7.03 - Kampf um's Sorgerecht von Nadia, Rachel

7.03 - Kampf um's Sorgerecht von Nadia, Rachel

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Jack McPhee saß, den Kopf auf die Hände gestützt, am Küchentisch, die Augen noch immer ungläubig auf das Stück Papier gerichtete, welches vor ihm lag.

Eigentlich sollte dieser Tag für ihn und Amy völlig normal verlaufen. So wie jeder der Tage in den vergangenen Monaten.

Amy schlief an diesem Tag länger als sonst, was Jack die Möglichkeit gab, bereits am Morgen ein wenig Zeit für sich zu haben. Aber eigentlich bedeutete das für ihn nur, dass er sich daran machte die letzten Umzugskartons auszuräumen, welche noch immer vereinzelte Zimmer des Hauses belagerten.

Und als er das eine Weile gemacht hatte, begann er langsam das Frühstück vorzubereiten. Er warf einen Blick in den Kühlschrank und machte sich im Stillen die Notiz, am Nachmittag, nach dem Unterricht einkaufen zu gehen.

Als er die Tür wieder schloss, fiel sein Blick auf den Stapel Post auf der Ablage neben ihm, und ein Lächeln glitt über seine Lippen, als er den schmalen Zettel las, welcher darauf lag.


Guten Morgen Schatz!!
Ich hab die Post für dich reingeholt!
Wünsch dir und der Kleinen einen wundervollen Morgen.
Ruf mich an!!
In Liebe Doug



‚Oh, Doug, ich liebe dich.‘


Jack hasste es früh am Morgen die Post zu holen, das hatte er noch nie gern gemacht. Und genau das war es, was ihm sofort an dem allein wohnen gestört hatte. Es war niemand da, der die, für ihn so verhasste Aufgabe, erledigte.

Aber jetzt war Doug da.

Jack lächelte noch immer als er sich den Briefen zuwandte und sie begann durch zu sichten. Selbst die einzelnen Rechnungen schienen seine Laune nicht zu verderben, dazu hatte der Tag einfach zu gut angefangen. Erst als er einen schmalen weißen Brief in der Hand hielt stockte er. Der Stempel des Absenders war nicht mehr sehr deutlich zu lesen, doch Jack erkannte eindeutig das Wort Anwaltskanzlei.

Mit leicht zitternden Händen öffnete er das Kuvert und überflog angespannt die ersten Zeilen.

Sehr geehrter Mr. McPhee,

wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, dass Mr. Russell Whitman, Mandant unserer Kanzlei, das Sorgenrecht für seine nun mehr 11 Monate junge Tochter Amy Lindley fordert, welche wegen dem frühzeitigen Tod ihrer Mutter nun bei Ihnen lebt.

Mit diesem Schreiben fordern wir Sie auf, den Gerichtstermin am ...


Jack stoppte, er ließ sich rücklings auf den Stuhl fallen und senkte das Papier in seinen Händen. Das konnte doch nicht wahr sein! Dieser Kerl konnte ihm doch nicht Amy wegnehmen wollen!

Geschockt schloss er die Augen, als wäre alles in Ordnung, wenn er die Augen wieder öffnete.

~*~

Doug war eigentlich dagegen gewesen, Pacey bei einer seiner ‚Sachen‘, wie er es so gern nannte, zu helfen. Aber irgendwie war er doch hier gelandet und half seinem ‚Lieblingsbruder‘ - dieses Wort sprühte nur so vor Sarkasmus - beim Reintragen der Waren. Eigentlich sollte er in diesem Moment seinen beruflichen Pflichten nachkommen und Streife durch die Stadt fahren, oder Mrs. Wilson beim Einkaufen helfen, aber stattdessen hatte er sich breitquatschen lassen und schleppte sich jetzt hier ab.

»Gott, Brüderchen. Hast du nicht Personal für so was?« Doug stellte eine Kiste Wein ab und sah Pacey erschöpft an.

»Klar, aber die müsste ich dafür alle bezahlen«, lächelte er süffisant zurück.

Doug wandte sich wieder ab und holte eine weitere Kiste. »Und was ist mit deinen Freunden: Können dir die nicht helfen?«

»Alle beschäftigt. Und Dougie, wozu hat man denn Familie?«

»Wir sind höchstens mal zu Weihnachten und Ostern eine Familie ...« Er wandte sich erneut ab und genau in dem Moment, in dem er eine Packung Gemüse hochheben wollte, klingelte sein Handy.

Doug kramte dieses einigermaßen ungeschickt aus seiner Tasche und blickte auf das Display, wo in kleinen digitalen Buchstaben das Wort 'Home' aufleuchtete.

Lächelnd nahm er ab und begann sofort zu sprechen. »Jack ... Schatz, du bist meine Rettung. Mein irrer Bruder zwingt mich im Moment gerade dazu seine Lieferungen reinzutragen, also erzähl mir irgendwas, damit es so aussieht als wäre ich beschäftigt und müsste schnellstens hier weg ...«

»Doug!« Jacks ernste Stimme ließ Doug sofort stocken. Er klang geschockt und leicht nervös, voller Sorge.

»Geht es dir gut, du klingst so komisch. Ist was mit Amy?«

»Doug, ich hab heut einen Brief von einer Anwaltskanzlei bekommen!«, meinte Jack nur tonlos.

»Von welcher Kanzlei? Jack, erzähl mir was los ist«, verlangte Doug besorgt und ließ sich auf einer der hölzernen Weinkisten nieder.

»Dieser Kerl, Jens Ex ...«

»Amys leiblicher Vater?«, hakte Doug nach.

»Ja, genau ... Er fechtet das Sorgerecht an. Doug, er will uns Amy wegnehmen!« Jack klang verzweifelt. Doug wusste, dass Amy ihm alles bedeutete. Es war seine einzige Verbindung zu Jen.

»Hey, Jack ... es wird alles wieder gut. Komm, wir schaffen das. Dieser Kerl bekommt Amy nicht! Das lassen wir nicht zu.«

»Und was, wenn doch? Doug, ich könnte sie nicht hergeben, dass würde ich nicht überstehen. Ich kann sie nicht auch noch verlieren.«

»Daran darfst du nicht mal denken. Hör zu ... ich geh ins Department und höre mich da ml um, vielleicht finde ich irgendwas über den Kerl raus, dass wir gegen ihn verwenden können.«

»Okay ... Doug, es tut mir leid, ich bin bloß ...« Jacks Stimme bebte vor Angst.

»Das ist okay. Ich versteh dich, Jack. Du musst mir nichts erklären. Wir regeln das«, versprach Doug und war bemüht zuversichtlicher zu klingen, als er sich fühlte.

»Danke ... Der Gerichtstermin ist nächste Woche.«

»So bald schon? Also ich fahr gleich los und ruf dich dann an, sobald ich was gefunden habe. Wir schaffen das, Jack. Wir geben unsere Tochter nicht einfach so auf.« ‚Unsere Tochter‘ – Doug hatte Amy zum ersten Mal als seine und Jacks gemeinsame Tochter bezeichnet! Und warum auch nicht? Er liebte das kleine Mädchen, ebenso wie Jack auch. So als wäre sie ihr eigen Fleisch und Blut. Wenn Jen gewollt hätte, dass der leibliche Vater das Erziehungsrecht erhielte, hätte sie Jack niemals gebeten sie aufzunehmen. Nein, beschloss Doug eisern, sie würden Amy nicht hergeben. Das hatte Jen nicht gewollt!

