Dark Future von Steffi Raatz

Dark Future von Steffi Raatz

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Ich schnippe meine Zigarette fort und beobachtete, wie sie auf dem Boden aufkommt. Die Asche platzt ab, während das letzte Glühen in einem Zischen untergeht, als die Feuchtigkeit des Bodens den Tabak durchweicht hat.
"Seit wann rauchen Vampire?" ertönt Gunn's Stimme hinter mir, doch ich sehe mich nicht gewillt, ihn anzusehen.
"Seit Vampirjäger und Vampire gemeinsam jagen." Der Sarkasmus in meiner Stimme bleibt nicht aus, doch Gunn unterläßt einen Kommentar. Wir arbeiteten schon zu lange zusammen, als daß er es hätte mißverstehen können.
Nach einem letzten Blick auf den Zigarettenstummel, hebe ich meinen Kopf wieder an und sehe mich um. Wir befinden uns am Hafen, unweit jener Halle, in der Angel einst Darla und Drusilla erwartet hatte, um sie zu vernichten. Das liegt nun Jahre zurück und oft habe ich mir gewünscht, daß seine Bemühungen von Erfolg gekrönt worden wären, doch mittlerweile ist selbst die Melancholie in Bezug auf diesen Ort verschwunden. Zurückgeblieben ist in meinem Inneren nur eine tote Kälte.
"Brauchst Du noch lange?", Gunn's Stimme holt mich wieder mal in die Gegenwart zurück. Ich werfe einen letzten Blick auf das Mondlicht, welches sich im Wasser am Huntigton Port spiegelt. Mit einem Anflug von Sehnsucht denke ich an die Zeit zurück, in der ich solche Augenblicke romantisch gefunden habe. Doch dieses Gefühl verschwindet ebenso schnell, wie es sich eingestellt hat.
"Gehen wir!" Die Munition meiner Armbrust kontrollierend, gehe ich voraus. Mein langer schwarzer Mantel schlägt um meine Beine, während meine erstarrte entschlossene Miene jeden in die Flucht schlagen würde, nur nicht den Gegner, dem ich nun gegenüber treten werde.
Gunn folgt mir. Schon längst ist er nicht mehr so drahtig und schnell wie früher. Doch seine Entschlossenheit ist geblieben und genau die zählt augenblicklich mehr wie alles andere. Mit Kraft oder ausgefallenen Waffen können wir nichts ausrichten, einzig unser Wissen und die Entschlossenheit, allem ein Ende zu setzen, ist jetzt noch wichtig.

Kalter Wind schlägt in mein Gesicht, doch ich friere nicht. Die Kälte in meinem Inneren kompensiert alles andere auf nichtige Werte. An ebenso einem Tag hat sich mein Leben grundlegend verändert. Ungewollt schlagen die Erinnerungen über mir zusammen. Ich sehe noch einmal die Szene, in der Angel endlich von seinem Vampirdasein befreit wurde und den anschließend vergeblichen Kampf seinerseits mit Drusilla, die ihn mit Hilfe von Wolfram & Hart darnieder streckte. Es war alles so schnell gegangen, seine Rückverwandlung in Angelus, sein Angriff, meine eigene Verwandlung, wir hatten nicht reagieren können und wir wußten, es würde nie wieder einen Angel geben. Während Gunn und Cordelia schnell handelten und mich zu einer Zigeunerin brachten, tötete Angelus alle jene, die ihn wieder zu dem gemacht hatten, was er hatte nie sein wollen. Er wollte nun die alleinige Macht.
Und während ich meine Seele zurück erlangte, so überraschte Angelus Cordelia und machte sie zu seinesgleichen und begann mit ihr einen Streifzug der Hölle durch Los Angeles.

Seit Jahren versuche ich nun die Beiden zu töten, den Menschen ihre Stadt zurück zu geben, doch tief in mir, da sind es eigentlich nur mehr Hass und Rache, die mich antreiben, das höllische Paar zu vernichten.

