Ich werde dich jetzt wieder hochheben und dann werden wir weiter marschieren. Sieh einfach nur zu, dass du durchhältst. Ich habe nämlich keine Ahnung wo wir sind. Es scheint nur so, als ob wir weit von der nächsten Ortschaft weg sind."
Sie nickte matt und ergab sich ihrem Schicksal. Wesley tat so viel für sie und auf einmal war er mehr als nur ein Kollege oder Freund - er war ihre einzige Chance.

~

In der Zelle war mittlerweile ganz stickige Luft.. Zumindest hatte er das Gefühl. Angel tas-tete vorsichtig sein Gesicht ab, und bemerkte mit Entsetzen, dass er immer mehr zu An-gelus wurde. Mit wütendem Gebrüll und allerletzter Kraft, warf er sich gegen die Wände, schleuderte die Einrichtungsgegenstände des Raumes Querfeld ein und schrie seinen Frust heraus. Schließlich sank er erschöpft und mit den Nerven am Ende zu Boden. Hilflosigkeit breitete sich in ihm aus. Ein Gefühl, was er am allermeisten hasste. Er wollte nicht hilflos am Boden kauern und warten, dass er wieder zu einer Bestie wurde.
Sein Gesicht verformte sich jedoch immer mehr. Gab immer weiter die dunkle Seite sei-ner Seele dar.
"Warum? Warum nur?", schrie er in die Leere des Raumes und schlug mit dem Kopf ge-gen die Wand. Die Erlösung war in greifbare Nähe geraten, die Erlösung, endlich ein Mensch zu sein, schien endlich einmal näher gerückt zu sein, das hier würde alles wieder zu Nichte machen. Er sackte immer weiter in sich zusammen, bis er fast nur noch eine Kugel am Boden war. So registrierte er auch nicht, wie sich ein feiner Nebel im Raum zu einer Gestalt verdichtete. Eine engelsgleiche, helle Gestalt aus Licht und Rauch formierte sich vor ihm, schwebte in der Luft, lautlos, wie eine Fatahmorgana.
"Angel?", ein zartes sanftes Stimmchen erklang, einer Melodie gleich.
Angesprochener hob langsam seinen Kopf, ungläubig, eine Stimme zu vernehmen und sah auf. Seine Augen waren voller Verzweiflung und Aufgabe: "Wahnvorstellungen... Wahn-vorstellungen..."
Seine Stimme zitterte, erklang, dem Wahnsinn nahe, doch die Gestalt ließ sich nicht beir-ren.
"Angel? Reiche mir deine Hand!", zartgliedrige Finger mit elfenbeinfarbiger Haut überzogen streckten sich ihm entgegen. Nur zögerlich griff er nach der Hand des Wesens und bei der ersten Berührung durchströmte ihm ein warmes Gefühl. Es war, als ob er eine Grenze überschreite, als ob er nach Hause käme, nach all zu langer Zeit.
"Wer bist du?" Er sah auf zu dem elfenähnlichen Wesen, betrachtete die dünnen durch-scheinenden Flügel. Noch nie hatte er dergleichen gesehen.
"Wir beobachten dich schon lange, Liam."
Seit langem hörte er seinen Namen wieder. Wenngleich er ein Vampir war, so lief ihm in diesem Augenblick doch ein Schauer den Rücken hinab. Wie lange mochten sie - wer auch immer das waren - ihn beobachten, wenn sie seinen richtigen, alten Namen kannten.
"Gehörst du zu den Mächten der Ewigkeit?", seine Stimme zitterte unbewußt.
Ein leises glockenklares Lachen erklang und verstummte sogleich wieder. Dann sah ihn das Wesen forschend an. Erkannte er es wirklich nicht?
"Du weißt was ich bin, wer ich bin... Liam, du kannst mich nicht vergessen haben", mitt-lerweile klang das zarte Stimmchen nicht mehr so überzeugt.
Vielleicht lag auch ein wenig Trauer darin, Angel konnte es nicht so richtig deuten. "Nein...ich weiß es nicht! Wer bist du?" Angel sah das Wesen prüfend an.
"Erinnerst du dich nicht mehr an den Tag, als du gestorben bist? Erinnerst du dich nicht mehr an den Moment, als ich vor dir stand und deine Seele mitnahm, den Moment, in dem ich dir versprach immer auf sie zu achten?" Langsam aber sicher begann Angel sich zu erinnern. Er sah die Konturen des Wesens genauer an und langsam fiel ihm die Ähnlichkeit auf! "Oh mein Gott, das kann nicht sein!! Ich dachte immer ich hätte damals nur ge-träumt, ich dachte es käme von dem Blutverlust, ich hätte nie geglaubt, dass du real bist!"
"Doch ich bin real! Du musst eine Aufgabe erfüllen Liam und wir glauben, dass nur du da-zu in der Lage bist! Lass dich von dem falschen Doyle nicht zu sehr einschüchtern." "Wer ist er in Wirklichkeit?"
"Er ist einer der Engel, die Luzifer aus dem Himmel gefolgt sind. Er ist so etwas wie seine rechte Hand. Aber nun müssen wir gehen!"
Angel riss sich von der Gestalt los. "Nein, ich kann nicht gehen, sieh mich doch an, ich werde wieder zu Angelus! Das will ich nicht, ich will nie wieder den Menschen so schaden, und jetzt...", Angel war den Tränen nahe, "...jetzt hab ich niemand mehr, der mir hilft, jetzt wo.....Cordy und Wes..." Angels Stimme brach.
Sie zog ihn näher zu sich und strich sanft über seinen Kopf. "Es ist alles gut Angel, in mei-ner Gegenwart wirst du nicht zu Angelus, denn in meiner Aura wirkt nur das Gute. Und was deine Freunde betrifft, man hatte zwar geplant, sie in einer Höhle verenden zu las-sen, aber sie haben es geschafft sich zu befreien. Und nun komm, bevor er mich be-merkt. Wir müssen deine Freunde warnen, bevor es zu spät ist!"
Schon hatte Angel das Gefühl zu schweben, und als das helle Licht vor seinen Augen ver-schwand, bemerkte er, dass er wieder im Hyperion war.
"Wo sind Cordy und Wes? Hier?"
"Keine Sorge man wird sie bald her bringen", lautete die Antwort