»Okay. Bye. Ruf mich an.«

»Mach ich. Bye, Liebster«, verabschiedete sich Doug.

Jack legte auf und Doug lauschte noch einen Moment dem leisen Piepen, bevor auch er das Handy wieder wegsteckte. Dann drehte er sich um und entdeckte Pacey hinter sich, der ihn ernst ansah.

»Was ist los?«, fragte Pacey leise, offensichtlich hatte er einen Teil des Gesprächs mitgehört und sofort erkannt, wie ernst die Situation war.

»Kann ich dir momentan nicht erklären. Hör zu ich muss ...«

»Was? Du musst los? Nicht bevor du mir das erklärt hast!«, verlangte Pacey und hielt seinen älteren Bruder am Arm fest.

Doug sah auf die Hand seines Bruders und diesem wieder ins Gesicht. »Pacey, ich habe jetzt wirklich keine Zeit dafür.«

»Es geht um Amy und da geht es mich genauso etwas an, wie Jack und dich. Ich habe Jen am Sterbebett versprochen, dass wir alle uns um ihre Tochter kümmern würden. Dass sie sich keine Sorgen machen müsse …«

Doug überlegte kurz und nickte dann unmerklich. »Amys leiblicher Vater will uns das Sorgerecht entziehen. Jack hat heute eine gerichtliche Vorladung bekommen.«

»Aber das kann er doch nicht machen!« Pacey schüttelte ungläubig den Kopf.

»Anscheinend doch«, raunte Doug und fuhr sich fahrig mit der linken Hand übers Gesicht.

»Und glaubst du, dass der Kerl damit durchkommt?«

»Ich hoffe nicht. Aber ich muss echt los. Ich will nachsehen, ob ich irgendetwas Belastendes gegen ihn finde. Schaffst du den Rest hier noch allein?«

»Selbstverständlich, geh ruhig. Sag‘ bescheid, wenn ich euch irgendwie helfen kann.«

Doug nickte, schnappte sich seine Jacke und verschwand während Pacey die Hände in die Hüften stemmte und ihm nachdenklich hinterher schaute.

~*~

Jack saß noch immer in der Küche als Amy in ihrem Zimmer langsam wach wurde und das Babyfon ihn zurück in die Realität holte. Wie in Trance stand er auf und ging zu ihrem Zimmer. Als er die Tür öffnete, stand Amy bereits in ihrem Bett und schenkte ihm in dem Moment ein Lächeln, als sein Blick ihre Augen traf. Es waren Jens Augen.

Gott, jedes Mal, wenn Jack Amy ansah, sah er Jen in dem kleinen Mädchen. Sie waren sich so ähnlich. Er wollte nicht glauben, dass er diese Momente vielleicht bald nicht mehr haben würde.

Langsam ging er auf Amy zu und in diesem Augenblick gingen Jack Jens Worte durch den Kopf. Er hatte zusammen mit ihr und Amy im Krankenhaus gesessen. »Jack, ich möchte, dass du Amy erziehst ...« Er konnte noch genau dieses Gefühl in sich spüren, als ihm die Worte richtig bewusst wurden und er konnte sich noch genau an Jens Gesichtsausdruck erinnern. Dieser hoffnungsvolle Blick, den sie ihm zugeworfen hatte.

Genau, es war Jens Wille gewesen, dass Amy bei ihm bleiben sollte. Bei ihm und Doug und jetzt waren sie Amys Familie und niemand würde ihm das zerstören.

Jack nahm Amy aus dem Bett und lächelte sie an.

»Na, meine Kleine? Hast du gut geschlafen?« Er setzte sie auf den Wickeltisch und zog ihr den Schlafanzug aus.

Amys Blick schweifte durch das Zimmer und dann blickte sie kurz auf Jack und wieder zurück auf ein Bild von Jen, welches neben ihr an der Wand hing. Vorsichtig deutete sie darauf und lächelte. »Mami«, sagte sie leise und Jack erwiderte das Lächeln, als auch er auf das Bild schaute.

»Genau, dass ist deine Mami.«

Jack erinnerte sich nur zu genau an den Sommer, als dieses Bild aufgenommen worden war. Jen, Dawson, Andie und er hatten den ganzen Sommer zusammen verbracht. Dawson hatte nachdem Joey sich für Pacey entschieden hatte seine Filmliebe gegen die Fotographie getauscht und ständig von ihnen allen Fotos gemacht.

Jen trug auf dem Bild ein weißes Top und einen riesigen Strohhut, den Jack ihr erst kurz davor geschenkt hatte. Sie lächelte leicht, verträumt, genauso wie sie war. Sie wirkte darauf so lebendig ...

Jack wurde aus seinen Gedanken gerissen, als es an der Tür läutete. Schnell zog er Amy noch einen Pullover über, nahm sie auf den Arm und ging zur Tür.

»Moment!«, bat er den unerwarteten Besucher.

Leicht zögernd öffnete er die Tür, den Gedanken, dass womöglich dieser Russell vor davorstehen könnte, verwarf er lieber schnell wieder.

Als Jack die Tür öffnete, lächelte ihn Pacey freundlich an. »Was machst du denn hier?«, fragte Jack daher überrascht.

»Dich besuchen. Darf ich reinkommen?« Ohne auf eine Antwort zu warten, betrat Pacey das Haus. Jack schloss die Tür und drehte sich zu ihm um.

»Ich nehme mal an, Doug hat es dir erzählt.«

»Da Doug gerade in dem Moment bei mir war, als er es selbst erfahren hat, liegst du da wohl richtig.« Er wandte sich an Amy und lächelte sie freundlich an. »Hey klein Lindley, na wie geht’s dir denn?« Pacey nahm Jack Amy aus dem Arm und lächelte sie erneut verspielt an.

»Willst einen Kaffe?« Jack ging voraus in die Küche, ohne eine Antwort abzuwarten und Pacey folgte ihm mit Amy.

»Nein danke, ich will gleich wieder los.« Pacey begann mit Amy zu spielen, die lauthals anfing zu lachen, als er begann sie zu kitzeln. Dann blickte er sie naiv kindlich an. »Hey Amy ... kannst du schon Pacey sagen? Sag doch mal Pacey!«

Amy schüttelte energisch den Kopf.

»Wie wär’s mit Pace?«, fragte er erneut, doch Amy schüttelte wieder nur mit dem Kopf und grinste ihn frech an. »Gott sie ist Jen so ähnlich«, stellte Pacey fest.

Jack nickte. »Ich weiß, das stelle ich jedes Mal wieder fest, wenn ich sie ansehe.«

»Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Jen früher war, als sie neu hier war.
Hat sich auf Partys manchmal ganz schön betrunken, um über ihre Probleme hinweg zu kommen ...«

Jack lächelte Pacey an. »Solltest du in Gegenwart von Amy, und sollte sie das alles verstehen, irgendwann noch mal ein Wort darüber verlieren, dann bring ich dich um!«

Sie lächelten, beide wussten nur zu gut, wie Jen früher gewesen war.