"Wesley, alles okay?", die Hand meines Freundes legt sich auf meine Schulter.
"Was ist schon okay?", frage ich sarkastisch, doch er kann nichts dafür. Wäre er nicht gewesen, gäbe es mich nicht mehr, wobei ich mich manchmal frage, ob das nicht die bessere Lösung gewesen wäre.
Kurz schließe ich die Augen und versuche mich zu konzentrieren. Ich spüre Angelus Gegenwart. Er ist ganz in der Nähe. Vermutlich kann er mich auch spüren.
"Wes!", erklingt der Warnruf Gunn's und ich sehe ihn.
Ganz in schwarz steht er vor mir. Sein langer Mantel weht ihm um die Beine, die Sonnenbrille verdeckt seine boshaften Augen. Neben ihm, ganz in dunkelrotem Leder steht Cordelia. Sie ist noch immer so schön wie früher, doch ihre Augen strahlen nicht mehr die Güte und Fröhlichkeit aus, sie sind zu kleinen Schlitzen verengt, bösartig, gerissen. Sie hat kein Gewissen mehr, ebenso wie Angelus. Aus Freunden wurden Feinde und seit langem durchfährt mich wieder mal ein Schmerz.
"Ja, wen haben wir denn da", lächelt Angelus bösartig. Ich weiß, er spottet, doch das läßt mich kalt. Ich bin wie er, dank ihm, jetzt werde ich ihn vernichten.
"Du wirst endlich büßen", erklärt Gunn, ich bleibe stumm.
"Du wirst büßen", äfft ihn Cordelia nach und endet in einem schäbigen Lachen.
Ich bleibe stumm und beobachte. Meine Augen fixieren Angelus. Mittlerweile weiß ich, Cordelia ist seine Schwäche und nur damit kann ich ihn vernichten. Jetzt bleibt mir nur noch die Wahl des richtigen Augenblicks.
Wir beobachten uns, während Gunn und Cordelia um einander herum tänzeln. Wäre ich noch Mensch, würde ich vielleicht Trauer verspüren, über das, was mit meinen Freunden geschehen ist, doch in mir ist Kälte. Ich weiß endlich, wie Angel sich fühlte, als Darla wieder bei ihm auftauchte, jetzt verstehe ich ihn und seine Reaktionen. Auch in mir fühlt sich trotz Seele alles kalt und erbarmungslos an. Es muß die Verzweiflung sein, die mich traf, als alles seinen Lauf nahm, und die mich langsam und stetig von innen her auffraß und aushöhlte.
Wir sehen uns noch immer an. Angelus weiß nicht mehr, wie es war, mit mir befreundet zu sein, ich hingegen weiß es noch ganz genau.
Mit einem Male greift Cordelia Gunn an und bekommt ihn an der Kehle zu fassen. Er ist zu schwach, zu gebeutelt, sie hat leichtes Spiel. Doch ich bin schneller. Der Pfeil meiner Armbrust durchbohrt ihr kaltes Herz und während ich mit einem kleinen Anflug von Verzweiflung sehe, wie ihr schöner Körper zu Staub zerfällt, schreit Angelus wütend auf. Seine Hände greifen nach dem schwachen Gunn und töten ihn.
Ich starre regungslos auf den erschlafften Körper meines Freundes. So schnell vorbei. Doch die Gefühle in meinem Inneren sind wieder erkaltet. Dort gibt es keine Trauer mehr.
"Du hast sie getötet!", Angelus' Stimme donnert durch die Stille.
Ich antworte nicht. Ich starre ihn nur an, richte meine Armbrust auf ihn und drücke ab. Er ist so aufgebracht, daß er die Gefahr gar nicht erkennt. In seinen Augen war ich nie eine potentielle Gefahr. Entsetzen steht in seinen Augen, als er begreift, was ich getan habe.
"Wesley", sind seine letzten Worte, die mir zeigen, daß Angel nie tot war, sondern tief in Angelus versteckt war.
Plötzlich tut es mir leid und während er zu Asche zerfällt, überkommt mich der Schmerz. Ich spüre plötzlich den Verlust, die bittere Wahrheit, die Verzweiflung.
Meine Knie geben nach und ich sacke auf den Boden, knie neben Gunn nieder, dessen erkaltender Körper verdreht am Boden liegt.
Niemand hatte mir gesagt, daß es so enden würde. In keiner Schriftrolle hatte es gestanden, in keiner Weissagung war es erwähnt worden. Ich verfluche all jene Weisen, die Mächte der Ewigkeit und mich selbst. Mich selbst, weil ich zu schwach war, es zu erkennen.
Über dem Hafen geht die Sonne langsam auf. Ich weiß, um zu überleben, müßte ich fliehen, doch ich bleibe. Wir haben immer für die Gerechtigkeit kämpfen wollen, gegen das Böse, nun haben wir uns selbst vernichtet. Warum hätte irgendwas anderes noch Sinn. Also bleibe ich. Ich bleibe bei meinen Freunden und beende es. Für immer.


Ende


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