~

Cordelia und Wes hatten in der Zwischenzeit schon eine schöne Strecke hinter sich ge-bracht. Wesley ließ Cordelia vorsichtig zu Boden und setzte sich dann. Cordelia hatte sich zwar schon zum größten Teil von dem Wespengift erholt, aber sie war dennoch zu schwach um eine längere Strecke selbst zu gehen. Plötzlich umgab sie ein helles Licht. "Was zum Teufel ist das?", fragt Cordy noch bevor sie das Gefühl hatte zu schweben, einfach in der Luft zu hängen! Langsam schwand das Licht und Cordy und Wes kehrten auf den Boden der Tatsachen zurück. Erstaunt sah Cordy sich um, doch im nächsten Mo-ment erstarrte sie zur Salzsäule. Wes hingegen sprang, nachdem er festgestellt hatte, dass sie wieder im Hyperion waren, freudig auf und lief auf Angel zu, den er mit einer fremden Frau im hinteren Teil der Empfangshalle ausgemacht hatte. Auch Angel schien freudig überrascht und lief ihm schnell entgegen. Auf halben Weg trafen die beiden aufei-nander und nahmen sich kurz in den Arm.
Danach war ihnen diese Aktion sichtbar peinlich, denn sie trennten sich ruckartig und sa-hen beschämt zu Boden. "Schön dich lebend wieder zu sehen, Wes!"
"Das finde ich auch! Du wirst nie erraten was uns..." Doch Angel hatte Wes einfach stehen lassen, als er die vor Angst zitternde Cordy am Boden liegen sah. Langsam ging er auf sie zu und gerade als er seine Hand nach ihr ausstecken wollte, stieß Cordelia einen marker-schütternden Schrie aus und wich vor Angel zurück.
"Cordy was hast du denn? Ich bin es Angel!"
"Sie hat es gesehen!"
"Was meinst du? Was soll das bedeuten?" Angel wandte sich zu seiner Retterin herum.
"Sie hat ihn gesehen, und das was er aus dir machen wollte!"
"Wollte?!", erklang Cordys immer noch vor Angst zitternde Stimme, "soll das heißen, du bist noch du?"
Angel nickte nur sanft. Ehe er sich versah, lag Cordelia in seinen Armen.
Als sie ihn wieder los ließ, sah sie ihm in die Augen und da war sie, diese Trauer und Angst. "Was ist los?"
Doch Angel wandte nur seinen Blick ab.
"Angel Bitte erzähl mir was passiert ist!"
Angel sah das göttliche Wesen an und diese verstand. "Kommen sie Wesley, lassen wir die beiden allein!"
"Woher kennen sie...?" Doch sie ließ ihn nicht ausreden und zog ihn in eines der Neben-zimmer.
"Jetzt sag schon was los ist!" Cordelia Stimme klang besorgt. Sie hasste es, in Angels Ge-sicht Angst zu sehen. Denn wenn er Angst hatte, dann musste etwas ganz schlimmes pas-siert sein.
Zuerst druckste Angel ein wenig herum, doch dann sprudelte es aus ihm heraus. Er er-zählte ihr von dem Tag seines Todes und von dem göttlichen Wesen, das er gesehen hat-te, von dem falschen Doyle und was er mit ihm machen wollte und dass dieses göttliche Wesen ihn gerettet hatte.
Aber, dass der Zauber bereits wirkte und er nur dank ihr noch er selbst war, verschwieg er.
Doch Cordy merkte sofort, dass er ihr etwas verheimlichte.
"Angel?", fragte sie ihn darauf nur noch und sah ihn sanft an. Als Angel ihren Blick sah wurde ihm klar, dass er ihr alles sagen konnte, ohne dass sie ihn verurteilen würde.
"Das mit dem Serum hat geklappt!" Für einen kurzen Moment sah er die Furcht in ihren Augen aufblitzen aber dann verschwand sie und machte großer Verwunderung Platz. "Aber du bist doch noch Angel!"
"Das liegt an meinem Schutzengel. Solange sie in meiner Nähe ist, findet die Verwandlung nicht voll ständig statt!"
"Hast du eine Ahnung wie wir den Zauber rückgängig machen können?", versuchte Cordy ihn aufzumuntern. Doch Angels Blick wurde nur noch trauriger. Cordy wusste, bevor er wieder zu dem wurde, was er einst war, würde er eher sterben. Vorsichtig zog sie ihn zu sich und nahm ihn in den Arm. Angel war froh, er hatte das Gefühl als sei seine tonnen-schwere Last von seinen Schulten gefallen.