»Ja, aber ich hätte damals nie gedacht, dass Jen uns allen einen solchen Schatz vermachen würde. Amy ist wie ein Engel. Für uns alle.«

Wieder nickte Jack.

»Ähm Jack, weswegen ich hier bin; wie heißt dieser Kerl? Jens Ex?«

»Wieso willst du das wissen?«, fragte Jack misstrauisch und wurde stutzig.

»Nur so«, gab sich Pacey unschuldig.

»Pacey, ich kenne dich. Was hast du vor?«, bohrte Jack nach.

»Nichts. Sag mir einfach wie er heißt.«

»Pacey, bitte tu nichts, was uns in dem Prozess schaden könnte. Okay? Das wird alles so schon schwer genug werden!«, meinte Jack fast schon flehentlich.

»Hey, ich will wirklich nur mit dem Kerl reden. Vielleicht kann man ihn ja zur Vernunft bringen. Also sagst du mir bitte seinen Namen?«

Im Inneren sträubte Jack sich davor. Er ahnte einfach, dass Pacey nicht gerade der Typ war, der nur still redete. Aber wieso sollte man es nicht versuchen? Jack war in einer ziemlich verzweifelten Situation.

»Russell Whitman.«

»Danke.« Pacey gab Amy einen leichten Kuss auf die Stirn und überreichte sie dann wieder Jack.

»Bring ihr meinen Namen bei«, scherzte er noch, bevor er in Richtung Tür ging.

»Pacey ... bitte mach nichts Falsches.«

Pacey blieb stehen und lächelte. »Ich doch nicht«, versicherte er Jack zwinkernd.

Er verließ das Haus und Jack sah ihm nur unruhig hinterher, bevor er sich wieder an Amy wandte. »Ich hoffe er beherrscht sich«, meinte er leise zu ihr.

Amy blickte noch immer Richtung Tür und strahlte dann Jack an. »Pace ...«, sagte sie nur leise und Jack musste leise lachen.

~*~

Pacey stoppte sein Auto und stieg aus. Das kleine heruntergekommene Vorstadthaus wirkte nicht gerade einladend auf ihn. Er hatte die Fahrt nach Boston gleich nach seinem Gespräch mit Jack in Angriff genommen. Die Adresse von Russell Whitman war leicht herauszufinden gewesen.

Vor Gericht würde Pacey seinem Freund und seinem Bruder keine Hilfe sein. Er konnte das Restaurant nicht tagelang unbeaufsichtigt lassen. Einen Abend jedoch durchaus. Und so hatte er sich vorgenommen, zur Not die ganze Nacht durchzumachen, um Whitman die Meinung zu sagen.

»Pizzadienst«, trällerte er in belustigten Ton. Er hörte ein Rascheln und Knarren, bevor die Tür geöffnet wurde und ihm stickige, verrauchte Luft entgegenschlug.

Der Mann sah Pacey starr von oben bis unten an, bevor sein eisiger Blick wieder seine Augen traf. »Sie sind nicht der Pizzadienst. Wer zum Teufel sind Sie?«

»Ich will mit Ihnen über Amy reden.«

»Was geht Sie denn meine Tochter an? Sind Sie etwa einer von den Schwuchteln?« Er lächelte belustigt.

Pacey dagegen atmete beruhigend durch. Er musste sich zusammenreißen, ihm nicht die Faust ins Gesicht zu rammen. Schließlich beleidigte der Kerl nicht nur einen seiner ältesten und besten Freunde, sondern auch gleich noch seinen Bruder! Dieser Kerl war ihm sofort unsympathisch gewesen.

»Sie sollten die Klage fallen lassen«, sagte Pacey mit scheinbarer Gelassenheit.

»Vergessen Sie’s.« Er wollte die Tür zuschlagen, doch Pacey hielt ihn auf.

»Wieso tun Sie das? Sie wollten doch erst auch nichts von Amy wissen. Woher der Sinneswandel?«

»Sie ist meine Tochter«, beharrte der Mann und steckte sich eine Zigarette in den Mund, die er sich unter Paceys Argusaugen anzündete.

»Sie ist mehr Jacks Tochter, als sie es Ihre je sein wird. Sie sind nichts weiter als der Erzeuger. Amy kennt Sie überhaupt nicht und weiß nicht mal, dass es Sie gibt. Und wissen Sie auch warum das so ist? Weil Sie sich bisher einen Dreck um sie geschert haben!«

»Verschwinden Sie von hier!«, verlangte Whitman mit der Kippe im Mund.

»Nicht bevor Sie die Klage fallen lassen!«

»Hören Sie zu, Mister. Amy ist meine Tochter. Und sie wird als meine Tochter auch bei mir aufwachsen und nicht von diesen Homos erzogen. Finden Sie sich damit ab!«

»Damit kommen Sie nicht durch!«, behauptete Pacey stur.

»Das werden wir ja noch sehen.« Whitman schlug die Tür mit einem lauten Knall zu.

Irgendwie hatte sich Pacey von dem Kurztrip hierher mehr erhofft. Ein wenig frustriert ging er zurück zu seinem Wagen und konnte förmlich den Klapps spüren, den Joey ihm zweifellos für diesen Besuch verpassen würde.

~*~

Evelyn Ryan saß im Zug Richtung Boston und blickte in Gedanken versunken zum Fenster hinaus. Dabei nahm sie kaum die vorbeiziehenden Orte und Landschaften wahr. Es war als sähe sie dort in dem Fenster Jennifer, die sie aus traurigen Augen anblickte.

Evelyn wusste, dass Jennifer vor Wut rasen würde, wenn sie noch lebte. Wut auf den Mann, der sie vor mehr als achtzehn Monaten im Stich gelassen hatte, gleich nachdem Jen ihm damals von der Schwangerschaft erzählt hatte. Und das war auch gut so, wie Evelyn im Nachhinein dachte.

Russell war alles andere als der Mann, den sich eine kluge und zudem hübsche junge Frau wie Jen als Vater ihrer Kinder ausgesucht hätte. Sicher, sie war fasziniert von ihm gewesen und sie hätte auch sicherlich um Amys Willen die Beziehung zumindest auf freundschaftlicher Basis aufrechterhalten, aber Evelyn wusste auch, dass Jen für Russell nicht genug empfunden hatte, um den Bund des Lebens mit ihm einzugehen. ‚Zum Glück!‘, dachte sie und hoffte, der Herr möge ihr für diesen Gedanken vergeben.

Nach allem, was Jen ihr nach der Trennung von ihm erzählt hätte, war Russell bereits mehrfach vorbestraft und hatte einige Monate im Staatsgefängnis von Massachusetts abgesessen, wegen diverse Delikte, auf die Jen nicht hatte näher eingehen wollen. Sie musste ihn kurz nach seiner Entlassung kennen gelernt haben.

Vielleicht – wäre Jen zu dieser Zeit nicht so einsam in New York gewesen – hätte sie sich gar nicht auf Russell eingelassen. Doch nachdem Jack zurück nach Capeside gegangen war, um dort eine Lehrstelle an der Capeside High anzunehmen, war ihr ja außer Grams niemand geblieben. Und Evelyn war sich der Tatsache bewusst, dass sie – obgleich ihr Verhältnis ausgesprochen gut war – nicht Jens Freundin sein und Jack somit ersetzen konnte. Sie war ihre Großmutter gewesen und ein Mutterersatz. Eine Freundin konnte sie demnach nicht auch noch für eine junge Frau wie Jen sein. Zudem waren ihre Ansichten nach wie vor so verschieden gewesen, dass sie gewissen Gesprächen grundsätzlich aus dem Wege gegangen waren.

Auch nachdem Jennifer von ihrer schrecklichen Krankheit erfahren hatte, hatte sie sich geweigert zu Gott zu beten und um Kraft zu bitten, die sie zu dieser Zeit so dringend benötigt hatte. Und so hatte Evelyn Abend für Abend für sie und sich selbst gebetet, da es ihr ja ebenfalls schlecht ging.

Dass sie Jack nichts von Jens Krankheit oder irgendeinem anderen ihrer Freunde hatte erzählen dürfen, war etwas, was oft zwischen ihnen zu Auseinandersetzungen geführt hatte. Schließlich hatte Jen ihr versichert, dass sie es Jack, den sie zum Patenonkel für ihr damals ungeborenes Kind erklärt hatte, erzählen würde, sobald sie sich außerstande fühlte ihre Krankheit länger zu ignorieren.

Gales Hochzeit wurde so unvermeidbar zu dem Tag, an dem es alle erfahren sollten. Und Jen hatte letztlich versucht das Beste daraus zu machen und mit einem Lächeln zu sterben.

Grams fühlte, wie ihr bei dem Gedanken Tränen in die Augen stiegen, doch gleichzeitig lächelte sie. Jen war mit erhobenem Haupt gestorben und hatte keinen wissen lassen, wie groß ihre Schmerzen und ihre Angst tatsächlich gewesen waren. Weniger hatte sie Angst vor dem Tod gehabt, als davor, was mit Amy nach ihrem Ableben geschehen würde.

Dass Jack bereit war, sich ihrer Tochter anzunehmen, hatte es Jen schließlich erleichtert, von dieser Welt abzulassen. Und nun ... nun focht dieser Taugenichts von einem Russell Whitman das Sorgerecht an!

Grams hoffte inständig, dass Jack und Doug sich im Gerichtssaal würden behaupten können. Denn sie war sich ihres gesundheitlichen Zustandes mehr als bewusst und auch der Tatsache, dass man ihr das Kind nicht überlassen würde.

Ein heftiger Schmerz durchfuhr mit einem Mal ihren Leib und sie biss die Zähne fest zusammen, um dem Schrei nicht Luft zu machen, der sich bereits in ihrer Kehle befand.

»Alles in Ordnung, Ma'am?« Der junge Mann, der neben ihr saß, beugte sich besorgt zu ihr vor.

Sie nickte schwach und bemühte sich zu lächeln, doch es misslang ihr.

»Kann ich etwas für Sie tun?«

»Würden Sie mir wohl aus meiner Tasche«, Grams zeigte nach oben, wo das Gepäck über den Sitzen verstaut war, »meine Tabletten runter reichen. Sie ...« Abermals musste sie die Zähne zusammenbeißen und kniff für einen Augenblick die Augen zu. »Sie sind in der linken Seitentasche.«

Der junge Mann nickte und tat worum sie ihn bat. »Wie viele brauchen Sie?«

»Eine reicht erst mal«, brachte Grams mühsam hervor und nahm die Tablette entgegen.

»Sie sollten etwas dazu trinken. Ich gehe Ihnen Wasser holen.« Damit verschwand er auch schon in dem schmalen Gang in Fahrtrichtung und kam nur wenige Minuten später mit einem großen Glas Wasser zurück.

»Was fehlt Ihnen?«, fragte er besorgt und reichte ihr das Glas Wasser.

»Ich habe Krebs im Endstadium«, erklärte sie ihm und nickte zur dankbaren Anerkennung. Dann nahm sie die Tablette und spülte sie hinunter.

»Mein Großvater hatte auch Krebs. Er ist vergangenes Jahr gestorben«, sagte er traurig. »Ich werde nächstes Jahr mein Medizinstudium beginnen und ich bin fest entschlossen endlich ein Heilmittel gegen Krebs zu finden.«

»Das ist ein löblicher Vorsatz«, sagte Grams und fügte in Gedanken hinzu: ‚Mir wird das zwar nicht mehr helfen, aber ...‘ Nach einiger Zeit lächelte sie. »Danke, dass Sie so schnell reagiert haben. Es geht mir schon wieder besser.«

»Gern geschehen.« Damit ging die kleine Unterhaltung auch schon wieder zu Ende.

Und während Grams erneut in ihren Gedanken an Jennifer und den bevorstehenden Kampf um das Sorgerecht für Amy versank, widmete sich ihr fürsorglicher Nebensitzer wieder seinem Buch.

~*~

Doug saß in der ersten Reihe, praktisch direkt hinter Jack, um ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht allein war. Neben ihm, an einem Tisch, saß Gales Mann Jason, der in diesem Fall Jacks Rechte vertrat. Er verlangte nichts dafür, was Jack und auch Doug gerade jetzt sehr recht war, da sie immer noch etwas knapp bei Kasse waren. Zwar nicht mehr so schlimm, wie noch vor einigen Wochen, aber trotzdem noch immer ein wenig.

Man konnte die Anspannung im Saal förmlich spüren und Jack lief es eiskalt den Rücken herunter, als er zu dem Tisch hinüberblickte, der linkerhand stand und an dem Russell Whitman saß. Die beiden Männer sahen sich kurz an, doch dann blickte Jack weg.

Ein Blick in die Augen dieses Mannes hatte ihm genügt, um zu wissen, dass er eiskalt und berechnend war und absolut nichts von Homosexuellen hielt. Es schien sogar so weit zu gehen, dass er einen regelrechten Hass auf Jack, ob dessen Homosexualität, empfand.

Der Richter stellte die beiden Parteien und den Grund des Prozesses vor und leitete auf diese Weise die Verhandlung ein. Schließlich wurde Jason gebeten, seinen ersten sachverständigen Zeugen aufzurufen; in diesem Fall Grams.

Jason trat vor, sodass er alle Anwesenden ansehen konnte und sagte dann: »Ich rufe als erste sachverständige Zeugin Evelyn Ryan auf.«

Der Richter nickte im Einverständnis und die Tür zum Gerichtssaal ging auf. Mit wackligen Knien, jedoch so gefasst wie es ihr möglich war, trat Grams ganz nach vorne und nahm den Zeugenstand ein.

Ein Gerichtsdiener kam mit der Bibel auf sie zu und sprach: »Legen Sie bitte die Hand auf das Buch und sprechen Sie mir nach: Ich verspreche die Wahrheit zu sagen, und nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe.«

Natürlich tat Grams wie ihr geheißen, dann nahm sie Platz und sah von Jack zum Richter und schließlich zu Gales Ehemann Jason, der als Jacks Anwalt fungierte.