~

Zur gleichen Zeit in einem Nebenzimmer des Hyperion.
"Also woher kennen Sie meinen Namen?"
"Glaubst du an Engel, Wesley?"
"Engel, was soll der Scheiß?" Wesley stemmte die Hände in die Hüften.
"Beantworte bitte meine Frage!"
"Ja... ja, ich denke, ich glaube an Engel!", erwiderte er.
Plötzlich stand die junge Frau in einem weißen Lichtkegel im Raum.
"Oh mein Gott, dass kann nicht wahr sein!"
Sie hatte alle Mühe sich bei Wesleys erstauntem Gesicht ein Lachen zu verkneifen. "Wa-rum bist du hier? Und woher kennst du Angel?"
"Ich bin hier damit Angel seine Seele nicht verliert. Jeder Engel hat bestimmte Aufgaben, ich bin eine Seelenwächterin. Wie du bestimmt schon weißt, wird etwas Schreckliches pas-sieren. Angelus und damit Angel soll vernichtet werden!"
"Was ist daran so schlimm, wenn Angelus vernichtet wird?" Wesley sah die Gestalt fra-gend an.
"Angelus tut zwar immer so stark, aber er ist viel schwächer als Angel. Das liegt daran, dass Angelus alleine ist. Jeder Vampir ist sich selbst der nächste, vorallem Darla. Sie war Angelus einzige Stütze als Vampir!"
"Das heißt also, jetzt, ohne Darla, hat er seine mentale Stütze verloren und ist somit schwach?"
"Genau! Sein Vampirsein wird ihn ohne Darla umbringen! Deshalb wollte man dich und Cordelia auch aus dem Weg schaffen, man befürchtete ihr könntet den Plan durchkreu-zen!" Sie lächelte matt.
"Scheinbar haben die PTB auch etwas gegen den Plan!"
"Korrekt. Angel ist einer unserer besten Krieger an der Front. Ihn zu verlieren, generell einen von euch zu verlieren wäre eine Katastrophe!"
Wesley nickte verstehend. "Wie weit darf sich Angel eigentlich von dir entfernen, bis seine Seele verschwindet?"
"So weit er will. Solange ich mich in dieser Dimension aufhalte, behält er seine Seele!" "Gibt es eine Möglichkeit die Wirkung des Serums rückgängig zu machen?", fragte Wesley.
"Darüber ist mir zu Zeit nicht bekannt, aber normalerweise gibt es für einen solch starkes Serum auch immer ein Gegenstück, man muß es nur finden!"
"Na dann wollten wir mal!" Unbemerkt waren Cordy und Angel in den Raum getreten.
Erschrocken drehten der Engel und Wesley sich um.
"Mein Gott hab ihr mich erschreckt!"
"Tut uns Leid, Wes", antwortete Angel.
Es entstand eine Zeit des Schweigens. Bevor es jedoch peinlich wurde, fasste Cordy sich ein Herz. "Also ich würde sagen Wes und ich schaun mal in den Büchern nach, ob wir was finden und dein Engel sucht ein bisschen auf ihre Art, was auch immer die sei!"
"Da ich ja aus dieser Dimension nicht weg kann, kontaktiere ich mal meine Informanten hier in L.A.!", lächelte sie zu aller Erstaunen.
"Okay, dann los an die Arbeit", fasste sich Wes als erster wieder.
Die drei wollten schon aus dem Zimmer gehen, als Angels Räuspern sie innehalten ließ! "Und was mache ich?"
"Du gehst schön nach oben in dein Bett und ruhst dich aus", bestimmte Cordelia, bei der diese Worte recht merkwürdig klangen, wo sie selbst noch sehr angeschlagen war, auf-grund der Wespenstiche.
"Nein, Cordy, das werde ich nicht tun. Ich bleibe hier nicht ruhig sitzen, während jemand versucht euch zu töten und mich wieder in Angelus zu verwandeln!"
"Verdammt Angel, du hast selbst gesagt, dass die Verwandlung schon teilweise eingesetzt hat. Weißt du wie weit die Verwandlung fortgeschritten ist? Ich nicht, und mir ist das Risiko einfach zu groß!" Cordelia hatte etwas lauter und aggressiver gesprochen, als sie es vor-gehabt hatte. Als sie Angel nun in die Augen sah, erkannte sie eine Mischung aus Wut und Enttäuschung, aber vor allem erkannte sie wie sehr diese Worte Angel zusetzten. Ohne ein weiters Wort drängte er sich an Cordelia und den anderen vorbei und ging in sein Zimmer.
"War das wirklich nötig?" Wesley sah Cordelia kritisch an und auch der Engel war von dem Gespräch nicht sehr begeistert.
"Ja war es!", und damit war das Gespräch für Cordy beendet.

~

Sie suchten jetzt schon seit Stunden, niemand hatte etwas gefunden und Angel hatte sich in seinem Zimmer verkrochen, als plötzlich der Engel die Tür aufstieß: "Ich hab einen ganz heißen Tipp. Ich weiß, wo es einen Spezialisten gibt, der ein Gegenmittel des Serums her-stellen kann!"
"Na dann los!", sprang Cordelia auf.
"Sollten wir nicht Angel bescheid sagen?" Wes starrte Cordelia eindringlich an.
"Okay ich sag es ihm", seufzte sie.