»Würden Sie sich dem Gericht bitte vorstellen und allen hier Anwesenden erklären, weshalb Sie gegen eine Änderung des Sorgerechts im Fall Amy Lindley sind.«

»Selbstverständlich«, begann Grams und wandte sich nun vor allem an den Richter und an die übrigen Anwesenden. »Ich bin Amys Urgroßmutter. Und meine Enkelin Jennifer, Amys Mutter, hat bis zu ihrem Tod bei mir gelebt ...«

Grams beantwortete eine Frage nach der anderen. Sowohl die von Jason gestellten, wie auch die von der Gegenpartei. Fragen wie: Welches Verhältnis hatte Jennifer zu Jack und zu Russell? Was wissen Sie über Russell? Hatte sich Ihre Enkelin je negativ über den Kindsvater geäußert oder positiv, nachdem er sie verlassen hatte? Warum hatte Russell Ihre Enkelin verlassen? – Diese und viele Fragen mehr, musste Grams über sich ergehen lassen, bis sie den Zeugenstand verlassen durfte und Jack selbst gebeten wurde vorzutreten.

Von Russells Seite kam ein Freund, der sich für ihn einsetzte und sich dafür aussprach, dass Russell das Sorgerecht für sein Kind bekommen sollte.

Und schließlich wurde Doug aufgerufen, der nach der einstündigen Verhandlungspause, vollkommen nervös vor dem Verhandlungssaal saß. Im Grunde rechnete er sich für Jack und sich selbst sehr gute Chancen aus, besonders aufgrund der Informationen, die er dem Gericht nun bald vorlegen würde. Doch auch deshalb, weil Russell absolut keinen triftigen Grund vorlegen konnte, das Sorgerecht einzuklagen. Jack war jedoch ohnehin sehr labil in letzter Zeit, sodass er nur schwarzsah. Zumindest hatte Doug während des Mittagessens, das sie zusammen mit Grams eingenommen hatten, das Gefühl gehabt, als rechne sich Jack keine guten Chancen aus, Amy behalten zu dürfen.

»Mr. Witter«, begann der Anwalt der Gegenpartei, »welches Verhältnis haben Sie zu Mr. McPhee?«

Doug zögerte eine Sekunde, sagte dann jedoch, mit einem zärtlichen Blick zu Jack: »Ich bin sein Lebensgefährte.«

»Sie sind demnach also auch homosexuell?«

»Das ist richtig«, entgegnete Doug ruhig.

»Demnach lieben Sie Ihren Lebensgefährten und würden alles für ihn tun, nicht wahr?«

»Solange es innerhalb der gesetzlichen Grenzen ist; selbstverständlich.« Doug sah den Anwalt musternd an. Worauf wollte er mit diesen unwichtigen Fragen hinaus?

»Würden Sie für ihn auch grundlos Nachforschungen anstellen, für die Sie Ihren Beruf ausnutzen müssten, die jedoch nicht offiziell zugelassen sind?«

»Einspruch, Euer Ehren!«, rief Jason. »Diese Frage ist absolut sachundienlich.«

»Stattgegeben«, stimmte ihm der Vorsitzende zu.

»Okay, dann anders gefragt: Wie weit würden Sie gehen, um Ihrem Lebensgefährten bei dieser Sorgerechtsfrage zu helfen?«

»Wie ich bereits sagte. Innerhalb gesetzlicher Grenzen, soweit es mir möglich ist.«

»Lieben Sie die kleine Amy?«

»Wir sind zwar erst dabei uns kennenzulernen, da ich kein übermäßig enges Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, kannte ich sie bis vor wenigen Wochen kaum, aber ja, ich beginne eine tiefe Zuneigung zu dem Mädchen zu empfinden.«

Doug lächelte und Jack erwiderte es, wusste er doch von der Mühe, die Doug sich gab, in die Rolle des Vaters zu wachsen.

»Glauben Sie nicht, dass ihr Vater sie ebenfalls liebt? Schon allein deshalb, weil er ihr Vater ist.«

»Bei allem nötigen Respekt«, sagte Doug und sah zuerst den Anwalt und dann den Richter an, »die Tatsache, dass er Amys Erzeuger ist, macht ihn nicht zu ihrem Vater. Er hat die Kindsmutter noch während der ersten Schwangerschaftsmonate im Stich gelassen, aus Gründen, die mir unbegreiflich sind, da ich mich einer derartigen Verantwortung niemals entziehen würde, und fordert nun, wo das Kind bereits fast ein Jahr alt ist, das Sorgerecht. Ich bezweifle nicht, dass er das Kind auf seine Art liebt. Und dies ist sicherlich schön und auch gut für das Kind, jedoch macht ihn diese väterliche Liebe nicht automatisch zum verantwortungsbewussten Erziehungsberechtigten. Ein Kind braucht einen sicheren Halt in dieser Welt, eine gesicherte Zukunft, eine starke Hand. Und jemand, der sich zurückzieht, noch ehe er weiß, welches Geschlecht sein Kind haben wird und die Mutter noch nicht einmal finanziell unterstützt, hat meiner Ansicht nach kein Recht auf die Erziehungsberechtigung eines noch so schutz- und liebebedürftigen Kindes.«

»Wie kommen Sie darauf, dass Mr. Whitman keinen Unterhalt gezahlt hat?«

»Ich weiß dies von Miss Lindley selbst. Sie hatte es mir erzählt, als wir einmal miteinander telefoniert hatten. Zudem würden es die Kontoauszüge der Kindsmutter im Nachhinein beweisen.«

»Haben Sie die Kontoauszüge?«, erkundigte sich der Richter und sah von seinem Platz zu Doug hinunter.

»Hier sind sie, Euer Ehren«, wandte sich nun wieder Jason an den Richter, stand auf und reichte ihm einen kleinen Hefter, in dem sämtliche Kontoauszüge zu finden waren, die Jennifer in den vergangenen zwanzig Monaten hatte ausdrucken lassen.

In diesem Moment war Grams froh, dass sie Jennifer zu dieser Ordnung ihrer Akten angehalten hatte. Sie hatte ihr immer wieder gesagt: 'Man weiß nie, wozu du sie mal brauchst. Und sie ein paar Jahre zu sammeln tut nicht weh und kostet keine Mühe.' Jen hatte klein beigegeben und die Kontoauszüge zu all ihren 'wichtigen' Unterlagen getan.

Der Richter sah sich einige Minuten lang die Kontoauszüge an und nickte dann bestätigend. »Es wurde nicht eine einzige Unterhaltszahlung getätigt, genau wie Mr. Witter gesagt hat.«

Zufrieden nahm Jason wieder neben seinem Mandanten Platz.

»Keine weiteren Fragen«, kam es nach einiger Zeit des Nachdenkens vom Anwalt der Gegenpartei und Doug wollte bereits aufstehen, doch da erhob sich Jason auch schon und ging hinüber zu ihm.

»Dann möchte ich mit der Befragung fortfahren.«

»Einverstanden«, ließ sich der Richter vernehmen.

»Mr. Witter, ist es richtig, dass Sie seit bereits zwei Jahre als Sheriff der Stadt Capeside beschäftigt sind, in der Sie zusammen mit Mr. McPhee und Amy leben?«

»Ja, das ist korrekt«, nickte Doug.