~

Cordelia stand sicher schon Minuten vor Angels Zimmer. ‚Scheiß Tag‘, dachte sie noch be-vor sie anklopfte. Als von Angel keine Reaktion kam, öffnete Cordy die Tür und trat ein. Angel lag mit dem Bauch auf seinem Bett und starrte an die Wand. Nur kurz wand er sei-nen Kopf in Cordys Richtung. "Verschwinde!"
"Wir haben etwas..."
"Ich hab gesagt, du sollst verschwinden!", zischte er.
"Angel?!"
"Raus! Verdammt lass mich allein! Oder macht es dir Spaß, das größte Monster aller Zei-ten leiden zu sehen?" Beim letzten Satz konnte sie den Vampir nach Fassung ringen hören.
Cordelia ging langsam auf das Bett zu und setzt sich neben Angel. "Nein, es macht mir keinen Spaß. Ich mache mir Sorgen. Sorgen um dich und um all die Menschen da drau-ßen. Denn ich habe in meiner Vision schreckliche Dinge gesehen. Und das kann ich nicht ignorieren!"
"Und was jetzt?"
"Dein Engel hat einen ganz heißen Tipp. Scheinbar kann irgend so ein Spezialist ein Ge-genmittel herstellen!"
Langsam stand Angel auf. Nun stand er Cordy gegenüber und sah ihr in die Augen. "Ich habe Angst!"
Sie nickte nur kurz und legte ihre Hand an seine Wange. "Ich weiß."

~

Im Gebäude von W&H
"Sehr gut gemacht Luver, sie laufen uns direkt in die Falle! Der Engel, Angel und seine Crew auf einen Schlag, wenn das kein freudiger Tag ist, weiß ich auch nicht weiter!" Man-ners verließ sichtlich erfreut das Büro, während Luver sich Wortwörtlich in Luft auflöste. Nur Lindsay blieb zurück. Am Anfang hatte er das Ganze für eine gute Sache gehalten aber langsam kamen ihm Zweifel. Er hatte das Gefühl, dass Manners ihm nicht alles er-zählte. Es was an der Zeit, eine alte ,Freundin‘ zu besuchen. Er hatte ihr schließlich das Leben gerettet. Sie war ihm etwas schuldig! Er wollte ja nicht viel. Nur, dass sie ihm zu-hörte.

~

Lindsay fuhr mit seinem neuen Sportwagen durch die Stadt. Schon von Weitem sah er das Hotel.
"Bitte lass sie da sein!", betete er und parkte kurz vor dem Eingang.
Gerade als er durch die Tür treten wollte, schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf. Cordelia würde ihm vielleicht zuhören, doch Angel.....er würde ihn ohne wenn und aber zu Hackfleisch verarbeiten. Lindsay atmete tief durch und betrat das Hotel.....doch.....es schien leer.

~

Luver ging schon seit geraumer Zeit in dem Höllensystem unter L.A. auf und ab. Eigentlich hatte er seinen eigenen Plan gehabt. Doch dieses Cheergirl und der Brite hatten alles vermasselt und dann war auch noch diese Verräterin aus der oberen Etage aufgetaucht. Und jetzt hatte auch noch Manners die Führung übernommen, aber das würde er sich nicht bieten lassen.....Er nicht!

~

"Ist hier jemand?" Lindsay schritt durch die Halle und sah sich neugierig um. Zwar kannte er das Hyperion von den Überwachungskameras, aber die tatsächliche Schönheit der Räumlichkeiten hatte er bisher noch nicht betrachten können.
Als auf seine Frage keine Reaktion erfolgte, schritt er langsam zum Tresen und begutach-tete das Telefon, die Notizblöcke und die kleine Glocke.
Vorsichtig zog er den Notizblock zu sich heran und versuchte die handschriftlichen Kritze-leien zu entziffern.
Plötzlich erklangen Schritte in der obersten Etage. Lindsay schob den Block ertappt zur Seite und schritt wieder um den Tresen herum, um zur Balustrade sehen zu können. Cordelia bewegte sich in Richtung Treppe, hatte ihn jedoch noch nicht bemerkt.
Lindsay beobachtete sie und erst am Ende der Stufen angelangt, schien sie seine Gegen-wart zu registrieren.
"Was...", sie wollte herumwirbeln und die Treppe wieder hinaufstürmen, da hatte der jun-ge Anwalt schon geschaltet und war mit wenigen schnellen Schritten bei ihr, um sie fest-zuhalten. "Warte!"
Sie stoppte, betrachtete seine Hand, die ihren Arm fest umschloss und funkelte ihren Ge-genüber dann an.
"Warum sind Sie hier, Lindsay?"
Er ließ ihren Arm abrupt los und betrachtete ihre verdreckten Kleider und die Flecken in ihrem sonst so schönen Gesicht.
"Was ist geschehen?", erklang seine Stimme besorgt und seine Hand legte sich vorsichtig an ihre Wange. Zu seinem Erstaunen ließ sie es geschehen.
Reflexartig zuckte sie dann doch zurück und machte einen Schritt auf der Treppe nach oben. "Das geht Sie gar nichts an! Vermutlich stecken Sie sogar dahinter! Also, was wollen Sie hier! Sie sind bestimmt nicht hier, weil Sie sich Sorgen um mich machen!"
"Unter anderem", erwiderte er trocken und mit einer derartigen Ehrlichkeit, dass die jun-gen Frau sich erstaunt am Geländer festhalten musste. "Ich muss mit Ihnen reden, Corde-lia. Es ist wichtig. Wo können wir uns ungestört unterhalten?"
Sie sah sich demonstrativ in der Halle des Hyperion um. "Wie ungestört denn noch?"
Doch der Anwalt sah sie eindringlich an und so stieg die junge Frau neben ihm die Treppe hinunter und führte ihn in das leere Büro von Wesley.
"Okay." Sie drehte sich um und sah, wie Lindsay die Tür hinter sich schloss. Eigenartiger Weise hatte sie keine Angst, aber vielleicht war das auch nur die Neugier, die ihre Angst überdeckte. "Warum wollen Sie mich sprechen und was ist so wichtig, dass Sie sich hier-her trauen?"
Lindsay stellte sich hinter den Stuhl, der im Raum stand und betrachtete Cordelia, die mit vor der Brust verschränkten Armen am Schreibtisch lehnte.
"Angel Investigations ist in Gefahr."
"Was ganz neues", lamentierte sie und schüttelte den Kopf, "ist das alles? Das sind wir immer."
"Nein", er trat um den Stuhl herum und stellte sich vor sie. "Darum geht es nicht. Nicht die übliche Gefahr. Die obere Riege von Wolfram & Hart hat jemanden engagiert, der tat-sächlich die Fähigkeiten hat, Angel Investigations zu zerstören. Nicht Angel oder eines der Teammitglieder. Nein, alle! Und weiß Gott, gegen diesen Gegner hilft nichts. Nichts, was mir bekannt wäre."
"Das Wort 'Gott' aus Ihrem Mund!", zischte sie und sah ihn giftig an. "Welches Spiel trei-ben Sie wirklich, Lindsay? Sie wollen mir doch nicht sagen, dass dieser Besuch nur dazu dient, um Angel Investigations zu helfen? Sie sind doch nicht so selbstlos. Sie doch nicht."
Er trat noch einen Schritt vor und packte sie an den Schultern: "Manners hat einen gefal-lenen Engel, einen Diener des Teufels engagiert. Luver. Er hat die Gestalt von Francis Do-yle angenommen, er hat sie entführt und Angel dem Serum ausgesetzt. Er hat..."
"...uns in diese Höhle gesperrt...", langsam dämmerte es Cordelia. "Sie sind tatsächlich hier, um uns zu helfen?"
"Ja, verdammt. Und auch wenn ich mir jetzt Sympathiepunkte bei Ihnen verspiele, ich bin nicht aus Selbstlosigkeit hier. Dieser Luver... ich glaube Manners hat ihn nicht mehr unter Kontrolle. Ich glaube wirklich, diese Kreatur hat nicht nur vor, ihren Auftrag zu erfüllen, ich denke, Luver will Wolfram & Hart einnehmen...", erklärte er.
"Und letzteres sollte mich doch eigentlich nicht unglücklich stimmen, oder?", unterbrach ihn Cordelia.
Er sah sie mit zusammen gekniffenen Augen an: "...und dann wird er die Welt zerstören wollen."
"Oh..." Sie blinzelte und jegliche Wut war aus ihr gewichen. "Dann sollten Sie mit Angel sprechen, er ist..."
Lindsay hielt sie fest. "Glauben Sie wirklich, er würde sich mit mir unterhalten wollen? Sind wir doch mal realistisch."
"Und warum glauben Sie dann, dass Sie mir vertrauen können? Warum waren Sie sich so sicher, dass ich Ihnen zuhören würde?" Cordelia sah ihn fragend an.
"Ich habe es in Ihrem Blick gesehen. Oben auf dem Dach von Wolfram & Hart." Seine Stimme war mit einem Male leise und in gewisser Weise sanft.
Für einen sehr kurzen Moment schloss sie ihre Augen und atmete tief durch. Seine Finger-spitzen streiften ihren Haaransatz. Sie konnte spüren, wie er zögerte sie zu berühren und als sie die Augen wieder aufschlug so wirkte, als habe er nie einen Gedanken daran ver-schwendet.
"Sie sollten jetzt gehen." Ihre Stimme klang eigenartig und obwohl es keinen Grund dafür gab, fühlte sie sich plötzlich furchtbar.
"Versprechen Sie mir was, Cordelia?", er ließ sie los und zog sich einige Schritte zurück.
Irritiert sah sie ihn an. "Versprechen? Ich Ihnen?"
"Ja, versprechen Sie mir, dass Sie zu mir kommen, wenn Sie Hilfe brauchen und nicht weiter wissen. Werden Sie das tun?"
Überrascht von dieser Aussage, schien sie unfähig auch nur einen Ton hervorzubringen. Er hingegen kam auf sie zu, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und ging aus der Tür.
Cordelia fasste nach ihrer Wange und eilte ihm hinterher. In der Mitte der Vorhalle blieb sie stehen und sah, wie er die Tür nach draußen öffnete. "Versprochen?", erklang seine Stimme erneut und sie nickte nur benommen.