»Und ist es auch richtig, dass Sie aufgrund verschiedener Hinweise diverser Quellen wie Mrs. Ryan, McPhee und auch aufgrund alter Andeutungen Ms. Lindleys selbst, kleinere Nachforschungen in Bezug auf Russell Whitmans Vergangenheit angestellt haben?«

»Ja, das ist ebenfalls korrekt.«

»Was hat Sie dazu bewogen?«

»Ich wollte sicher sein, dass der Mann, der imstande ist, Mr. McPhee das Sorgerecht für seine Tochter zu nehmen frei von Vorstrafen ist.«

»Sie taten dies also zum Schutz des Kindes und nicht etwa, um belastendes Material ausfindig zu machen?«

»Das war der Grundgedanke, ja. Und es verstößt nicht gegen das Gesetz, wenn ich mich ein wenig in der hiesigen Datenbank umsehe«, erläuterte Doug.

»Und möchten Sie dem Gericht auch vortragen, was Sie gefunden haben.«

»Einspruch, Euer Ehren!«, rief Whitmans Anwalt. »Dies ist eine familienrechtliche Verhandlung und ...«

»Ich möchte gerne wissen, was Sheriff Witter zu sagen hat«, unterbrach ihn der Richter, nachdem er kurz mit dem Holzhammer die gesamte Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. »Bitte fahren Sie fort, Mr. Witter.«

Doug nickte anerkennend und auch dankbar, denn nun konnte er seinen Trumpf ausspielen. »Mr. Whitman wurde vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren wegen Drogenbesitzes und Körperverletzung in zwei Fällen verhaftet und für zehn Monate inhaftiert.«

»Vielen Dank, Mr. Witter«, sagte Jason. »Ich möchte nun den Kläger selbst zur Befragung aufrufen.«

»Stattgegeben«, stimmte der Richter mit einem Nicken zu und Doug verließ, mit einem flüchtigen Blick auf Jason, den Zeugenstand.

Er hoffte mit seinen Nachforschungen das Richtige für Amy und Jack getan zu haben. Russell Whitman hatte seine Strafe abgesessen, dennoch wollte Doug ihm nicht die Verantwortung für Amy überlassen.

~*~

Russell Whitman legte seinen Eid ab und nahm im Zeugenstand Platz, wie seine Vorgänger auch und Jason begann die Befragung. Zuerst fragte er nach dem Verhältnis, das der Kläger zu Jen gehabt hatte und dann wollte er wissen, weshalb er die Mutter seiner Tochter noch während der Schwangerschaft im Stich gelassen hatte. Russell blieb bei jeder Frage ruhig, wirkte zu keiner Zeit nervös. Ganz im Gegenteil, er schien sehr selbstsicher. Und Jason kannte diese Art von Mandant nur zu gut. Diese Sicherheit, in der sich der Kläger trotz aller 'Beweise' wog, die gegen ihn sprachen, würde ihm das Genick brechen.

»Sie haben also 'kalte Füße' bekommen?«, wiederholte Jason die zuletzt gemachte Aussage und atmete tief durch. Dann sah er den Kläger durchdringend an. »Und was macht Sie so sicher, dass Sie nicht wieder 'kalte Füße' bekommen und das Kind erneut im Stich lassen, so wie zuvor seine Mutter?«

Immer noch schien sich Russell seiner Situation nicht bewusst, der Sackgasse in der er sich schon seit der ersten Aussage dieser Verhandlung befand.

»Ich weiß es, weil ich sie liebe.«

»Das ist schön und gut, aber wie können Sie sich wirklich sicher sein? Wissen Sie welche Verantwortung so ein Kind mit sich bringt? Wie viel Geld ein Kind kostet und wie viel Aufmerksamkeit und liebevolle Zuwendung es braucht? Es ist in diesem Alter vollkommen auf Sie angewiesen.«

»Ich kann jedenfalls besser für Amy sorgen, als diese Schwuchteln!«, schrie Russell plötzlich außer sich, stand auf und zeigte auf Jack und Doug. »Was könnten die meinem Kind beibringen, außer wie man die Menschheit ausrottet und Krankheiten wie AIDS verbreitet!«

Russells Anwalt schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Doug, Jack und sogar Grams standen neben einiger anderer auf und protestierten gegen die unnötigen verbalen Angriffe und Beleidigungen, sodass plötzlich der ganze Raum von Lärm erfüllt schien, indem anfänglich sogar das Holz hämmern des Richters unterging.

»Die versauen mein Kind!«, rief Russell vom Zeugenstand aus in die tobende Menge.

»Und durch Sie lernt sie, wie man sich durchschlägt und im Drogenmilieu untergeht!«, wehrte sich Jack aufs Heftigste. »Was könnten Sie ihr schon beibringen oder bieten! Sie hätten bleiben sollen, wo Sie waren! Jen würde nicht wollen, dass einer wie Sie ihr Kind (v)erzieht!«

»Ruhe! Ich bitte um Ruhe! RUHE!«, brüllte der Richter aus Leibeskräften und zerbrach fast den Hammer, so sehr schlug er zu, um endlich wieder Ordnung in das Chaos aus Stimmen zu bringen. Die Einzigen, die sich ruhig verhielten und alles schweigend mit ansahen, waren die Anwälte.

»Die Sitzung wird auf morgenfrüh vertagt!«, sagte der Richter mit eiserner Stimme, als man ihm endlich wieder Gehör schenkte. »Dann gibt Ihnen allen etwas Zeit die Gemüter zu beruhigen. Morgen wird dann bekanntgegeben, wer künftig das Sorgerecht für Amy Lindley haben wird.«

»Was zum Teufel sollte das, Jack?« Jason sah ihn und auch Doug vorwurfsvoll an. »Wenn er«, er nickte in Richtung Russell, »die Fassung verliert, ist das gut für uns. Wenn einer von uns das tut, dann ist das verdammt schlecht! Ihr müsst verantwortungsbewusst auftreten und nicht wie ein Haufen hirnloser Idioten, die sich von derart haltlosen Angriffen anstacheln lassen. Ist das klar!?«

Jack und Doug nickten reuevoll, versuchten noch nicht einmal sich zu verteidigen, ebenso wenig Grams, der die Standpauke des Anwalts ebenso galt. Russell jedoch hatte sich noch immer nicht gefasst und schrie nun seinen Anwalt an, dessen Einsatz er für lächerlich schwach erklärte. Es drangen noch einige Beleidigungen zu den Vieren hinüber, als sie Seite an Seite den Saal verließen.

~*~

»Hey, Dawson, ich bin's. Jack.«

»Hi Mann, wie läuft es?« Dawson wusste bereits von der Sorgerechtsklage. Gale hatte es ihm vor einigen Tagen am Telefon erzählt.