~

Wesley schimpfte über den vorbeirasenden Sportwagen und parkte sein altes Vehikel auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Hyperion. Mittlerweile hatte Wesley herausge-funden, dass seine Begleiterin, Laila hieß und ein Schutzengel war. Angel hatte verdamm-tes Glück, schoss es ihm immer wieder durch den Kopf. Ein hübscher Engel, der ihm auch noch das Leben rettete. Und was hatte er?
Zum Glück hatten sie gefunden, wonach sie gesucht hatten. Laila bewahrte das Gegenmit-tel in einer ihrer Taschen auf und hütete es wie einen Schatz. Er hatte nicht gefragt, ob sie mit dem Verlust von Angel auch ihre Position verlieren würde. Aber interessieren tat es ihn schon. Vielleicht hatte er ja Glück und sie bekam anschließend ihn als Schutzbefohle-nen zugewiesen.
"Deine Gedanken sind nicht sehr nett", erklärte sie neben ihm und stieg aus dem Wagen aus.
Wesley zuckte kurz zusammen und folgte ihr dann über die regennasse Straße zum Hype-rion hinüber. "Sag, kannst du etwa auch Gedanken lesen?"
"Nein, nicht wirklich. Aber deine Sehnsüchte und Wünsche bleiben nicht verborgen vor mir. Wesley, auch wenn mir dein Wunsch in gewisser Weise schmeichelt. Ein Verlust von Angel würde das Ende meiner Existenz bedeuten. Weicht seine Seele auf erzwungenem Wege, so weiche auch ich."
Er sah sie entsetzt an und öffnete ihr die Tür. "Das klingt gar nicht gut."
Sie zuckte nur mit den Schultern und betrat die Halle.
Wesley folgte ihr und blieb erstaunt stehen. Cordelia stand in der Mitte des Raumes und schien sie anzusehen, doch bei genauerer Betrachtung stellte er fest, dass sie ins Leere starrte.
"Cordy, alles okay mit dir?" Mit zwei großen Schritten war er bei ihr und berührte sie vor-sichtig an der Schulter.
"Wes." Sie zuckte zusammen und lächelte matt. "Habt ihr bekommen, was ihr wolltet?"
"Ja", Laila zog etwas aus ihrem weißen Umhang und hob es in die Höhe.
"Gut", Cordelia fuhr sich mit ihren Händen über ihre Oberarme und schien zu frösteln. "Dann solltest du Angel das Gegenmittel verabreichen. Ich… Wes, können wir reden?" Sie sah ihren Freund bittend an.
Laila legte Wes eine Hand auf den Arm und lächelte. "Ich werde mich um Angel küm-mern." Wes nickte dankbar, sah sich entlassen und ging zu Cordelia hinüber.
"Ist alles okay mit dir?"
"Nein, nichts ist okay… ich meine, ich bin okay, aber… Wes, das was uns angegriffen hat, es war ein gefallener Angel, der für Wolfram & Hart arbeitet… er will die Welt vernichten. Wir müssen etwas tun." Sie wusste, dass er Fragen stellen würde. Sie wusste, dass er ihr eventuell nicht glauben würde, aber sie musste es versuchen.
"Woher willst du das wissen? Cordelia, gibt es etwas, was ich wissen sollte?" Wes strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Nein, es…" einen Augenblick dachte sie daran Lindsay zu verraten, dann jedoch ent-schloss sie sich zum Gegenteil. Wenn er ihr vertraute, ihr sogar Hilfe anbot, dann würde sie das nicht schamlos ausnutzen. Sie würde schon einen Weg finden, dass Wes ihr glaub-te. "Vertraust du mir, Wesley?"
Überrascht über ihre Frage, machte er einen Schritt zurück. "Ja… ja, warum fragst du?"
"Dann hilf mir, dieses Wesen, Luver, zu vernichten. Er ist gefährlich… wirklich gefährlich." Sie sah ihn eindringlich an.
"Warum sagst du mir nicht, woher du angeblich diese Informationen hast?"
Cordelia sah ihn an und begriff, dass er ihr nicht helfen konnte. Wesley verstand nicht die Dringlichkeit der Situation. Vermutlich hätte er ihr zugehört und geholfen, wenn er ihre Informationsquelle gekannt hätte, doch ebenso gut, hätte es sein können, dass er dann glaubte, sie würden in eine Falle gelockt.
Cordelia verstand ihn. Oh ja, sehr gut sogar, aber ebenso hatte sie begriffen, dass Lind-say sie nicht angelogen hatte. Sie wusste es einfach.
So ließ sie Wesley stehen, öffnete Angels Waffenschrank und eilte bewaffnet mit einem Schwert, einer Armbrust und einem Dolch an ihm vorbei, hinaus in die Finsternis.
Seine Rufe hinter ihr echoten wie eine dumpfe Warnung durch die Nacht, doch sie hatte einen Entschluss gefasst. Luver musste vernichtet werden und wenn sie es allein tun musste, dann würde sie es tun.

~

Lindsay betrachtete mit Argwohn das Licht in der Etage, als sich die Fahrstuhltüren öffne-ten. Es war bereits mitten in der Nacht und dennoch schienen genügend Leute aktiv zu sein. Eigentlich konnte das nur heißen, dass Manners weiter an seinem irrwitzigen Plan mit Luver arbeitete.
Gott, er hasste es. Er hasste, dass er scheinbar immer wieder der einzige war, der sich traute, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Manners war ein fähiger, aber auch ein sehr enthusiastischer Vorgesetzter. Luver war ein Blender ohne Gleichen. Er hatte es geschafft, kurzweilig Gott zu blenden, wie sollte Manners ihm da widerstehen. Wie sollten sie alle ihm widerstehen? Aber Lindsay wusste, es war nur eine Frage der Einstellung. Er suchte den Verrat hinter jeder Ecke, hinter jeder Nische und deshalb konnte er es fast auf einhundert Metern Distanz riechen, wenn jemand ihn an der Nase herumführen wollte. Luver war ein schwieriger Fall, aber kein undurchschaubarer. Die dunkle Seite vergaß zu schnell, dass sie eigentlich alle das selbe Ziel hatten – die Weltherrschaft. Egal wie sie es anstellen woll-ten, das Ziel war das gleiche. Immer wieder.
Lindsay trat in sein Büro und fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch sein Haar. Hof-fentlich hatte Cordelia die richtige Entscheidung getroffen. Er konnte nur beten, das Angel Investigations etwas unternahm.
"Sie sollten sich genau überlegen, was Sie denken, Lindsay. Sie wissen doch, stichproben-haft werden wir durch Gedankenleser kontrolliert."
"Ich habe keine Angst, Lilah", erwiderte er mit dem Rücken zu ihr und drehte sich dann langsam um, "ich denke, andere Leute sollten mehr Angst haben."
Mit einem giftigen Lächeln, falsch wie eine Natter, stützte sie sich auf die Rückenlehne des Besucherstuhls und sah ihren Kollegen abwertend an. "Lindsay, Sie sind ein Schlapp-schwanz."
"Nur, weil ich mich nicht von Luvers falschen Versprechungen einlullen lasse, wie unser großer Manners? Nein, Lilah, ich wäre töricht, wenn ich seinen Worten glauben würde. Manners ist geblendet. Er will den Erfolg so unbedingt, dass er den Schaden nicht mehr sieht." Lindsay goss sich ein Glas Whiskey ein und sah die Anwältin mit festem Blick an.
"Schlagen Sie hier grad einen Putsch vor, Lindsay?" Ihre Augen waren erfüllt mit einem teuflischen Glanz.
Er konnte nicht wirklich einschätzen, ob sie sich Chancen auf Manners Position einrechnete oder überlegte, wann sie ihn am besten verraten könnte.
"Wollen Sie seine Position?", erwiderte Lindsay und lächelte falsch, "Lilah, sie haben noch weniger Skrupel, als ich dachte."
Mit zusammen gekniffenen Augen sah sie ihn an: "Okay, Lindsay, wenn Sie Recht haben, was werden wir tun? Luver zu beseitigen dürfte keine einfache Aufgabe werden."
"Ich habe bereits Vorkehrungen getroffen!", erklärte er viel sagend und nippte an seinem Glas.

~

Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals. Lindsay hatte ihr zwar gesagt, dass Luver gefährlich war, aber nicht wie sehr. Im Prinzip wusste sie nicht einmal, wo sie ihn suchen sollte, doch Wolfram & Hart erschien ihr ideal für den gefallenen Engel.
Sie atmete tief ein und aus, überprüfte sie den Sitz der Waffen, ehe sie durch den Ein-gang des Gebäudes schritt und in der Halle der Kanzlei auf ihr erstes Problem traf.
"Mam, wohin wollen Sie?" Der Sicherheitsbeamte beäugte misstrauisch ihr nicht sonderlich gut verborgenes Schwert.
"Ich möchte zu Manners oder… oder zu Lindsay O'Donald." Ihre Stimme klang nicht mehr fest und das war ihr größtes Manko.

~

Manners lächelte und starrte auf den Monitor. "Luver, ich denke, die Show kann begin-nen."

~

Cordelia glaubte, ihr Herz würde stehen bleiben, als sie die Gestalt sah, die ihr entgegen kam. Erst schien es Doyle zu sein, kurz darauf sah sie sich einer schattenhaften Gestalt gegenüber. Ein diabolisches Grinsen zierte sein Gesicht. Sie war sich sehr sicher, dass sie Luver vor sich hatte. In einer seiner vielen Gestalten, doch sein wahres Ich wollte sie auch gar nicht sehen. Vermutlich wäre sie dann umgekehrt und auf der Stelle davon gerannt. Doch dann dachte sie wieder an Lindsays Worte und an ihr Training mit dem Schwert. Verdammt, sie würde sich nie wieder in einem Spiegel ansehen können, wenn sie nicht tat, was sie tun musste. Also zog sie das Schwert und sah ihrem Angreifer entgegen.

~

Leilah und Lindsay betraten geschlossen das Büro von Manners. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, dass die obere Etage von Wolfram & Hart ausgetauscht wurde, vielleicht war es aber auch nur Zeit, dass jemand Manners die Wahrheit vor Augen führte.
Lindsay und Lilah sahen sich erstaunt an, als Manners die beiden freudestrahlend zu sich hinüber winkte. Lilah sah zu erst auf den Monitor und lächelte genugtuend, Lindsays Blick streifte den Monitor kurz darauf und das gesamte Blut schien ihm aus dem Gesicht zu weichen. Blass und atemlos starrte er auf den Monitor, ungläubig, der Realität ins Auge zu sehen.
"Ihre Vorkehrungen?", flüsterte Lilah boshaft und verschränkte die Arme vor der Brust. Lindsay machte augenblicklich kehrt und verließ das Büro. Er hatte genug gesehen. Es lief so überhaupt nicht nach Plan.

~

Sie spürte nur einen dumpfen Schlag. Sie sah nichts mehr, sie hörte nichts mehr. Nicht das Herannahen des Anwaltes, der ihr entgegen allen Regeln zu Hilfe kommen wollte. Nicht, dass das Schwert klirrend zu Boden fiel oder ihr Körper angehoben wurde. Sie merkte nichts mehr. Alles schien taub. Taub von einem Schlag unglaublicher Kraft, der sie mit unglaublicher Brutalität getroffen hatte.
Ihr entging, dass ihr Gegner mit ihr das Gebäude verließ, dass Lindsay in der Eingangshalle zum Stehen kam und ihr verzweifelt und hilflos hinterher sah. Unfähig etwas zu tun, weil er schon zu weit gegangen war. Viel zu weit…