Jack lehnte sich in dem kleinen Sessel zurück, der neben dem Telefontisch in dem Hotelzimmer stand. »Jason und auch Doug sind guter Hoffnung, aber ich bin mir ehrlich gesagt ziemlich unsicher.«

»Vielleicht bist du so verunsichert, weil du am meisten zu verlieren hast. Du bist nun Amys Vater und du hast Jen in so vielen Stunden beigestanden, in der sonst ein Ehemann einer Frau beisteht. Du hast ihr versprochen auf ihre Tochter aufzupassen und nun versucht jemand dir das Kind wegzunehmen, das du zu Recht als deine Tochter bezeichnest.« Dawson machte eine kleine Pause und fuhr dann fort, als von Jack nichts weiter als Atmen zu hören war. »Ich weiß, dass ich von Kindern keine Ahnung habe oder von dem was in letzter Zeit so in Capeside los ist, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich deine Angst verstehe. Und Angst zu haben ist nichts Negatives. Im Gegenteil. Angst macht dich vorsichtig.«

»Ich habe die Fassung im Gerichtssaal verloren, als mich dieser Typ mit Schwuchtel tituliert hat«, sagte Jack schließlich kleinlaut. »Und ich weiß nicht inwiefern sich das negativ auf den ganzen Prozess und die Entscheidung des Richters auswirken wird, Dawson. Ich habe furchtbare Angst davor, alles ruiniert zu haben, wofür Jason mit uns kämpft.«

»Hm ...«, war zunächst alles, was von Dawson kam. Dann meinte er: »Sicherlich war das nicht sehr weise. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass solche kleinen Ausbrüche meist auf den immensen Stress geschoben werden, der mit solchen Situationen einhergeht. Sicherlich wird Jason das so oder so ähnlich auch dem Richter vortragen, wenn er sich für den Vorfall entschuldigen wird. Und das wird er vermutlich, damit du wieder besser dastehst.«

»Du denkst also, dass ich es verbockt habe, nicht wahr?«

»Nein, Jack, das habe ich nicht gesagt.« Neuerlich machte Dawson eine Pause und atmete hörbar tief durch. »Ich bin sicher, dass alles gutgehen wird. Jason ist ein guter Anwalt. Er hat bisher nur knapp fünf von hundert Fällen verloren. Er wird es schaffen, dass du das Sorgerecht nicht abgeben musst, du wirst schon sehen.«

Die Hoffnung, die in Dawsons Stimme schwang, hob Jacks Stimmung. Zwar nur geringfügig, aber er fühlte sich nun wirklich besser. »Danke, Mann. Ich wusste, dass es gut sein würde mit dir zu telefonieren.«

Dawson konnte heraushören, dass Jack nun wieder imstande war zu lächeln. »Immer wieder gerne. Dafür sind Freunde doch da.«

Kurze Zeit herrschte Schweigen, dann fragte Jack: »Wann bist du denn mal wieder in der Gegend?«

»Ich denke, dass ich es zu Weihnachten schaffen werde. Allerdings vermutlich nicht am Heiligabend, sondern erst tags drauf.«

»Das klingt doch wunderbar. Ich freue mich schon darauf.«

»Ich mich auch«, sagte Dawson. »Dann zeigen wir der kleinen Amy, was ein Weihnachtsfest in Capeside ist, okay?«

»In Ordnung«, erwiderte Jack und fühlte plötzlich Tränen aufkommen, die er jedoch schnell zurückdrang, als Doug das Zimmer betrat. »Bis bald, Dawson.«

»Bis bald.«

Dann legten die beiden Männer auf und Jack stand von dem Sessel auf. Doug legte seine Jacke ab und reichte Jack eine Papiertüte und einen Plastikbecher.

Doug war bereits fort gewesen, als Jack an diesem Morgen aufgewacht war. »Wie hast du geschlafen?«

»Es geht so«, sagte Jack ehrlich.

»Das Frühstück wird dir gut tun«, lächelte Doug.

»Ich habe keinen Appetit.«

»Du musst etwas essen, Jack. Wenn du nachher einen Schwächeanfall bekommst, ist das sicherlich nicht sehr förderlich. Iss wenigstens einen Donut und trink den Kaffee. Der macht Tote wieder munter.« Ein kleines Lächeln legte sich auf Dougs Lippen und Jack erwiderte es nach einigen langen Sekunden.

»Schön, einen Donut werde ich runter bekommen.«

Doug nickte und ging wieder in Richtung Tür. »Ich gehe kurz zu Grams.«

»In Ordnung«, erwiderte Jack und sah zu wie Doug das Zimmer verließ.

Kaum, dass er allein war, ging Jack mitsamt dem Becher und dem Donut zurück zu dem kleinen Sessel und nahm den Telefonhörer ab. Hastig tippte er Gales Nummer ein und kurz nach dem ersten Klingelzeichen, nahm sie auch schon den Hörer ab.

»Leery«, meldete sie sich noch genau wie zu der Zeit als Mitch noch gelebt hatte. Jason hatte es verstanden, dass sie aufgrund ihrer Trauer und auch wegen des Fischrestaurants nicht bereit war, den Namen abzulegen.

»Hi Gale. Wie geht es euch?« fragte Jack, ohne sich vorzustellen.

Gale hatte angeboten Amy für die Tage zu hüten, in denen Jack, Doug, Mrs. Ryan und Jason in Boston vor Gericht waren.

»Amy geht es gut.« Er konnte ein Lächeln aus Gales Stimme heraushören. »Wie geht der Prozess voran?«

»Hat Jason dich nicht längst angerufen und dir alles erzählt?«, erkundigte sich Jack ein wenig verwundert.

»Doch das hat er«, gestand sie. »Wie geht es dir?«

»Dein Sohn weiß wie man jemanden aufmuntert«, sagte Jack und lächelte. Dann nippte er an seinem Kaffee und fuhr fort: »Ich habe vorhin mit ihm gesprochen und ihm von gestern erzählt.«

»Das wird vor Gericht nicht weiter ins Gewicht fallen, Jack. Nicht bei der Vergangenheit, die dieser Whitman hat und nicht nachdem verbalen Angriff, den er ja wohl gestartet hat.«

»Offenbar hat Dawson diese Gabe von dir, Gale«, grinste Jack in den Hörer. »Ich weiß nicht, wie ich das alles ohne euch durchstehen würde.«

Lange Zeit herrschte absolute Stille, dann hörte Jack im Hintergrund plötzlich eine Stimme, die sofort ein Lächeln auf seine Lippen zauberte.

»Ist das Amy?«, fragte er hoffnungsvoll.

»Ja. Soll ich sie mal an den Hörer holen?«

»Gerne«, erwiderte Jack und sein Lächeln wurde noch größer.

Plötzlich hörte er, neben dem Geräusch von Griffen und Kratzern, die wie ein entferntes Krachen klangen, Gale, die sagte: »Daddy ist am Telefon.«

»Zack!«, johlte die Kleine in den Hörer. »Dadda – Zack.«

»Hey, mein Liebling. Geht es dir gut? Ist es schön bei Tante Gale und Lilly?«

Als Antwort erhielt er ein fröhliches Kinderlachen und allein ihre süße Stimme zu hören, trieb ihm Tränen in die Augen. »Ich bin bald wieder bei dir, mein Engel. Ich liebe dich.«

»Auch ...«, sagte sie und dann übernahm Gale wieder den Hörer.

»Jack, sie spricht schon sehr schön«, lobte sie. »Du hättest eben ihr Gesicht sehen sollen, als sie deine Stimme gehört hat. Es war als begannen nicht nur ihre Augen, sondern ihr ganzes Gesicht zu strahlen. Kein Gericht der Welt wird euch beide auseinanderreißen, glaub mir das.«

»Danke«, krächzte er nur am anderen Ende und es kostete ihn sehr viel Kraft, die Tränen zurückzudrängen. »Bis bald, Gale. Gib ihr einen Kuss von mir, ja?«

»Ja, das werde ich. Bis bald, Jack.«

~*~

Der restliche Vormittag im Gerichtssaal verlief wesentlich ruhiger als am Vortag, obgleich alle Anwesenden sehr angespannt waren. Immer wieder war Jacks Blick hinüber zu Russell gewandert, der nun auch etwas Nervosität zeigte und an den Fingernägeln knabberte. Jack tat nichts dergleichen. Ließ sich nicht anmerken, wie schnell sein Herz raste.

Es gab noch einige weitere Fragen, vor allem an Jack und Russell, die sie beide ohne Ausartungen beantworteten. Und als Russell plötzlich von Paceys Auftauchen bei ihm erzählte, wurde Jack ganz schwarz vor Augen. Er sah sich schon damit konfrontiert, dass er Amy deshalb verlieren würde und verfluchte die ungestüme Art seines Freundes. Doch zu seinem und auch Amys Glück hatte Pacey wirklich nur versucht mit Russell zu reden. Es hatte keine tätlichen Angriffe gegeben und deshalb schien der Richter diesen kurzen Besuch nicht auf die Goldwaage zu legen.

Drei volle Stunden gingen die Befragungen noch und dann rief der Richter eine Pause ein, damit er sich auf den endgültigen Beschluss vorbereiten konnte, der über Amys Zukunft entscheiden sollte.

Zu Mittag bekam Jack kaum einen Bissen runter und selbst Doug war so angespannt, dass er nur sehr wenig aß. Grams gönnte sich eine einfache Suppe. Keiner sagte ein Wort. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Und dann war die Mittagspause auch schon vorüber und das Trio ging zurück zum Gericht.

Jack konnte förmlich das Ticken seiner Armbanduhr hören, als er neben Jason saß und gebannt den Richter anstierte. Er wagte es kaum zu atmen und schickte Stoßgebete zum Himmel.

Russells Anwalt fasste die Gründe zusammen, die ihm das Sorgerecht, trotz des gestrigen Vorfalls, zusprechen sollten. Er erzählte davon, dass sich Menschen ändern könnten und dass Whitmans hitziger Ausbruch nur auf die Liebe zu seiner Tochter zurückzuführen sei.

Der Richter hörte sich die Schlussrede in Ruhe an und übergab anschließend das Wort an Jason weiter, der höflich nickte, von seinem Platz aufstand und dann in die Saalmitte trat.

»Meine Damen und Herren, Euer Ehren«, begann er die förmliche Anrede. »Bevor Sie nun eine Entscheidung fällen, möchte ich Ihnen noch etwas mehr über die Beziehung erzählen, die Jack McPhee zu Jennifer Lindley hatte, und welche er nun zu deren Tochter pflegt. Sie alle kennen die Fakten. Sie wissen, dass Jack McPhee Amys Taufpate war und dass es Miss Lindleys letzter Wunsch war, dass er das Mädchen zu sich nehmen sollte, um ihr eine sichere Zukunft und vor allem ein liebevolles Zuhause zu geben. Sie hat ein Videoband aufgenommen, einzig für ihre Tochter, in der sie ihr sagt – und ich zitiere: Und zu guter letzt möchte ich, dass du weißt, dass ich immer sehr viel für deinen Vater empfunden habe, auch wenn unsere Beziehung immer rein platonisch war. Von dem Moment, an dem ich von der Schwangerschaft mit dir erfuhr, wusste ich, dass er dein Patenonkel sein sollte. Ich wusste, dass, sollte mir je etwas zustoßen, du bei ihm in guten Händen wärst. Er ist der beste, gütigste und cleverste Mensch, den ich je kennen gelernt habe. Und er liebt dich, als wärst du sein eigenes Fleisch und Blut.
Also mein Liebling, wann immer du traurig bist, dass du keine Mutter hast, denke daran, dass du den besten Vater hast, den es auf der ganzen Welt gibt. – Zitat Ende.« Jason wandte sich vom Richter ab und sah Jack an, der bis dahin nichts von dieser Aufzeichnung gewusst hatte und der nun dasaß und weinte. »Sehen Sie sich diesen jungen Mann an. Ein Lehrer und ja, ein Homosexueller. Sehen Sie, was er für Amy und auch für ihre Mutter fühlt. Wollen Sie Jennifer Lindley den letzten Wunsch verweigern, für jemanden, der Amy nicht kennt und nur wenige Wochen mit ihrer Mutter zusammen war, wo es doch jemanden gibt, der Amys Mutter seit dem sechzehnten Lebensjahr kannte und eine tiefe Freundschaft zu ihr pflegte? Wollen Sie Amy, nun nachdem sie ihre Mutter verloren hat, auch noch aus den Armen des Mannes reißen, der der einzige Vater ist, den sie je kannte?«

Jason erwartete an dieser Stelle selbstverständlich keine Antwort. Sicheren Schrittes ging er zurück zu Jack und nahm wieder neben ihm Platz.

»Woher wussten Sie von dem Video?«, fragte Jack flüsternd.

»Dawson hat es mir vorgestern zugeschickt. Er hat es wenige Tage vor Jens Tod mit ihr aufgenommen und wurde gebeten es zu verwahren, bis Amy das zwölfte Lebensjahr erreicht. Natürlich wusste er, was noch auf dem Band war und er dachte, dass es hilfreich für uns sein könnte.«

»Oh Gott«, kam es kaum hörbar von Jack er schlug die Hand vor den Mund. Von hinten spürte er, wie sich eine starke Hand sanft auf seine Schulter legte.

Es war Doug und Jack drehte sich zu ihm um. Sein Blick war verschleiert von Tränen.

Evelyn Ryan betete wohl zum zehnten Mal das Vaterunser im Stillen, als der Richter davor war, seine Entscheidung zu verkünden. Sie spürte ihr Herz, welches zunehmend schwach gegen ihre Rippe pochte und immer wieder vor Aufregung stolperte. Um sich etwas zu beruhigen, schloss sie die Augen. Erst als sie die Jubelschreie von Jack und Doug hörte, öffnete sie diese wieder und konnte es kaum fassen. Der Herr hatte ihre Gebete erhört und sie dankte es ihm im Stillen.

Sie hatten gewonnen! Amy würde bei ihnen bleiben. Bei ihrer wahren Familie!

Lächelnd und über glücklich stemmte sie sich auf. Sie wollte zu Jack vortreten und ihn umarmen.

Hastig umrundete sie die leere Bank. Ihr Herz raste, es fühlte seltsam an. Nicht gerade kräftig. Fast ein wenig unecht. Sie verringerte ihre Schritte als ihr klar wurde, dass sie zu hastig reagiert hatte und alles um sie herum zu verschwimmen begann. Vorsichtig versuchte sie sich auf etwas zu stützen, sich irgendwo festzuhalten, wollte nur kurz Luft schnappen ... doch dann wurde alles schwarz um sie herum.

Als Evelyn Ryan bewusstlos zu Boden sackte, riss Jack die Augen auf. Die Freude auf seinem Gesicht starb jäh. Er schob Doug von sich, der ihn umarmt und geküsst hatte, ignorierte Jason, der ihnen hatte gratulieren wollen und schob sämtliche Leute aus dem Weg.

»GRAMS!« Jacks Stimme zerriss die Jubelrufe der anderen und plötzlich war der Gerichtssaal unwirklich still.


Fade to black ...


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