~

Angel schüttelte sich kurz und lehnte sich dann stöhnend wieder zurück in die Kissen. "Himmel, was hast du mir für ein Gift injiziert? Es scheint schlimmer zu sein, als das Se-rum, das mich in Angelus verwandeln sollte."
Laila lächelte und reichte ihm dann das Fläschchen, welches sie die ganze Zeit gut behütet hatte. "Ein Gegenmittel. Doch es wirkt nur langsam. Deine volle Regenerierung wird eine Weile in Anspruch nehmen."
Wesley erschien in der Tür und sah zu den beiden hinüber. "Ich habe Gunn erreicht. Er ist in New York und kann frühestens in zwei Tagen wieder hier sein."
Angel nickte kurz und rieb sich dann die Stelle, wo ihn die Nadel getroffen hatte. "Und Cordelia?"
Wesley schüttelte matt den Kopf: "Keine Spur von ihr."
"Zumindest ist sie gut bewaffnet", murmelte Angel und Laila konnte die Sorgen in seinen Augen erkennen.
"Ich werde mich jetzt nicht mehr mit dem Telefon begnügen, ich werde losfahren und sie suchen. Irgendwo muss sie ja sein", erklärte Wes und rieb sich die Nasenflügel.
In diesem Moment erklang die kleine Glocke vom Tresen.
Wesley und Angel sahen sich einen Augenblick fragend an, während Laila ein leichtes Zie-hen verspürte. Einen bekannten Schmerz, den sie trotz allem nicht einzuordnen wusste.
"Ich werde nachsehen gehen", erklärte Wesley und Angel richtete sich in seinem Bett auf. Sein Blick folgte dem Briten, während er leise murmelte: "Ich habe kein gutes Gefühl da-bei..."
"Du musst vorerst liegen bleiben!", erklärte Laila entschlossen, doch der Vampir hatte sich bereits aus dem Bett geschwungen und folgte seinem Freund.
Im Flur vernahm er ein dumpfes Geräusch, dann etwas wie aufeinander schlagende Klin-gen. Er beschleunigte seine Schritte und blieb auf der Balustrade stehen. Mit beiden Hän-den griff er nach dem Geländer, weil ihn erneut eine Schwäche überfallen wollte. Dieses Antiserum hatte es wirklich in sich. Einen kurzen Moment lang verfluchte er seine Unfähig-keit dagegen zu halten. Er hatte selten geschwächelt, jetzt konnte er es erst recht nicht gebrauchen.
Angel spürte Lailas Anwesenheit und die erneute Kraft, die ihn durchströmte.
"Cordelia!" Sie deutete nach unten, wo die junge Seherin in einer leicht verdrehten Lage am Boden lag.
Angels Augen verengten sich zu Schlitzen, während er sich vom Geländer abstieß und die Treppe, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, hinunter stürmte.
Laila sah hinab und sah Wesley kämpfen. Sinnlos kämpfen.
Sie kannte den Gegner. Sie fürchtete ihn.
Luver.
Vernichtend geschlagen in einer tausend Jahre anhaltenden Nacht. Geschlagen von einem Heer der Engel, dessen Zahl sich dezimiert hatte bis nur noch zwei übrig geblieben waren. Samuel und Laila.
Und sie hatten ihn vernichtet mit allem, was sie noch hatten aufbringen können. Vernichtet und in die Verdammnis geschickt.
Luver.
Gott, sie hätte es spüren müssen. Sie hätte es erahnen können. Sie hatte diese dunkle Seele gespürt, aber sie hatte ja nicht geahnt, dass es Luver war. Warum war er wieder hier? Wie hatte er seinen Weg zurück zur Erde finden können?
Warum zu ihr? War es eine Prüfung?
Angel zog ein Langschwert aus seinem Waffenschrank und schlug mit all seiner Kraft auf den dunklen Engel ein. Doch das Schwert prallte ab, warf den Vampir nach hinten. Warf ihn gegen seinen Freund, der nur noch mit Mühe aufrecht stehen konnte.
Laila schloss die Augen. Sie musste eine Entscheidung treffen.
Eine Entscheidung, die ihr niemand abnehmen konnte.
Und sie traf sie.
Ließ ihren Kopf in den Nacken fallen, breitete ihre Arme aus und ließ all die göttliche Macht, die ihr gegeben war, durch ihren Körper fahren bis dieser nunmehr nur noch eine Hülle aus Licht und Energie war.
Sie hatte sich entschieden. Ein Leben für das aller anderen.
Wenn sie Angel nicht mehr schützen konnte, so konnte sie die anderen retten.
Starb Angel, starb auch sie.
Aber dieses Risiko musste sie eingehen.
Laila senkte ihren Blick wieder hinab und glitt in gleißendem Licht hinunter. Schwebend und mit graziler Anmut, nur einem Engels fähig.
Doch ihre Stimme hatte keinen zarten Klang. Klang nicht glockenhell und klar, sondern donnerte durch die hohe Eingangshalle und erfüllte die Protagonisten mit Angst.
"Luver! Stell dich einem Gegner, der dir ebenbürtig ist!"
"Laila!", lachte er donnernd und ließ ab von seinen Opfern.
Wes rutschte zu Cordelia hinüber und zog sie zu sich und Angel, während Angel wie ver-steinert auf die beiden Engel starrte.
"Glaubst du wirklich, du könntest mich besiegen? So wie Samuel es einst glaubte?" Luver klang herablassend und seine Augen fixierten ihre durch das gleißende Licht.
"Samuel hat dich besiegt!", erklärte sie.
"Ich bin aber noch hier!", erwiderte er hämisch und breitete seine Arme und dunklen Schwingen aus.
"Dann werde ich es jetzt vollenden!", flüsterte Laila und breitete ebenfalls ihre Schwingen aus.
Gemeinsam füllten die beiden Engel fast die komplette Halle aus.
Wesley und Angels pressten sich mit dem Rücken gegen den Tresen. Ein derartiges Schauspiel hatten sie noch nicht gesehen.
Dann mit einem Mal ging alles sehr schnell.
Flügel schlugen gegeneinander, Blitze verbrannten die Luft und es schien als würde die Fid


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